TV-Debatte zu Brexit
Von Lügen, Falschfahrern und Profilneurosen

Brexit-Gegner attackieren Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson in einer TV-Debatte: Sie nennen den Brexit-Befürworter einen „Phantasten“, der Halbwahrheiten verbreite und dem es nur um die persönliche Profilierung gehe.

LondonDie Attacke hat mit einem scharfen Zwischenruf begonnen: „Entferne die Lüge von deinem Bus“, forderte ein Zuschauer in einer Fernsehdebatte am Donnerstagabend Boris Johnson auf. Der ehemalige Bürgermeister Londons und einer der populärsten Politiker auf der Insel tourt bei seinem Wahlkampf für den EU-Austritt Großbritanniens mit einem Bus über die Lande mit der Aufschrift: „Wir überweisen der EU täglich 50 Millionen Pfund.“

Diese Zahl stimmt nicht. Sie unterschlägt den Beitragsrabatt und Mittel, die das Land aus Brüssel erhält. Nicola Sturgeon, schottische Ministerpräsidentin und Brexit-Gegnerin, nahm diese Zahl daher in der Debatte zum Anlass, um die Halbwahrheiten und Mythen aufzuspießen, die Johnson sonst noch verbreitet.

Andere Teilnehmer der Diskussion wurden noch persönlicher und nannten Johnson einen Phantasten, der nur von einer Sache besessen sei: der künftige Premierminister Großbritanniens zu werden und in die Downing Street einzuziehen. Es war lange Zeit unklar, in welchem Lager in der Brexit-Debatte Boris Johnson kämpfen würde. Er entschied sich Ende Februar, nachdem Großbritanniens Premier und sein Parteikollege David Cameron Zugeständnisse mit der EU ausgehandelt hatte, für den Austritt.

Er begründete das damit, dass es an der Zeit sei, dass das Land wieder mehr Kontrolle über seine eigenen Angelegenheiten bekomme. Doch viele Kritiker, auch Mitglieder seiner eigenen Partei, werfen ihm Kalkül vor. Er nutze die Brexit-Debatte, um sich zu profilieren und so seine Chancen, Cameron zu beerben, zu erhöhen.

Angesichts der vielen Angriffe in der Fernsehdebatte fand sich Johnson in einer ungewohnten Rolle. Der Mann, der sonst stets für einen guten Spruch gut ist und Tatsachen schon mal gern ignoriert, um einen Lacher zu landen, versprach plötzlich, sich nur noch an harte Fakten halten.

Doch es klappte nicht so ganz – etwa bei der Frage, ob Großbritannien auch nach einem EU-Austritt weiterhin Zugang zum Binnenmarkt haben kann. Johnson bejahte das einfach und spontan. Doch es ist völlig unklar, ob das wirklich klappt und Brüssel sich darauf einlässt. Johnson gab seinen Kritikern daher erneut Anlass, an seiner Glaubwürdigkeit zu zweifeln.

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Johnson will Hoffnung machen

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