Parlamentswahlen Großbritannien 2017

Großbritannien-Wahl
Theresa May kämpft um ihr politisches Überleben

Theresa May zahlt einen hohen Preis für die vorgezogene Unterhauswahl. Ein stärkeres Mandat hat sie verfehlt, stattdessen muss sie um eine Minderheitsregierung ringen. Desaströse Fehler könnten sie ihre Position kosten.
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LondonDer Versuch der britischen Premierministerin Theresa May, ihre Mehrheit im Unterhaus auszubauen, ist gründlich schiefgegangen. Ihre Zeit in der Downing Street könnte bald vorbei sein. Es gibt Rücktrittsforderungen – sogar aus ihrer eigenen Partei. May will es aber zunächst mit einer Koalitionsregierung mit den Protestanten der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) versuchen.

Ein verkniffenes Lächeln, gefolgt von einer knappen Stellungnahme: „Das Land braucht eine Periode der Stabilität. Und wie auch immer die Wahl ausgeht, die konservative Partei wird sicherstellen, dass wir unsere Pflicht erfüllen und für Stabilität sorgen.“ Mit diesen Worten reagierte Großbritanniens Premierministerin in der Nacht auf Freitag auf die sich abzeichnende Pleite.

Wenige Stunden später war klar: Die britischen Wähler haben dem Land den zweiten Schock innerhalb von noch nicht einmal einem Jahr beschert. Im Sommer vergangenen Jahres stimmten sie mehrheitlich für die Scheidung von der EU. Jetzt durchkreuzten sie Mays Pläne und bescherten ihr eine krachende Niederlage. Eigentlich wollte May die Mehrheit ihrer konservativen Partei im Unterhaus ausbauen. Doch nach einer Reihe desaströser Fehler im Wahlkampf haben die Tories ihre absolute Mehrheit verloren. Sie kommen jetzt auf 317 Sitze – vor der Neuwahl hatten sie 330.

Angesichts dieser unklaren Mehrheitsverhältnisse, einem „hung parliament“, wie es auf der Insel heißt, will May jetzt offenbar eine Koalitionsregierung formen – mit Hilfe der nordirischen Protestanten der Democratic Unionist Party (DUP), berichteten britische Medien mit Bezug auf Mays Umfeld.

Die Unsicherheit, die der Ausgang der Wahlen ausgelöst hat, hat die britische Währung zunächst um 2,4 Prozent gegenüber dem Dollar einbrechen lassen. Das Pfund erholte sich später leicht. Doch für Ökonomen und Investoren ist klar: Das ist „ein katastrophales Ergebnis“ für die konservative Partei, sagt Azad Zangana, Volkswirt bei der Fondsgesellschaft Schroders. „Es stellt die Zukunft von Theresa May in Frage.“ Die Verhandlungsposition Großbritanniens bei den bevorstehenden Brexit-Verhandlungen sei „schwer beschädigt“. Die EU könne die Forderungen des Königreichs ignorieren, selbst die Drohung, die Verhandlungen zu beenden, denn das sind nicht mehr als „leere Worte, weil es dafür keinen Rückhalt in der britischen Bevölkerung gibt“.

Selbst wenn es May gelingen sollte, mit einem Koalitionspartner eine Koalition zu bilden und damit weiter zu regieren, „sinkt die Autorität von Theresa May und ihre Fähigkeiten, einen Brexit zu verhandeln deutlich“, sagt sein Kollege, Fondsmanager David Docherty.

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Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen

Kommentare zu " Großbritannien-Wahl: Theresa May kämpft um ihr politisches Überleben"

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  • @ Herr Marcel Europaeer09.06.2017, 13:23 Uhr

    "Unserer Bundeskanzlerin wäre das nicht passiert. Dazu ist die viel zu clever. "

    In D knn man ohne Trickserei den Bundestag nicht einfach mal auflösen. Das sollte auch generell verboten sein. Die Politiker sind für eine Legislaturperiode gewählt und sollten ihre Arbeit machen.

  • Die jungen Briten haben offenbar erkannt, dass es dämlich war, nicht an der Abstimmung über den Brexit teilzunehmen und stattdessen am nächsten Tag gegen das Wahlergebnis zu protestieren.

    Die jungen Briten misstrauen offenbar auch Wahlversprechen zu mehr Sicherheit und einem harten Brexit, wenn sie von Politikern kommen, die zuvor den Sicherheitsapparat ausgedünnt haben und gegen einen Brexit waren.

  • Unserer Bundeskanzlerin wäre das nicht passiert. Dazu ist die viel zu clever. Und Cleverness setzt sich auf Dauer gegenüber irgendwelchen "eisernen Ladies" durch.

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