WHU-Rektor Rudolf zum Brexit
„Frankfurt würde nicht das neue London“

Ein Brexit könnte die Finanzmärkte erschüttern. Der WHU-Rektor Markus Rudolf spricht über die Risiken für Anleger, warum Großbritannien am meisten verlieren und Frankfurt kaum von Austritt der Briten profitieren würde.

Frankfurt am MainMarkus Rudolf ist seit Januar 2015 Rektor der WHU Otto Beisheim School of Management – eine der führenden privaten Wirtschaftshochschulen in Deutschland. In seiner Forschung beschäftigt er sich vor allem mit der Eurokrise, Banking und Risikomanagement. Zuletzt setzte er sich mit den Gefahren des Brexits auseinander.

Herr Rudolf, das Brexit-Referendum in wenigen Tagen macht die Anleger mächtig nervös. Deutsche Bank-Anlagechef Ulrich Stephan rechnet mit einem heftigen Erschrecken der Finanzmärkte mit Kurseinbrüchen von 20 bis 25 Prozent. Wie schlimm wird es wirklich?

Ich stimme ihm zu. Es wird ein regelrechtes Erdbeben auf den Weltfinanzmärkten geben. Letztlich spiegeln Aktienkurse die Erwartungen an das zukünftige Wachstum der Unternehmen wider. Und die Befürchtung, dass ein Austritt Großbritanniens Konsequenzen für die Wachstumsperspektiven hat, teile ich mit den meisten Ökonomen.

Wie lang würde es dauern, bis sich die Kurse wieder erholen?
Das lässt sich nicht seriös sagen. Die Aktienmärkte dürften sich aber erst dann erholen, wenn klar ist, dass weitere Zentrifugalkräfte aus Europa heraus nicht wirksam werden. Das hängt nicht zuletzt davon ab, wie die EU seine ökonomischen Beziehungen zu Europa nach einem Brexit regelt. Falls es nach einem Brexit zu weiteren Auflösungserscheinungen in Europa kommt, dürfte das die Märkte hingegen längere Zeit belasten.

Was können Anleger jetzt tun, um sich vor Verlusten zu schützen?
Wenn Sie Angst vor einem Aktieneinbruch haben, dann sollten Sie jetzt besser nicht in europäischen oder britischen Aktien investiert sein oder verkaufen. Auf der anderen Seite könnten amerikanische Aktien als sicherer Hafen für Börsianer steigen.

In Anleihen ließe sich im Moment auch nur schlecht ausweichen. Zuletzt ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erstmals in den negativen Bereich gerutscht.

Das ist in der Tat schwierig. Wir sehen ja jetzt schon, dass viele Anleger in Anleihen flüchten. Das lässt deren Kurse steigen. Das Problem ist nur, dass dann die Renditen sinken. Abgesehen davon bekommen Sie bei vermeintlich sicheren Anleihen heute nirgendwo noch attraktive Zinsen. Im Fall eines Brexit rechne ich allerdings eher mit sinkenden Kursen und größeren Risikoprämien auf europäischen Anleihen – mittelfristig auch auf deutschen. Eine Flucht in deutsche Anleihen kann deshalb auch Kursverluste nach sich ziehen.

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