S&P und Fitch

US-Ratingagenturen senken Daumen über Großbritannien

Die Entscheidung Großbritanniens, aus der EU auszusteigen habe laut zwei US-Ratingagenturen negative Effekte auf die Wirtschaft des Landes: Standard & Poor's und Fitch stufen deshalb die Kreditwürdigkeit herab.
Die US-Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Fitch haben Großbritannien wegen des Brexit-Entscheids abgestraft. Quelle: dpa
Brexit-Referendum

Die US-Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Fitch haben Großbritannien wegen des Brexit-Entscheids abgestraft.

(Foto: dpa)

New YorkDie großen US-Ratingagenturen haben Großbritannien wegen des Brexit-Votums abgestraft. Standard & Poor's (S&P) erkannte dem Land die Top-Kreditwürdigkeit ab; die Bonität des Landes sei von der besten Bewertung „AAA“ um zwei Stufen nach unten auf „AA“ herabgestuft worden, teilte die Agentur am Montag mit. Fitch nahm die Bonitätseinstufung von „AA+“ auf „AA“ zurück. Bei beiden Ratingagenturen ist der Ausblick negativ.

Die Abstufung sei darauf zurückzuführen, dass das Brexit-Votum „die Vorhersehbarkeit, die Stabilität und die Effektivität der politischen Prozesse in Großbritannien“ schwächen werde, so S&P. Zudem seien Auswirkungen auf die britische Wirtschaft und die Staatsfinanzen zu erwarten.

So sehr schmieren Investmentbanken weltweit ab
Investmentbanken mit extremem Durchhänger
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Die Kursturbulenzen im ersten Quartal haben den Einnahmen von Investmentbanken immens geschadet. Zum Jahresbeginn waren die Kurse an den Aktienmärkten weltweit eingebrochen, Firmenübernahmen und Börsengänge wurden aufs Eis gelegt, Bankkunden handelten wegen der immensen Kursschwankungen weniger mit Wertpapieren.

Frankfurter Skyline
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Nach Daten des Finanzdatenanbieters Thomson Reuters fielen die Erträge im Investmentbanking weltweit um 28,5 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro – ein schwächeres Quartal hatte es zuletzt Anfang 2009 gegeben. Goldman Sachs hat den Spitzenplatz abgeben müssen.

Das Ranking umfasst aber nur das Geschäft mit der Ausgabe neuer Wertpapiere wie Aktien, Anleihen, Krediten sowie der Beratung bei Fusionen und Übernahmen – nicht etwa das Handelsgeschäft, in dem etwa die Deutsche Bank sehr stark ist.

Platz 15: Rothschild
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Traditionell ist das erste Quartal das stärkste für die meisten Investmentbanken, daher schlägt der Umsatzrückgang besonders ins Kontor. Unter den Top-20-Banken weltweit findet sich nur eine, die bei den Erträgen im 1. Quartal 2016 zulegen konnte.

Laut Thomson Reuters betrugen die Einnahmen von Rothschild 234 Millionen Dollar, ein Plus von 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – dadurch sprang die Bank um sieben Plätze im Ranking nach oben.

Platz 12: UBS
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Die Schweizer Großbank UBS erwischte ein Quartal, in dem es noch stärker abwärts ging als im Branchenschnitt: Die Einnahmen im Investmentbanking schrumpften um 39,1 Prozent auf 279 Millionen Dollar. Damit konnte die Bank Platz 12 verteidigen, knapp vor HSBC (minus 41,9 Prozent) und BNP Paribas (minus 30,8 Prozent).

Platz 10: RBC Capital Markets
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Die kanadische Investmentbank RBC Capital Marktes (Foto: Werbestand auf einer Automesse) ist das erste Institut in den Top 10, mit knappem Vorsprung vor der Mizuho Financial Group auf Rang 11. Bei RBC schrumpfte das Geschäfts so stark wie der Gesamtmarkt (minus 28,5 Prozent) auf 345 Millionen Dollar.

Platz 9: Wells Fargo
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Die Bank mit Sitz in Kalifornien hält mit Erträgen von 401 Millionen Dollar (minus 34,3 Prozent) ihren Platz und liegt nur knapp hinter der größten deutschen Investmentbank.

Platz 8: Deutsche Bank
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Das Geschäft der Deutschen Bank schrumpft unter den Top 10 der Investmentbanken am stärksten: minus 44,5 Prozent. Die Einnahmen von 498 Millionen Dollar stammen fast zur Hälfte aus dem Anleihegeschäft. Die Bank büßt zwei Plätze auf Rang acht ein.
Einer Analyse des Marktbeobachters Coalition Group zufolge war die Deutsche Bank im vergangenen Jahr – inklusive des Handelsgeschäfts – die fünftgrößte Investmentbank der Welt, in dieser Rangliste ging es ebenfalls zwei Plätze abwärts.
Hier lesen Sie eine Analyse zur Lage des Investmentbankings der Deutschen Bank.

Ähnlich äußerte sich Fitch: Die Entscheidung für einen Austritt aus der Europäischen Union habe einen negativen Effekt auf die britische Wirtschaft, die öffentlichen Finanzen sowie die politische Kontinuität, erkläre die Agentur am Montagabend. Fitch kürzte angesichts der erwarteten Unsicherheit die Wachstumsprognosen für dieses und die kommenden beiden Jahre.

Ein schlechteres Rating kann letzten Endes dazu führen, dass ein Land höhere Zinsen am Kapitalmarkt zahlen muss oder allgemein schlechter an frisches Geld gelangt. Großbritannien gehörte zu den wenigen Ländern mit der Top-Note „AAA“, dem sogenannten Triple-A. Deutschland wird weiterhin mit der Bestnote bewertet.

Die S&P-Analysten nannten als Leidtragenden des Brexit explizit die Finanzbranche, die einen wesentlichen Teil zur Beschäftigung und zu den öffentlichen Einnahmen beitrage. Darüber hinaus warnte S&P vor einem Zerfall Großbritanniens. Das Ergebnis des Referendums „könnte eine konstitutionelle Krise auslösen, wenn es zu einem zweiten Referendum um die schottische Unabhängigkeit von Großbritannien führt“.

Die anstehenden Verhandlungen um einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union seien „mit einem hohen Maß an Unsicherheit“ darüber verbunden, wie der Brexit letztlich ausgestaltet werde, so die Ratingagentur weiter. Die Verhandlungen über die künftigen Beziehungen könnten sich weit über die zwei Jahre hinaus hinziehen, die für den eigentlichen EU-Austritt veranschlagt würden.

Die dritte große Ratingagentur Moody's hatte den Ausblick für die Bonitätsbewertung schon am Freitag von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Das Rating ließ Moody's indes zunächst unverändert bei „AA1“, was eine Stufe unter der Top-Note im Moody's-Schema liegt.

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