Von Adele bis Whisky
99 Gründe, warum wir alle Briten sind

Viele auf der Insel wollen mit der EU nichts mehr zu tun haben. Doch wir fühlen uns verbunden. Die Handelsblatt-Redaktion hat zusammengetragen: Womit die Briten unser Leben bereichert haben – und es weiter tun werden.
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Demokratie kann eine schrecklich anstrengende Sache sein. Das führte in den vergangenen Jahren nicht nur zu Politikverdrossenheit bei den Wählern, sondern auch zu einer gewissen Wähler-Verdrossenheit beim Establishment: „Die da oben machen ja doch, was sie wollen“ versus „Die da unten verstehen gar nicht mehr, worum es geht“.

Die Gründe für die gegenseitige Entfremdung sind vielfältig und haben mit den Grundprinzipien ebenjener Demokratie zu tun, die in modernen Mediengesellschaften chronische Neujustierungen erlebt: Der Prozess der Meinungsbildung wird dank Internet und Social Media beherrscht von ebenso schnell provozierten wie verebbenden Shitstorms.

Oft geht es eher um Emotionen als um Argumente und um Geld, also Kampagnenfähigkeit. Flankiert wird das Theater von der Dummheit des Schwarms und von Meinungsforschern sowie „Experten“ aller Art. Und am Ende gewinnen immer häufiger sogenannte „Populisten“, die vom Establishment schon deshalb als solche diskreditiert werden müssen, weil sie aus dem Stand überraschend breite Wählerschichten ansprechen.

Großbritannien hat am Donnerstag gewählt. Und weder die Bürger noch die Parteispitzen von Labour, Tories oder Ukip haben sich diese Wahl leichtgemacht: Nach Monaten erstaunlich emotionaler Debatten entscheidet sich das Vereinigte Königreich, ob es der Europäischen Union treu bleiben oder Lebewohl sagen will. Das ist die Schicksalsfrage: Bleiben oder gehen?

Komplexeste Sachverhalte kulminieren in einem schlichten Ja oder Nein. Brexit or Bremain. Friss oder stirb!

Und beide Seiten operierten mit vielerlei Ängsten: Die EU-Skeptiker warnten vor der freiheitsfressenden Brüsseler Bürokratie und dunklen Flüchtlingshorden, die ihre Insel fluten könnten. Die EU-Verteidiger drohten mit ökonomischem Niedergang und Absturz in Isolation und Zweitklassigkeit.

Kaum einer wagt eine Prognose, wie es ausgehen wird. Als könnte letztlich die Tagesform der Wähler entscheiden oder schlichter Zufall. Es gab kluge Geister, die glaubten, dass kurz vor der Wahl noch für Europa eintretende Stars wie David Beckham einen messbaren Einfluss auf die Entscheidung haben könnten. Genauso gab es Leute, die darauf hofften, dass der Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox die Unentschlossenen gegen jene Nationalisten aufbringen würde, denen sich auch Cox‘ Mörder verbunden fühlte.

Man wusste gar nicht, was einem unheimlicher sein sollte: dass die Briten einem irrlichternden Ex-Fußballer womöglich mehr vertrauen als ihrem Regierungschef? Oder dass sie schlussendlich in der EU bleiben, weil ein Irrer einen Mord begeht? Oder gar, dass am Ende der donnerstägliche Regen die Wahl entscheidet, weil die Brexit-Befürworter dann motivierter zur Wahlurne liefen? All solche Erwägungen zeigten nur, wie unsicher und hilflos alle Beteiligten den Ausgang herbeitheoretisieren.

Brexit

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