Brief an Obama
Snowdens Vater fordert ein Ende der Strafverfolgung

Edward Snowden droht weder Todesstrafe, noch Folter, verspricht US-Justizminister Holder. Ein Anwalt der Familie Snowden zeigt sich empört und auch Snowdens Vater glaubt nicht, dass sein Sohn einen fairen Prozess bekäme.
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WashingtonDer Vater von Edward Snowden hat US-Präsident Barack Obama in einem Brief dazu aufgefordert, kriminelle Vorwürfe gegen den flüchtigen Ex-Geheimdienstler fallen zu lassen. „Wir fordern Sie und den Justizminister auf, die ausstehende Strafanzeige gegen Edward fallen zu lassen“, schrieb Lon Snowdens Anwalt in dem am Freitag veröffentlichten Brief. Er drängte Obama und Justizminister Eric Holder dazu, der von Snowden aufgedeckten missbräuchlichen Spionage durch den Geheimdienst NSA mit entsprechenden Gesetzen ein Ende zu bereiten. Stattdessen solle er eine Gesetzgebung voranzutreiben, „die die Auswüchse der Überwachung durch den Geheimdienst NSA beseitigt, die er (Edward Snowden) aufgedeckt hat“. Der Fernsehsender MSNBC veröffentlichte das Schreiben auf seiner Internetseite.

Lon Snowden, der die Enthüllungen seines Sohnes vor drei Wochen als tapfer und ehrenwert bezeichnet hatte, kritisierte die Regierung und den US-Kongress für ihr Vorgehen. Der Eifer der US-Regierung, den Computerspezialisten zu bestrafen, sei skrupellos und unvertretbar.

Holder hatte der russischen Regierung in einem Brief zugesichert, dass die USA für Snowden nicht die Todestrafe anstrebten und ihn auch nicht foltern würden - falls Russland den 30-Jährigen ausliefere. Snowden soll sein Asylgesuch in Moskau unter anderem damit begründet haben, dass ihm in den USA Folter und die Todesstrafe drohe.

Der Anwalt der Familie hatte den US-Justizminister daraufhin scharf kritisiert. „Heute hat der Justizminister - offenbar in dem Glauben, er sei versöhnlich - gesagt, dass Edward Snowden im Falle einer Übergabe an die USA nicht getötet oder gefoltert werde. Um das als Zugeständnis zu verstehen, muss man schon eine sehr verzerrte Wahrnehmung haben“, sagte Bruce Fein, der den Vater Snowdens vertritt.

Und auch Lon Snowden, der sich mit Rechtsanwälten um eine Lösung bemüht hatte, wie sein Sohn in den USA einen fairen Prozess bekommen könnte, glaubt, dass sein Sohn derzeit in Russland besser aufgehoben ist. Über Holders Äußerungen sei er empört.

An der Stelle seines Sohnes würde er sich einen sicheren Unterschlupf suchen, bis in den USA eine Regierung an der Macht komme, die die Verfassung respektiere, sagte er der Nachrichtenagentur Associated Press. Derzeit sei Edward in Russland besser aufgehoben. Das Land sei möglicherweise der beste Ort, um Asyl zu suchen, weil es dem Druck der USA am ehesten widerstehen könne.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Brief an Obama: Snowdens Vater fordert ein Ende der Strafverfolgung"

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  • Einen südamerikanischen Präsidenten von "unabhängigen" und alten Kulturnationen nur auf Verdacht zur Landung zwingen, ein russischer Präsident der darauf besteht das dieser Hacker die USA nicht weiter schädigen werde! Was hat der Snowden denen geklaut? War die durch Computernetzwerke verkürzte Reaktionszeit des nuklearen Gegenschlages doch nicht so genial? Hat er sie oder hat er sie nicht - die Zugangscodes zu den Atomwaffen - geklaut?

  • "Edward Snowden droht weder Todesstrafe, noch Folter, verspricht US-Justizminister Holder. Ein Anwalt der Familie Snowden zeigt sich empört und auch Snowdens Vater glaubt nicht, dass sein Sohn einen fairen Prozess bekäme."

    Erstaunlich welche Macht der Justizminister in den USA haben soll, wenn er verspricht, dass er weder mit der Todesstrafe noch mit Folter rechnen muss. Nachdem was wir über Guatanamo wissen und Obama das Lager innerhalb eines Jahres schließen wollte, es aber immer noch "lebt", dann wissen wir, was wir von derartigen Statements halten können.

  • Wenn die USA so weiter machen müssen wir die ganze Sache mit dem Nürnberger Tribunal neu überdenken...

    Man hat den USA geglaubt über jahrzehnte, weil man daran glauben wollte, langsam stellen sie aber durch ihr tun das ganze Werte gerüst das man den D nach dem Kriege beibracht, auf dem unsere Ganzes tunen seit dem Basiert, total in frage, und die Entäuschung in den Herzen der D Bevölkerung kann ein Amerikaner gar nicht nachvollziehen. Der Fall Manning hat schon aufgeschreckt, aber Snowdens Fall schlägt dem Faß den Boden aus

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