Brisante Daten: Die Mär von den klammen Krisenstaaten

Brisante Daten
Die Mär von den klammen Krisenstaaten

Krisenländer wie Spanien, Italien und Zypern halten die Euro-Retter in Atem. Dabei könnten sich die Staaten selbst helfen. Denn dort ist der private Reichtum teilweise wesentlich größer als in finanzstarken Ländern.
  • 91

BerlinDas pleitebedrohte Zypern hält seit Wochen die Euro-Rettungspolitiker in Atem. Heute drängt das Thema wieder einmal auf die Agenda. Die Euro-Finanzminister wollen am Nachmittag in Brüssel über das Hilfsprogramm für den krisengeschüttelten Inselstaat beraten. Die Verhandlungen seien in der Endphase, sagen Diplomaten. Dem Euro-Land droht die Staatspleite, wenn nicht bald internationale Hilfe kommt. Doch in Deutschland gibt sich die Politik zögerlich – aus gutem Grund.

Europas Politiker ärgert nicht nur, dass reiche Russen bei zyprischen Banken rund 20 Milliarden Euro gebunkert haben, die aber nun abgesichert werden sollen, weil den strauchelnden Geldinstituten eine Rekapitalisierung mit EU-Steuergeldern winkt. Für Unmut sorgt auch, dass offenbar Daten über den Reichtum in Zypern erst nach der Rettung der Insel veröffentlicht werden sollen. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf Notenbankkreise.

Konkret geht es um Zahlen, die in den 17 Euroländern erhoben wurden. Vom Jahr 2006 an fragten die Euro-Notenbanken viele tausend Privathaushalte nach ihrem Geldvermögen, dem Wert ihrer Autos und Immobilien sowie nach der Verschuldung. Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Ergebnisse erst im April gesammelt veröffentlichen. Dabei sind schon einige Länder wie Italien, Spanien und Österreich vorgeprescht und haben schon Daten veröffentlicht. Die Bundesbank will ihren Bericht zur Verteilung der Vermögen in Deutschland am kommenden Donnerstag veröffentlichen.

Was Zypern betrifft befürchten die Notenbanker, dass die Daten über die Vermögen der Zyprer genutzt werden könnten, um die Milliardensummen für das Rettungsprogramm in Frage zu stellen. Dabei sind die Grundzüge der Vermögensverteilung der Europäer bekannt. Die FAZ führt eine Studie der Credit Suisse an, der zufolge das durchschnittliche Nettovermögen (mit Immobilien, ohne Schulden) von Erwachsenen in Zypern für das Jahr 2011 auf 87.000 Euro geschätzt werde. Im Vergleich dazu lag bei Deutschland dieser Wert zur selben Zeit bei rund 135.000 Euro. Zypern nimmt in dieser Statistik den 10. Rang ein, Deutschland wird auf Rang 6 geführt.

Das Brisante ist, dass die Erhebung der 17 Euro-Notenbanken zu kaum anderen Ergebnissen zu kommen scheint. Laut Informationen der FAZ lassen die Daten den Schluss zu, dass die Vermögen in Euro-Krisenländern größer sind als in einigen finanzstarken Ländern wie der Bundesrepublik. Dies sei zwar aus früheren Untersuchungen bekannt. Angesichts der Höhe der Vermögen in Defizitländern könnte es jedoch Kritik an der Haftungsübernahme der finanzstarken Länder bei der Euro-Rettung geben.

Kommentare zu " Brisante Daten: Die Mär von den klammen Krisenstaaten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ich frage mich warum die türkei bei der zypern rettung nicht mit ins boot gehold wird-da die gas und ölvorkommen bei dieser rettung eine rolle spiele soll-diese vorkommen gehören nicht nur dem griechichen teil sondern auch dem türkischen und deshalb wäre es am besten diese beiden landesteile zu vereinigen-ein zweiter mauerfall in europa würde zeigen das man es rnst meint mitde zusammenwachsen der völker
    frohhaalu

  • @Oekonomix

    hm, für eine Gas-Pipeline in die Türkei wird es schon reichen. Nur dann kommt nichts davon in Europa an.

  • Und die Roten und Grünen: Diese Parteien stehen FÜR eine Vergemeinschaftung der (EU-) Schulden, zudem blockieren sie im Bundesrat Aufhebung der kalten Progression!! Zudem fordern sie Steuererhöhungen one Ende, dabei haben wir de facto kein Einnahmeproblem!! Wir geben seit Jahren zuviel Geld aus!!!!!!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%