Brexit-Verhandlungen
Das europäisch-britische Armdrücken beginnt

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Notausgang für den Fall eines Stimmungsumschwungs?

Auch bei der sogenannten Freizügigkeit gibt es massive Differenzen. Barnier und der Chefunterhändler des Europäischen Parlaments, Guy Verhofstadt, haben die Vorschläge Mays zu den Rechten der drei Millionen EU-Bürger in Großbritannien nach dem Brexit als zu vage und unzureichend kritisiert. Ziel sei es, das gleiche Schutzniveau für die Bürger zu verankern wie im EU-Recht, sagt Barnier.

Die Freizügigkeit ist auch für die britische Wirtschaft wichtig, die auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen ist und sich immer größere Sorgen über die Folgen des EU-Austritts macht. Die Konjunkturaussichten beurteilen die Mitgliedsunternehmen der Britischen Handelskammern (BICC) inzwischen mau und fürchten Schlimmeres, sollte nicht bald mehr Klarheit herrschen.

Und in der Finanzindustrie, eine der Schlüsselbranchen in Großbritannien, hat die Ungeduld mit der Regierung schon konkrete Folgen. Die Abwanderung beginnt, Banken verlagern Jobs in die verbleibenden 27 EU-Länder. Denn nach dem EU-Austritt brauchen in London ansässige Finanzinstitute eine eigene Gesellschaft mit Banklizenz in einem EU-Land, um ihre Produkte und Dienstleistungen in den verbleibenden Staaten vertreiben zu dürfen.

„Es wurde viel geredet, aber nicht gehandelt“, sagte James Bardrick, Großbritannien-Chef der US-Großbank Citigroup Der Verwaltungsratschef einer der größten britischen Banken beklagt: „Jeden Tag kommen Leute in mein Büro und sagen, dass ich den Startknopf für den Brexit-Umzug drücken soll.“ Zum Ende des Sommers müsse er wohl grünes Licht geben.

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair hofft derweil, dass die Idee des Brexits komplett in den Geschichtsbüchern als gescheitert eingehen könnte. Er pocht darauf, dass sich Großbritannien die Option offen halten sollte, doch in der Europäischen Union zu bleiben, sollte sich die Wählerstimmung während der Verhandlungsphase mit der EU ändern.

„Ich denke, es ist möglich, dass der Brexit nicht geschieht“, so Blair in einem Fernsehinterview am Sonntag. „Ich glaube, dass es absolut notwendig ist, dass er nicht geschieht. Denn jeder Tag bringt meiner Meinung nach frische Belege, dass er uns schadet.“

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