Brexit-Verhandlungen Das europäisch-britische Armdrücken beginnt

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Notausgang für den Fall eines Stimmungsumschwungs?

Auch bei der sogenannten Freizügigkeit gibt es massive Differenzen. Barnier und der Chefunterhändler des Europäischen Parlaments, Guy Verhofstadt, haben die Vorschläge Mays zu den Rechten der drei Millionen EU-Bürger in Großbritannien nach dem Brexit als zu vage und unzureichend kritisiert. Ziel sei es, das gleiche Schutzniveau für die Bürger zu verankern wie im EU-Recht, sagt Barnier.

Die Freizügigkeit ist auch für die britische Wirtschaft wichtig, die auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen ist und sich immer größere Sorgen über die Folgen des EU-Austritts macht. Die Konjunkturaussichten beurteilen die Mitgliedsunternehmen der Britischen Handelskammern (BICC) inzwischen mau und fürchten Schlimmeres, sollte nicht bald mehr Klarheit herrschen.

Schwierige Gespräche: Brexit-Verhandlungen gehen in die zweite Runde

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Und in der Finanzindustrie, eine der Schlüsselbranchen in Großbritannien, hat die Ungeduld mit der Regierung schon konkrete Folgen. Die Abwanderung beginnt, Banken verlagern Jobs in die verbleibenden 27 EU-Länder. Denn nach dem EU-Austritt brauchen in London ansässige Finanzinstitute eine eigene Gesellschaft mit Banklizenz in einem EU-Land, um ihre Produkte und Dienstleistungen in den verbleibenden Staaten vertreiben zu dürfen.

Die attraktivsten Städte für Londoner Banker
Wohin zieht es die Banken nach dem Brexit?
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Es werden immer mehr Stimmen laut, dass sowohl englische als auch ausländische Banken Arbeitsplätze nach Paris oder Frankfurt verlagern werden. Doch eine Studie von Movinga zeigt: Für Banker sind die beiden europäischen Metropolen keinesfalls die attraktivsten Städte. Die Online-Umzugsplattform hat anhand verschiedener Kriterien – unter anderem Abgabenhöhe, Englisch-Freundlichkeit, Mieten, Kosten für den Lebensunterhalt und Flugminuten nach London – die lebenswertesten Städte für Londoner Banker zusammengestellt.

Platz 10: Mailand
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Die zweitgrößte Stadt Italiens ist für Londoner Banker im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen eher unattraktiv: Das liegt der Studie zufolge vor allem an der 130-minütigen Flugstecke, den hohen Mieten für Top-Wohnungen – fast 3000 Euro im Mittel – und dem geringen Anteil englischsprachiger Bewohner der Stadt.

Platz 9: Paris
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Manche Finanzexperten prophezeien zwar, dass die französische Hauptstadt nach dem Brexit zum neuen Finanzzentrum Europas wird. Im Preis-Leistungsverhältnis schneidet Paris aber deutlich schlechter als andere europäische Metropolen ab, was insbesondere an dem enorm hohen Einkommensteuersatz von 49 Prozent und an den horrenden Lebenshaltungskosten liegt. Das obere Mietpreissegment beträgt fast 3.400 Euro im Monat, für die Mitgliedschaft in einem Luxus-Fitnessstudio werden mehr als 100 Euro monatlich fällig und für einen Cocktail am Abend im Mittel zwölf Euro.

Platz 8: Madrid
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In der spanischen Hauptstadt müssen Londoner Banker weniger tief ins Portemonnaie greifen. Für eine Top-Wohnung zahlen sie in Madrid etwas mehr als 2.400 Euro, der maximale Einkommensteuersatz beträgt 42 Prozent. Allerdings müssen die Banker bei einer Flugzeit von 155 Minuten mehr als doppelt so viel Zeit einplanen, wenn sie Freunden und Bekannten in der ehemaligen Heimat London einen Besuch abstatten möchten.

Platz 7: Hamburg
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Die deutsche Hansestadt könnte für einige Banker aus London zur neuen Heimat werden: Dort sprechen – im Vergleich zu Madrid, Paris und Mailand – laut Untersuchung deutlich mehr Menschen Englisch, die deutsche Metropole ist nur 90 Flugminuten von London entfernt und die durchschnittlichen Mieten für Top-Wohnungen sind vergleichbar mit denen in der spanischen Hauptstadt. Mit fast 48 Prozent ist in Hamburg der maximale Einkommensteuersatz allerdings vergleichsweise hoch.

Platz 6: Frankfurt
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Noch lebenswerter für Banker als Hamburg ist Frankfurt. Dennoch schafft es die ohnehin schon weltweit als deutsche Finanzmetropole bekannte Großstadt nicht unter die Top fünf der attraktivsten europäischen Städte für Londoner Banker. Der Grund: hohe Abgaben, hohe Mieten und Lebenshaltungskosten. Für eine Hausreinigung werden schon mal 144 Euro fällig, für eine Mitgliedschaft im Luxus-Fitnessstudio 99 Euro und für einen Cocktail am Abend neun Euro.

Platz 5: Brüssel
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Der Hauptsitz der europäischen Politik kann trotz eines hohen Einkommensteuersatzes vor allem mit der Nähe zu London (70 Flugminuten) und vergleichsweise geringen Mieten für Top-Wohnungen punkten. Im Schnitt betragen diese in Brüssel etwa 1.500 Euro monatlich.

„Es wurde viel geredet, aber nicht gehandelt“, sagte James Bardrick, Großbritannien-Chef der US-Großbank Citigroup Der Verwaltungsratschef einer der größten britischen Banken beklagt: „Jeden Tag kommen Leute in mein Büro und sagen, dass ich den Startknopf für den Brexit-Umzug drücken soll.“ Zum Ende des Sommers müsse er wohl grünes Licht geben.

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair hofft derweil, dass die Idee des Brexits komplett in den Geschichtsbüchern als gescheitert eingehen könnte. Er pocht darauf, dass sich Großbritannien die Option offen halten sollte, doch in der Europäischen Union zu bleiben, sollte sich die Wählerstimmung während der Verhandlungsphase mit der EU ändern.

„Ich denke, es ist möglich, dass der Brexit nicht geschieht“, so Blair in einem Fernsehinterview am Sonntag. „Ich glaube, dass es absolut notwendig ist, dass er nicht geschieht. Denn jeder Tag bringt meiner Meinung nach frische Belege, dass er uns schadet.“

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1 Kommentar zu "Brexit-Verhandlungen: Das europäisch-britische Armdrücken beginnt"

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  • Kann man den Blödsinn nicht einfach lassen und stattdessen eine moderne digitale Demokratie einführen?

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