Briten auf Kriegsfuß mit der EU
Scheitert Cameron an der Europafrage?

Großbritanniens Premierminister David Cameron steht stark unter Erfolgsdruck. Rebellen aus den eigenen Reihen drängen ihn zu einem Veto in Sachen EU-Etat. Doch Kanzlerin Merkel will keine weiteren Störungen zulassen.
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London/BerlinAls der Europäischen Union vor ein paar Wochen der Friedensnobelpreis verliehen wurde, da schüttelten vor allem auf „der Insel“ viele den Kopf. „Warum?“ In den Augen vieler Briten ist die EU nichts als ein bürokratisches Monster, das unentwegt Geld verschlingt - vor allem britisches.

Die Downing Street unter dem konservativen Premierminister David Cameron hat hinsichtlich Europa keinerlei politische oder gesellschaftliche Visionen. London bemisst den Wert der Mitgliedschaft im Club der 27 praktisch ausschließlich an der Frage wirtschaftlicher Überlegungen.

Und Cameron ist sich sicher: „Die Mitgliedschaft in der EU bringt Vorteile für unser Land.“ Der Zugang zum europäischen Binnenmarkt sei unersetzlich, wiederholt er gebetsmühlenartig. Erst im vergangenen Jahr wurden die Exporte in die EU und vor allem in die Eurozone noch einmal deutlich gesteigert. Allein an Deutschland verkauften die Briten um 17,5 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen als ein Jahr zuvor.

Die Statistiken und auch Wirtschaftsexperten geben Cameron recht. Aber die euroskeptischen Hardliner in seiner eigenen Partei bekommt er damit nicht in den Griff. Sie führen eher die Nettozahlungen von London nach Brüssel in Höhe von 5,57 Milliarden Euro im vergangenen Jahr an - auch wenn Großbritannien gemessen am Pro-Kopf-Aufkommen nicht zu den größten Netto-Zahlern in Europa gehört.

Bei jeder Gelegenheit treiben sie ihren eigenen Premier in der Europafrage vor sich her und lassen ihn in immer neue Fallen tappen. Das politische London fragte sich am Donnerstag einhellig: Geht es hier wirklich um Europa, oder handelt es sich vielmehr um eine innerparteiliche Revolte gegen einen nicht mehr geliebten Parteiführer?

Am Mittwochabend erteilten 53 Abgeordnete vom rechten Flügel der Torys ihrem Premier die bisher deutlichste Abfuhr dieser Art, verbunden mit einem klaren Auftrag: Wenn er am 23. November vom EU-Gipfel aus Brüssel nach Hause kommt, dann möge er gefälligst reale Kürzungen in der mittelfristigen Finanzplanung der EU ausgehandelt haben. Die EU solle absolut weniger Geld ausgeben als bisher - schließlich müsse das krisengeplagte Inselvolk ja auch sparen.

Kommentare zu " Briten auf Kriegsfuß mit der EU: Scheitert Cameron an der Europafrage?"

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  • @SayTheTruth
    "I am british.."

    Good for you, the Brits have at least some humor and common sense. Something direly needed in the EU.

    "No further power and socialism to brussels with build-in corrupcy-system and the damn Europe-poisening currency EURO."

    Thats the french way. Germany is lost without any hope without the UK in the EU.

    Camerons double-game regarding the EU is not very plausable though.

  • Was kann man von den "Engländern" lernen?
    Nimm soviel du kriegen kannst und ansonsten halt Dich schadlos!
    Als Pudel kriecht man hin und wieder unter das US-Regendach, ja da wo Angelsachsen "wirken" da ist Friede, Freude, Eierkuchen. Manchmal! Meistens nicht für die Wasserträger der Herren über Pfund und Dollar!

    Früher haben das die Kolonien "geliefert" heute die EU-Mania Truppe! Jedes Empire findet sein Ende gut so! Nur die Strafe steht noch aus für das angerichtetet Elend dieser selbsternannten Weltenretter.

  • Sollen doch GB austreten. Dann würde ich der EU empfehlen insbesondere im Kapital- und Zahlungsverkehr mit GB die Wiedereinführung von Zöllen zu überdenken.

    Egal. Bevor GB aus der EU austritt glaube ich eher dass Schottland aus GB austritt.

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