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Briefbombe: Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Anschlags auf Ackermann

Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen zum versuchten Briefbombenanschlag auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Die Gruppe, die sich zu der Tat bekennt, hat am Freitag erneut zugeschlagen.

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, ist diese Woche einem Briefbombenanschlag entgangen. Quelle: dapd
Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, ist diese Woche einem Briefbombenanschlag entgangen. Quelle: dapd

KarlsruheDie Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen zum versuchten Briefbombenanschlag auf Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann an sich gezogen. Wie die Behörde am Freitag in Karlsruhe mitteilte, besteht bei den noch unbekannten Tätern der Anfangsverdacht der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit dem Versuch des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.

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Am Mittwoch war Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in Frankfurt einem Anschlag entgangen. Ein an ihn adressierter Umschlag war in der Poststelle der Deutschen Bank aufgefallen und geröntgt worden. Dabei wurden Drähte und Metallteile der Zündvorrichtung und des Auslösers einer Bombe entdeckt. Die Experten des LKA konnten den Sprengsatz entschärfen. Niemand wurde verletzt.

Nach den bisherigen Erkenntnissen setzte sich der Sprengsatz aus etwa 50 Gramm eines explosiven Zündmittels und einer funktionstüchtigen Zündvorrichtung zusammen, erklärte die Bundesanwaltschaft. In dem Brief war zudem ein in italienischer Sprache verfasstes Selbstbezichtigungsschreiben einer linksanarchistischen Gruppe, der Federazione Anarchica Informale (FAI), enthalten.

Gefährliche Post - Anschläge mit Briefbomben

  • März 2011

    Bei Briefbombenanschlägen auf Soldaten im italienischen Livorno und eine Pro-Atom-Organisation im Schweizer Kanton Solothurn werden drei Menschen verletzt. Eine weitere Briefbombe aus Italien geht im griechischen Hochsicherheitsgefängnis Korydallos bei Athen ein, wird aber entschärft. Italienische Anarchisten bekennen sich zu dem Anschlag auf das Gefängnis, auch die Tat in Livorno wird ihnen zugeschrieben.

  • Dezember 2010

    In Rom lösen Paketbombenanschläge auf die Botschaften der Schweiz und Chiles Terroralarm aus. Zwei Menschen werden schwer verletzt. Zu den Taten bekennt sich wiederum eine italienische Anarchistengruppe. Wenige Tage später wird auch vor der griechischen Botschaft in Rom eine Paketbombe gefunden, die aber entschärft werden kann.

  • November 2010

    Eine Serie von Briefbomben an Politiker in mehreren europäischen Ländern sorgt für Aufregung. Eine Sendung landet im Berliner Kanzleramt. Das an Angela Merkel adressierte Paket kann aber entschärft werden. Pakete mit Brandsätzen gehen auch an verschiedene Botschaften in Athen, darunter an die Vertretungen Deutschlands und der Schweiz. Griechische Linksextremisten bekennen sich zu der Serie.

  • Februar 2008

    Bei der Explosion einer Paketbombe in München wird ein Mann schwer verletzt. Das Paket war an einen Autohändler adressiert. Die Hintergründe der Tat bleiben mysteriös.

  • Januar & Februar 2007

    Ein Mann aus Cambridge verschickt sieben mit Nägeln und Glassplittern gefüllte Briefbomben an Verkehrsbehörden in England und Wales. Acht Menschen werden verletzt. Der Mann wollte nach eigenen Angaben gegen den „Überwachungsstaat“ protestieren.

  • Februar 2000

    Der zu lebenslanger Haft verurteilte österreichische Bombenleger Franz Fuchs verübt im Gefängnis Selbstmord. Er hatte aus Fremdenhass von 1993 bis 1996 mit Rohr- und Briefbomben vier Menschen getötet und rund ein Dutzend verletzt. Prominentestes Opfer war Wiens damaliger Bürgermeister Helmut Zilk, dem eine Briefbombe eine Hand zerfetzte.

  • Mai 1998

    Der als „Unabomber“ in den USA bekannte Paketbomben- Attentäter Theodore Kaczynski bekennt sich vor Gericht schuldig und erhält im Gegenzug lebenslange Haft statt der Todesstrafe. Er hatte über einen Zeitraum von 17 Jahren drei Menschen durch Bombenanschläge getötet und über 20 verletzt. Das Kürzel „Una“ steht für Universities und Airlines, wo die ersten Opfer beschäftigt waren.

Die FAI hatte vor einem Jahr mit Briefbomben an die Botschaften der Schweiz und Chiles in Rom zwei Menschen verletzt. In dem Bekennerschreiben am Mittwoch wurde jedoch vor „drei Explosionen gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger“ und auch gegen Politiker gewarnt.

Die Gruppe hat sich auch zur Explosion eines Päckchens in einer Filiale einer staatlichen Schuldeneintreibungsgesellschaft in Rom am Freitag bekannt. Der Direktor des Unternehmens ist dabei schwer an der Hand verletzt worden und hat einen Finger verloren.

Politik entsetzt Bekennerschreiben im Fall Ackermann

Das Briefbombenattentat sorgt für Aufregung. Jetzt gibt es ein Bekennerschreiben.

Der italienische Regierungschef Mario Monti bedauerte den Vorfall und versicherte dem Verletzten seine Solidarität. Die Schuldeneintreibungsgesellschaft Equitalia habe „stets nur ihre essenzielle Aufgabe im Rahmen von Recht und Gesetz erfüllt“, erklärte Monti. Equitalia ist eine Gesellschaft, die sich mehrheitlich im Besitz des italienischen Staates befindet. Sie ist für Steuer- und Gebühreneintreibung zuständig.

  • 10.12.2011, 13:12 UhrAMI-Comeback

    @ energieelite (von Elitebonds?)
    Der permanente Kapitaltransfer von Süden nach Norden über die Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite wird mit Sicherheit zu politischer Unruhen innerhalb der Eurozone führen.
    Automatische Sanktionen, wie immer wieder von Merkel verlangt, würden dieses Kapitaltransfer nur noch vergrößern.
    Wichtig und richtig wären Vertragsänderungen die diese Leistungsbilanzungleichgewichte verhindern, damit die schwächere Wirtschaften nicht von den stärkeren erstickt werden. (wegen der Freihandelszone)
    Diese Änderungen wären im Interesse Europas und folglich auch langfristig im Interesse Deutschlands.
    Solange aber die Merkozy das Sagen haben wird genau in die entgegen und falsche Richtung hingearbeitet.
    Es wäre daher wünschenswert wenn die USA wieder für Ordnung in Europa sorgten, und diesmal rechtzeitig.

  • 10.12.2011, 13:04 UhrMarcheOuCreve

    @ Energieelite,
    mehrere Fragen ergeben sich:
    "Deutschland ist auf dem rechten Auge blind" wieso Deutschland?
    und was hat mein Kommentar mit links- oder rechts zu tun?
    Der letzte Teil meines Kommentars ist ein Auszug aus der Rede von damaligen Bürgemeister von Berlin Ernst Reuter, und der hatte bestimmt mit Terror nichs im Sinne, oder?
    Nicht nur Karl-Theodor zu Guttenberg kann kopieren, das kann ich auch!

  • 10.12.2011, 11:14 UhrEnergieelite

    Deutschland ist auf dem rechten Auge blind, nun aber auch noch auf dem linken wie uns dieser text sehr schön veranschaulicht !

    Lieber @ Spartakus,
    es gibt keinen "guten Terror " es gibt nur DEN Terror , und der ist mit allen mittel die uns zur Verfügung stehen zu bekämpfen , egal ob er von rechts oder links kommt !!!

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