Wahl in Großbritannien
Wieso es Banker als Politiker schwer haben

Wer die Banken reformieren will, braucht auch Banker in der Politik: So denken einige Ex-Banker, die jetzt für die Parlamentswahlen in Großbritannien kandidieren. Doch die Bevölkerung hat wenig Vertrauen in die Spezies.
  • 0

LondonAn guten Tagen öffnen sich die Türen, wenn er klingelt. Doch meist sind es dann nur die Kinderbetreuer, mit denen er reden kann – nicht die Bewohner, mit denen er eigentlich das Gespräch sucht. An vielen Tagen macht ihm gar keiner auf. Oder die Türen werden schnell wieder zugeschlagen, sobald er sich vorstellt.

Von diesen Erfahrungen hat Allen Simpson der englischen Zeitung „Guardian“ berichtet. Der 32-Jährige kandidiert im Südosten von England für die Labour-Partei. In seinem Wahlkreis liegen die Kandidaten der konservativen Tories und der Liberal-Demokraten aber in Umfragen deutlich vor ihm. Man müsse schon sehr viel Selbstbewusstsein und eine positive Einstellung mitbringen, um das auf sich zunehmen, räumt er daher ein.
Doch das ist nicht die einzige Hürde für Simpson bei den Parlamentswahlen an diesem Donnerstag. Erschwerend kommt hinzu: der Mann ist Banker.

Er arbeitet bei Barclays – der Großbank, der der ehemalige britische Wirtschaftsminister Peter Mandelson nach Ausbruch der Finanzkrise als das „inakzeptable Gesicht des Bankwesens“ bezeichnet hat. Später gehörte Barclays zu den ersten Geldhäusern, gegen die Aufsichtsbehörden wegen der versuchten Manipulation des wichtigen Zinssatzes Libor ein Millionenbußgeld verhängten.

Skandale wie diese haben die Reputation der Branche massiv beschädigt. Noch nicht mal ein Drittel der Briten sieht Banker nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos Mori als vertrauenswürdig an.
Politiker schneiden allerdings noch schlechter ab. Gerade mal 16 Prozent der Befragten gaben an, ihnen zu trauen. Das hat eine ganze Reihe von Bankern dennoch nicht davon abgehalten, jetzt den Wechsel in die Politik zu versuchen.

Dazu gehört auch Will Martindale. Er kandidiert ebenfalls für Labour. Im Süden von London versucht er einen Sitz wiederzugewinnen, den Labour 2010 an die Tories verloren hat. Martindale hat nach dem College zunächst für die US-Investmentbank JP Morgan gearbeitet. Zwischendurch ist er ausgestiegen, um einer Labour-Politikerin im Wahlkampf zu helfen, bevor er in die Finanzbranche zurückkehrte und für die französische Bank BNP Paribas arbeitete. Dann hat er sich erneut verabschiedet, um für eine Initiative der Vereinten Nationen und für die Hilfsorganisation Oxfam zu arbeiten.

Über seine Zeit in der Finanzindustrie, der britische Politiker seit der Krise mit strengerer Regulierung Grenzen zu setzen versuchen, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Man kann nicht versuchen, die Bankenbranche zu ändern, wenn man nicht Leute einbindet, die dort mal gearbeitet haben.“

Seite 1:

Wieso es Banker als Politiker schwer haben

Seite 2:

Nur jeder zehnte Abgeordnete aus der Finanzbranche

Kommentare zu " Wahl in Großbritannien: Wieso es Banker als Politiker schwer haben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%