Ukip-Chef Nigel Farage
Der General und sein lila Brexit-Bus

Der hitzige Wahlkampf um den Brexit hat auch den verschlafenen Badeort Clacton-on-Sea erreicht. Ukip-Chef Nigel Farage schürt routiniert die EU-Skepsis der Briten - und gibt sich siegessicher.

Clacton-on-Sea„Das hat nichts mit Parteien zu tun. Hier geht es um unsere Freiheit!“, herrscht eine rothaarige Vertreterin der nationalistischen Ukip-Party zwei Labour-Wähler an, die sich am „We want our country back – Vote on Leave“-Stand informieren wollen. „Stupid British“, wirft sie ihnen noch hinterher, die EU sei „Nonsens".

Aufgeheizt ist die Stimmung in Clacton-on-Sea, einem verschlafenen Badeort an der britischen Ostküste, wo übergewichtige britische Rentner sich die Strandpromenade entlangschleppen, vorbei an billigen Rummelbuden, Fish-and-Chips-Ständen und der Kulisse der sich am Horizont über dem Meeresspiegel drehenden Wald von Offshore-Windrädern. Zwei Tage vor der Abstimmung über den EU-Verbleib des Vereinigten Königreichs macht der Wahlkampfrummel auch vor Clacton nicht halt.

Wie aus dem Nichts sind ein paar Dutzend in Lila T-Shirts und Jacken gekleidete Ukip-Anhänger vor dem McDonald's am Pier erschienen, halten ihre Leave-Schilder hoch und warten auf ihren Parteichef Nigel Farage, Britanniens oberster EU-Hasser – ausgestattet übrigens mit gut dotiertem Mandat im Europaparlament.

„Macht Big cheers“, fordert Farages Kampagnenmanager die umstehenden Ukip-Fans auf, als der ganz in Lila gehaltene offene Doppeldecker mit dem Riesenkonterfei des früheren Rohstoffhändlers und Investmentbankers um die Ecke biegt. „Endlich mal gutes Wetter“, strahlt der dauerlächelnde Politprofi seine Anhänger an, bevor er Dutzende Selfies mit sich machen lässt und Autogramme auf die „Vote Leave“-Kunststoffschilder gibt.

„Wir holen uns unsere Demokratie zurück“, sagt Farage dem Handelsblatt, das sollten die europafreundlichen Deutschen begreifen. „Wir werden weiter ein Europa haben, aber ein anderes Europa“. Sollte das Brexit-Votum scheitern, „dann treten eben andere aus der EU aus, sie ist ein toter Gaul, der nicht mehr geritten werden kann“.

Was mit ihm werde, wenn die Briten mehrheitlich in der EU bleiben wollten? „Man fragt doch einen General vor der Schlacht auch nicht, ob er fallen wird“, gibt sich der sonnengebräunte Farage siegesgewiss. Vor allem in den Arbeitervierteln sei noch viel Zustimmung zu holen – oder bei den Rentnern, die in Clacton auf Bänken in der Sonne dösen.

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„Wir sind eine starke Handelsnation auch ohne die EU“

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