Brisanter Brief
Liechtensteins Fürst nennt Deutschland „Viertes Reich“

Es ist ein brisanter Brief: Eine Schweizer Zeitung berichtet über ein Schreiben des Liechtensteiner Fürsten an den Direktor des Jüdischen Museums in Berlin. Darin äußert sich der Monarch in wenig freundlichen Worten über Deutschland, spricht von einem „Vierten Reich“, das die Liechtensteiner auch noch überleben würden. Revanche für den Steuerskandal? Die Finanzbranche im Fürstentum ist empört.

cot/tor DÜSSELDORF. Eigentlich wollte der Fürst die Wogen im Steuerskandal glätten. Doch nun gießt Hans-Adam II. von Liechtenstein neues Öl ins Feuer, torpediert die Bemühungen der Banken in seinem kleinen Staat, neues Vertrauen aufzubauen. Der „Tages-Anzeiger“ in Zürich berichtet über einen bristanten Brief des Liechtensteiner Fürsten.

Darin wettert der Monarch heftig gegen Deutschland. Er schreibt von einem "Vierten Reich", dass die Liechtensteiner auch noch überleben würden. Er beklagt, dass die Bundesrepublik „je länger, desto weniger geneigt ist, sich an den Grundprinzipien des internationalen Völkerrechts zu orientieren“? Und wie kam es beim 82-Jährigen an, dass der Monarch erklärte, "schon drei Deutsche Reiche überlebt" zu haben, und der Hoffnung Ausdruck gab, "wir werden auch noch ein viertes überleben"? Und das Dritte Reich sei Gott sei Dank untergegangen, bevor es seine Drohung habe in die Tat umsetzen können, das Fürstentum Liechtenstein anzuschließen. Was die Beziehungen zu Deutschland angehe, warte das Füstentum auf bessere Zeiten.

Addressat des Briefes: Werner Michael Blumenthal, ehemaliger US-Finanzminister und ist seit 1997 Direktor des Jüdischen Museums Berlin. Mit seinem Schreiben wollte der Fürst begründet, warum Liechtenstein keine Leihgaben mehr aus der eigenen Kunstsammlung nach Deutschland bringe, heißt es. Liechtenstein wolle seine Kunstwerke nicht dem Risiko einer selektiven Anwendung des Rechtsstaats in der Bundesrepublik Deutschland aussetzen, schreibt der Fürst in seinem Brief. Das Museum von Blumenthal hatte Hans-Adam II. um eine Leihgabe eines Werks des niederländischen Porträtmalers Frans Hals aus dem 17. Jahrhundert für die Ausstellung "Raub und Restitution" gebeten, das der Fürst auf einer Auktion in New York erworben hatte.

Blumenthal wollte laut „Tagesanzeiger“ zum Briefwechsel mit dem Fürsten keine Stellung nehmen. Auch Schloss Vaduz äußert sich nicht. "Nach unseren Erkenntnissen, könnte der Brief bereits aus dem Juni stammen", sagte ein Regierungssprecher in Liechtenstein. "Das ist eine Posse, der man nicht allzu viel Gewicht beimessen sollte."

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte zu den Vorwürfen im fürstlichen Schreiben: "Die Bundesrepublik Deutschland respektiert das Völkerrecht und internationale Rechtsnormen - selbstverständlich auch in Bezug auf Liechtenstein." Die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern seien "eng und gut nachbarschaftlich".

Deutlicher wird der Zentralrat der Juden in Deutschland. Er ist bestürzt. "Die Aussage des Fürsten ist völlig abwegig", zitiert die Zeitung Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats. Korn sagte dem "Tages-Anzeiger", der Ärger über diese Methoden berechtige Hans-Adam noch lange nicht zu solchen Aussagen. "Der Fürst verharmlost die Verbrechen der Nationalsozialisten, indem er die Bundesrepublik in eine Reihe mit dem Dritten Reich stellt." Zudem sei Werner Michael Blumenthal der vollkommen falsche Adressat für ein solches Schreiben. Der Zentralrat erwarte vom Fürsten, dass er sich beim Direktor des Jüdischen Museums entschuldige.

Wahrscheinlich entstand der Brief des Fürsten auch in Reaktion auf den immer noch schwelenden Steuerkonflikt zwischen Liechtenstein und der Bundesrepublik. Der Bundesnachrichtendienst hatte einem ehemaligen Angestellten der fürstlichen Bank LGT illegal beschaffte Kundendaten abgekauft. Der Fürst hatte sich im Frühjahr beim Staatssender Radio Liechtenstein über "einen gezielten und sorgfältigst vorbereiteten Angriff" des deutschen Geheimdienstes auf sein Land beklagt.

Herber Rückschlag für Liechtensteins Banken

Der jetzige verbale Ausfall passt allerdings überhaupt nicht zu der jüngsten Linie des Fürstentums, die Wogen im Steuerstreit zu glätten. Insbesondere die vorsichtige Reparaturarbeit der dortigen Banken wird konterkariert. Aber auch für die Regierung des "Ländle" ist das ein herber Rückschlag. Wird die Atmosphäre für die Kooperationsverhandlungen mit Deutschland in Steuerfragen doch erneut vergiftet.

"Wir distanzieren uns entschieden von den Äußerungen des Fürsten", sagte Michael Lauber, Geschäftsführer des Bankenverbandes in Liechtenstein, dem Handelsblatt. "Deutschland ist überhaupt nicht mit dem Dritten Reich vergleichbar."

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