Briten im Alarmzustand
Londons U-Bahn ist besonders gefährdet

Die britische Regierung ist überzeugt: Es ist nur noch eine Frage des "Wann", und nicht "ob" Großbritannien Ziel eines islamischen Terrorangriffs wird. Verteidigungsminister Geoff Hoon mahnt zur Wachsamkeit.

HB LONDON. Große Plakate in Londons U-Bahnstationen mahnen zur Vorsicht: „Wem gehört diese Tasche? - Wenn Ihnen etwas verdächtig vorkommt, melden Sie es!“ An den Stationskiosken prangt die Schlagzeile: „Großbritannien im Alarmzustand!“ Es sei „ein Wunder“, so zitiert die Presse den Geheimdienst, dass London von einem Anschlag wie in Madrid bisher verschont geblieben sei. Die U-Bahn gilt als besonders gefährdet. Und was machen die Fahrgäste? Die dämmern vor sich hin wie an jedem Montagmorgen.

Verteidigungsminister Geoff Hoon hatte seine Landsleute am Sonntag geradezu beschworen, ihre feine englische Zurückhaltung aufzugeben und sich nicht zu scheuen, auch bei geringem Verdacht die Polizei zu benachrichtigen. Nach Überzeugung der Regierung ist es nur noch eine Frage, wann - nicht ob - das Land Ziel eines Anschlags wird. Experten haben 350 mögliche Ziele benannt, darunter die 15 Atomkraftwerke, das Parlamentsgebäude und die Downing Street. Touristen, die dort zu lange fotografieren, werden nicht selten von Polizisten in Zivil angesprochen, wozu sie denn so viele Bilder bräuchten.

Das sei „der Preis, den Großbritannien für seine einsame Allianz mit den USA bezahlt“, meint der „Independent on Sunday“. Der linke Kolumnist Robert Fisk geht noch weiter: „Die Aznars, Blairs und Bushs sind von ihren Verbündeten doch gewarnt worden, dass ihr Kreuzzug gegen El Kaida sehr übel nach hinten losgehen könnte.“

Die Regierung bestreitet, das Land durch ihre Irak-Politik erst in die Schusslinie gebracht zu haben. Sie beteuert auch, nicht enttäuscht über die Abwahl der spanischen Regierung zu sein, obwohl Ministerpräsident José Maria Aznar als Blairs treuester europäischer Verbündeter galt. Doch über die Parteigrenzen hinweg herrscht Unbehagen darüber, dass die Terroristen diese Wahl ganz offenkundig in ihrem Sinne beeinflusst haben. Der „Daily Telegraph“ fragt: „Wenn der Terrorismus hier Erfolg gehabt hat, wo als nächstes?“

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