Großbritannien-Wahl

Ökonomen warnen vor Europas Populisten

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Weiterentwicklung der Euro-Zone könnte blockiert werden

„Alle schauen gegenwärtig auf Griechenland, aber meines Erachtens drohen der Europäischen Union und der EU mittel- und langfristig größere Gefahren durch die politischen Entwicklungen in Großbritannien und in Frankreich“, sagte der Politikwissenschaftler Lothar Probst von der Universität Bremen dem Handelsblatt. Wenn die Ukip-Partei bei der Wahl deutliche Erfolge verzeichnen sollte, verstärke das den Druck auf die neue britische Regierung, auf stärkere Distanz zur EU zu gehen und sich noch stärker als Quertreiber zu profilieren. Die Tories müssten zudem ihr Referendumsversprechen einlösen – gegen starke Widerstände der britischen Wirtschaft und der Finanzwirtschaft in der City of London.

In Frankreich besteht nach Probsts Einschätzung die Gefahr weiterer Wahlerfolge des Front National – eventuell auch bei Präsidentschaftswahlen. Und er weist darauf hin, dass in Finnland gerade die „Wahren Finnen“ kräftig zugelegt hätten und auf die Regierungsbildung Einfluss nähmen.

Hinter diesen Entwicklungen sieht Probst einen Trend. „Tatsächlich“, erläutert er, „haben in den letzten 15 Jahren rechtspopulistische Parteien, die eine EU-kritische bis EU-feindliche Haltung einnehmen, quer durch Europa - auch in Osteuropa -  immer wieder spektakuläre Wahlerfolge erzielt.“ Aufgrund der Großen Koalition im Europaparlament hätten sie dort bisher zwar keinen starken Einfluss ausüben können. „Aber sie üben eben indirekten Einfluss in ihren jeweiligen nationalen Staaten aus, in dem sie dort die Regierungen zwingen, stärke auf europakritische Stimmungen im eigenen Land Rücksicht zu nehmen.“

Zu einem ähnlichen Befund kommen die Europa-Analysten der Deutschen Bank,  Nicolas Heinen und Ann-Kristin Kreutzmann, in einer jüngst veröffentlichten Studie. Noch sei zwar auf europäischer Ebene bislang kein nennenswerter Einfluss EU-skeptischer Parteien zu verzeichnen, schreiben sie. „Dennoch könnten populistische Kräfte mit ihrer Blockadehaltung insbesondere in Politikfeldern, die einen breiten Konsens erfordern, künftig Europapolitik gestalten.“

Konkret könnten sich etablierte Parteien nach Einschätzung der Ökonomen gezwungen sehen, einen Kurs einzuschlagen, der stärker auf vermeintlich nationale Interessen ausgerichtet sei. „Dies könnte dazu führen, dass Reformen nicht rechtzeitig und in vollem Umfang umgesetzt werden und die notwendige institutionelle Weiterentwicklung der Euro-Zone blockiert wird“, heißt es in der Untersuchung mit dem Titel „Europas Populisten im Profil“.

Sonderfall Griechenland
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13 Kommentare zu "Großbritannien-Wahl: Ökonomen warnen vor Europas Populisten"

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  • Ulrich Kottke
    ich stimme Ihnen voll und ganz zu

  • Als Populisten würde ich eher diejenigen bezeichnen, welche die EURO-Zone gegen jeden ökonomischen Sachverstand (z.B. mangelnde Wettbewerbsfähigkeit einzelner Länder) und unter Inkaufnahme von Vertragsbruch (Maastricht-Verträge), angetrieben von eigenem Machtstreben, geopolitischen Gründen und aus Untertanengeist vor dem große Bruder zusammenhalten wollen. Als überzeugter Kapitalist (und Unternehmer) erwarte ich von unserer Regierung die Einhaltung marktüblicher Regeln, anstelle des "Primats der Politik" - also DDR.2 Es gibt zum Glück durchaus Ökonomen, die sich nicht von der Politik korrumpieren lassen, z.B. http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/oekonomen-aufruf-professoren-halten-ezb-anleiheprogramm-fuer-rechtswidrig/8777042.htm oder "Ende des Euro kommt 2017", Video mit Ökonom Heiner Flassbeck: https://www.youtube.comwatch?v=mcIRAMM_E48 Und hier ein Beispiel, wie "dankbar" unsere Regierung für solche Freigeister ist: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/anrufe-bei-professoren-regierung-setzt-kritische-oekonomen-unter-druck/6901090.html

  • Auch wir Deutschen haben häufig die falsche Wahrnehmung, was gut für Europa ist, sei schlecht für Deutschland“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, dem Handelsblatt. „Gerade diese Sichtweise gibt populistischen Parteien in Europa Zulauf.“

    Auch hier liegt Herr Fratzscher völlig falsch!
    Es ist nicht die falsche Wahrnehmung des Deutschen, sondern die von den Kommissionaren, der EZB und der Politik geschaffenen Fakten incl. Rechtsbrüchen, die immer mehr Bürger ablehnen. Zu dieser verlogengenen Politik hat der Bürger leider nur eingeschränkte Alternativen, aber vorhanden.
    Stellt sich bei der Fortführung dieser Politik die Frage, welches für den Bürger das geringere Übel ist. Bei dieser Ekenntnisfindung arbeitet das deutsche Gehirn im Schneckentempo, aber es arbeitet. So ganz langsam kommt man zur Erkenntnis, daß alles um ein Vielfaches teurer wird wie vorgelogen.

    Schönen Tag noch.

  • Geht mir weg mit diesen sogenannten Ökonomen. Der Werdegang sieht doch folgendermassen aus : Schule, Uni, dann in irgendein Institut um als Interessenvertretung für den der am meißten zahlt was zu berichten.
    Diese Typen haben noch nie einen Cent mit ordentlicher Arbeit verdient,
    Ganz im Gegenteil.
    Weltfremde Professoren meißt, nie in der realen Welt angekommen , schlaäen sich als "Mietmäuler" durchs Leben aber übernehmen niemals die Verantwortung für den von ihnen fabrizierten Mist.
    Als "Populisten" werden Menschen bezeichnet die sich für das wohl ihres Volkes einsetzen, unsere Blockparteien tun dieses ja schon lange nicht mehr.
    Wir müßen keine Angst haben, eher die Politikkasper und diese Ökonomen die eigentlich niemand braucht.
    Gesunder Menschenverstand ist gefragt und hilft auch immer.

  • Man warnt vor Populisten und plündert, verachtet nur die Bürger. Können dies Menschen sein???

  • Ich war ein ueberzeugter Europaeer. Vielleicht bin ich es immer noch, aber das Europa, auf das wir uns zubewegen, will ich nicht. Ich will ein Europa, welches auf dem Subsisiearitaetsprinzip gruendet, in dem europaeische Buerger ihr Zusammenleben nach eigenen Praeferenzen gestalten koennen. Das ist die Grundbedingung fuer ein Leben in Freiheit, Wuerde und Selbstbestimmung.

    Auf den Gebieten, wo europaeische Zusammenarbeit gefragt gewesen waere, etwa die Aussenpolitik, die Verteidigungspolitik oder die Energiepolitik, um nur wenige zu nennen, wurden keine Erfolge erzielt. “Europapolitiker” sind von einem geradezu neurotischen Zwang besessen, zu standardisieren und zu harmonisieren. Ich nenne das Gleichschalten. Die harmlosen Schildbuergerstreiche mit Gluehbirnen, Gurkenkruemmungen, Staubsaugern und Oelkaennchen bringen mich eher zum Schmunzeln. Eine gemeinsame Fiskalpolitik aber ist weder moeglich noch wuenschenswert weil die europaeischen Auffassungen ueber die Rolle des Staates unterschiedlich, ja unvereinbar sind.

    Der Euro waere nuetzlich, machbar und wuenschenswert gewesen, haette man sich an die Regeln gehalten und ihn weiterentwickelt haette. Stattdessen hat sich der Euro zu einer europeischen Katstrophe entwickelt aus der es kein Entrinnen mehr zu geben scheint.

    Europa ja, aber wir muessen noch einmal ganz von vorne anfangen. Das Europa von Herrn Neuerer wird genauso wenig funktionieren wie eine Studentenkommune, wo keiner putzen will, alle die gleichen Beitraege zahlen und sich jeder das groesste Schnitzel nehmen will.

    Ach ja, ich bin weder national-konservativ, noch lasse ich mich von populistischen Stimmen beeindrucken. Ich bin ein Liberaler, der sich wuenscht, dass das Bessere sich durchsetzt.

  • Manipulierte Lügenpresse eben,

    Siehe hierzu den Artikel "Griechenland zahlt 200 Mio pünktlich zurück".
    Wir sprechen hier von 0,1% der griechischen Staatsschulden! Wie man doch
    Nebensächlichkeiten positiv darstellen und aufbauschen kann......................

  • So war es früher und ist es heute noc h !!!
    1880 war John Swinton Ehrengast bei einem Bankett, das ihm die Führer der Zeitungszunft ausrichteten. Jemand sprach ehrende Worte über die unabhängige Presse.Swinton antwortete (Überrsetzung)

    „So etwas gibt es bis zum heutigen Tage nicht in der Weltgeschichte, auch nicht in Amerika: eine unabhängige Presse. Sie wissen das, und ich weiß das. Es gibt hier nicht einen unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben. Und wenn er es täte, wüsste er vorher bereits, dass sie niemals im Druck erschiene. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, dass ich meine ehrliche Meinung aus dem Blatt, mit dem ich verbunden bin, heraushalte. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Bezahlung für ähnliche Dinge, und wenn Sie so verrückt wären, Ihre ehrliche Meinung zu schreiben, würden Sie umgehend auf der Straße landen, um sich einen neuen Job zu suchen. Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. Sie wissen das, und ich weiß das, also was soll das verrückte Lobreden auf eine freie Presse? Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“ [5]
    (John Swinton geb. 1829, gestorben 1901, Journalist der bei der New York Times)

  • Statt zu informieren, ist seitens unserer Medien wieder Manipulation angesagt. Das fängt bei der Wortwahl an (keine noch so populistische Forderung von SPD und Grünen wurde je von unserer Presse als Populismus gebrandmarkt) und hört bei einseitiger Themenwahl auf. Besonders vor Wahlen können unsere Medien dem Versuch der tendenziösen Berichterstattung nicht widerstehen. Dass sie mit ihrer Macht die Prinzipien einer funktionierenden Demokratie aushebeln, ist ihnen dabei gleichgültig.
    Aber warum wird so einseitig berichtet? Hier einer der Gründe: Laut einer Studie des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin sympathisiert die große Mehrheit der Journalisten mit Rot-Grün (vor allem mit den Grünen). Und nicht nur das: 32,5 Prozent der Befragten geben an, mit ihrer Arbeit "die politische Tagesordnung beeinflussen und Themen auf die Agenda setzen" zu wollen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie durchgeführt vom Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg.

  • Ein HORROR für die Protagonisten des Kapitalismus!

    An der europäischen Gleichschaltung hätte Adolf sicher seine Freude gehabt. Heute sind es halt die US-Amerikaner mit ihrer Fed die die Regeln für die Vasallen des Kapitalismus bestimmen. Bin jedoch gespannt, wie man das regeln will mit 16 Billionen (US) bzw. 2,2 Billionen (D) Schuldscheinen am Arsch. Ich tippe mal: Am Ende bezahlt dfie Rechnung der "kleine Mann/Frau"!

    Da ist doch ein Brexit genau das Richtige, um dem sinkenden EU-Schiff frühzeitig den Rücken zu kehren.
    Der gemeine Brite wird sowieso sagen: LmaA EUro-Spinner!

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