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01.11.2007 
Immigrationspolitik

Briten fürchten Überfremdung

von Matthias Thibaut

Großbritannien steht vor einer Kehrtwende in der Immigrationspolitik, das jüngste Zahlenchaos diskreditiert die Einwanderungspolitik der Regierung. Nun hat Premier Brown reagiert und Kontrollmaßnahmen versprochen. Doch Experten befürchten: Auch eine restriktivere Einwanderungspolitik kann eine drohende Bevölkerungsexplosion nicht verhindern.

Der britische Premier Gordon Brown kündigte verstärkte Maßnahmen zur Kontrolle der Einwanderung an. Foto: apLupe

Der britische Premier Gordon Brown kündigte verstärkte Maßnahmen zur Kontrolle der Einwanderung an. Foto: ap

LONDON. Der britische Premier Gordon Brown hat verstärkte Maßnahmen zur Kontrolle der Einwanderung versprochen. Zuvor hatten Chaos bei den Regierungsstatistiken, Warnungen vor einer Bevölkerungsexplosion und ein Vorstoß von Tory-Parteichef David Cameron das Vertrauen in Labours Einwanderungspolitik untergraben.

Innerhalb von 24 Stunden mussten Ministerien ihre Angaben zur Höhe der Einwanderung dreimal revidieren. Arbeitsminister Peter Hain entschuldigte sich für die Vorlage falscher Zahlen. Innenministerin Jacqui Smith räumte ein, es sei „schlecht“, wenn die Regierung den Zustrom ausländischer Arbeiter um 300 000 Köpfe unterschätze. Der Chef des Statistikamts, Richard Alldritt, erklärte, er habe seit Jahren gefordert, dass mehr für die exakte Erfassung der Zuwanderung getan werde.

„Das Chaos zeigt, dass die Minister die Kontrolle über unser Einwanderungssystem verloren haben“, resümierte Oppositionssprecher Chris Grayling. Ursprünglich erklärte das Arbeitsministerium, seit 1997 seien 800 000 ausländische Arbeiter ins Land gekommen. Diese Zahl musste nach Nachbohren der Tories auf 1,1 Millionen erhöht werden. Dann kam heraus, dass die Zahl bei 1,5 Millionen liegt, wenn man jene Einwanderer hinzuzählt, die inzwischen die britische Staatsbürgerschaft angenommen haben.

Der Labour-Abgeordnete Frank Field geht sogar von 1,6 Millionen aus, da die Statistiken Arbeiter, die in Hotels oder Wohnheimen leben, nicht erfassen. Auch Zeit- und Saisonarbeiter und die auf bis ein halbe Million geschätzte Zahl Illegaler sind nicht eingerechnet. Die revidierten Zahlen bedeuten, dass von den durch den Wirtschaftsaufschwung der Labourjahre geschaffenen 2,1 Millionen neuen Jobs mindestens die Hälfte an ausländische Arbeitnehmer ging.

Premier Brown sagte dem TV Sender GMTV am Mittwoch: „Wir haben 600 000 offene Stellen. Es ist mir wichtig, dass diese von Briten besetzt werden“. Mit seinem Slogan „Britische Jobs für britische Arbeiter“ hatte Brown die Debatte unfreiwillig selbst geschürt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kehrtwende in der Immigrationspolitik erwartet.

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