Großbritannien im Wahlkampf
Cameron hadert mit der Migration

Jahrelang hat Großbritanniens Premier David Cameron die These vertreten: Die Zuwanderung muss sinken. Applaus bekam er dafür vor allem von rechts. Die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer zwingt ihn nun zum umdenken.
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LondonGroßbritannien ist ein Schmelztiegel. Über die Schulhöfe der Acht-Millionen-Metropole London hallen Worte in mehr als 300 Sprachen. Polnisch und Rumänisch, Deutsch und Französisch, mischen sich ins Englische, vor allem aber auch Bengal und das indische Gujarati. Großbritannien hat als Zuwanderungsland große Erfolge gefeiert, der Welt gezeigt wie Integration geht.

Im Jahr 2015 will das Vereinigte Königreich plötzlich keine Einwanderungsnation mehr sein. Aus dem Bürgerkriegsland Syrien hat Großbritannien - Stand Ende 2014 - gerade einmal 143 Flüchtlinge aufgenommen. Im Wahlkampf vor den Wahlen zum Unterhaus ist Migration eines der fünf Top-Themen, die in beinahe allen Diskussionen eine Rolle spielen.

Die euroskeptische United Kingdom Independence Party (UKIP) treibt das Thema. Es ist ihr einziges. Parteichef Nigel Farage weiß, dass er mit seinem Lieblingsthema EU-Austritt bei einer nationalen Wahl nicht viel gewinnen kann. Deshalb weicht er auf die Migration aus. In den Pubs erntet der Rechtspopulist bisweilen Applaus für seine „Das-Boot-ist-voll“-Thesen. Im schwächelnden Gesundheitssystem NHS würden zu viele Aids-Patienten aus dem Ausland behandelt, erklärte er kürzlich live im Fernsehen und fordert: „Wir müssen zuerst an unsere eigenen Leute denken.“

Farages Partei stand in den Umfragen zur Parlamentswahl bei zeitweise 20 Prozent. Grund genug für den konservativen Premierminister David Cameron und selbst für die sozialdemokratische Labour-Partei, ebenfalls nach rechts auszuweichen und die Zuwanderung zu geißeln. Politisch ein heißes Eisen. Viele Menschen, die in Commonwealth-Ländern wie Indien, Pakistan oder Bangladesch ihre Wurzeln haben, sind in Großbritannien wahlberechtigt.

„Das ist der Grund, warum die Parteien einhellig vor allem auf die Einwanderung aus den EU-Ländern einschlagen“, sagt Tony Travers, Professor für Politik an der London School of Economics and Political Science (LSE). Dabei tragen die EU-Einwanderer nach allen einschlägigen Studien aktiv zum Wirtschaftswachstum in Großbritannien bei. Und auch die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Mit rund 150 000 Sprechern ist Polnisch nach dem jüngsten Zensus von 2001 die in London am häufigsten gesprochene Erstsprache nach Englisch. Fast doppelt so viele sprechen die asiatischen Sprachen Urdu, Gujarati und Bengal - und haben mehrheitlich einen britischen Pass.

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Ein Zuwanderungsgegner der ersten Stunde

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