Unis fürchten Brexit
Ein Rückschlag für die Wissenschaft

Sollte sich Großbritannien von der EU abwenden, drohen europäischen Studierenden höhere Studiengebühren. Die britischen Universitäten müssen sich zudem auf rückläufige Forschungsgelder einrichten.

Manchester, LondonEs ist Tag der offenen Tür an der Manchester Metropolitan University: Künftige Studenten, häufig in Begleitung ihrer Eltern, säumen die Tische voll mit Informationsmaterial. Die Wahl der Universität ist für die 16- und 17-Jährigen eine der wichtigsten Entscheidungen in ihrem jungen Leben. Schließlich geht es nicht nur um die künftige Berufswahl, es geht auch viel Geld. Gut 9000 britische Pfund, mehr als 11.000 Euro kostet so ein durchschnittliches Studienjahr hier in Manchester. Da kommt einiges zusammen, wenn man drei oder vier Jahre an der Uni weilt. Auch für die Manchester Metropolitan ist ein solcher Informationstag für die angehende Studenten wichtig: Die Studiengebühren sind ein zentraler Bestandteil des Budgets, das in diesem Fall 270 Millionen Pfund beträgt.

„Wir haben kein Problem, junge Menschen für die Uni zu gewinnen“, sagt der Vize-Kanzler und eigentliche Verwaltungschef der Uni, der französische Professor Jean-Noel Ezingeard. „Die Zahl der Bewerber liegt fünf Mal so hoch.“ Die Manchester Metropolitan ist eine von drei Universitäten in der Stadt und mit 37.000 Studenten und auch gleich eine der größten des Landes. Rund zehn Prozent von ihnen kommen aus dem Ausland, die Hälfte aus Ländern der EU.

Die Lebenshaltungskosten sind deutlich geringer als in London, die Freiheit größer, das Vergnügen auch: In der Stadt gibt es unzählige Cafés, Pubs und andere Treffpunkte für junge Leute. Die rund 100.000 Studenten prägen das äußere Erscheinungsbild der alten Industriestadt, die sich längst zu einem modernen Dienstleistungsstandort entwickelt hat.

Doch dieser Aufwärtstrend ist bedroht, sollte sich das Land an diesem Donnerstag wirklich für den Austritt aus der EU entscheiden. „Studenten aus der EU müssten dann deutlich höhere Studiengebühren zahlen“, sagt Ezingeard. Das Niveau würde sich dem angleichen, was Studenten aus Indien, Afrika oder Asien schon jetzt zu berappen haben: ein Aufschlag von rund 4000 Pfund. Die meisten würden sich das zweimal überlegen, ob sie dann noch in Großbritannien studieren wollen, fürchtet der Vize-Kanzler. Das sieht sein Kollege in London ähnlich: Ein Brexit könnte die Studenten aus der EU verschrecken, glaubt Michael Arthur, Kanzler des University College London (UCL). „Im Falle des Falles gehe ich davon aus, dass die Zahl der Studenten für ein, zwei Jahre sinken wird, bis klar ist, was sich für den Einzelnen wirklich ändern wird.“

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