Britische Konjunktur
Warnung vor neuer Rezession

Großbritannien will die Unternehmensteuern senken, um die heimische Industrie langfristig wieder wettbewerbsfähig zu machen. Doch auf kurze Sicht muss die Regierung erstmal einen Rückfall in die Rezession verhindern.
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LONDON. Am Dienstag wird das Statistikamt NSO die Wachstumszahlen für das dritte Quartal vorlegen. Ökonomen gehen davon aus, dass der Zuwachs des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,2 Prozent im zweiten Quartal auf 0,4 Prozent zurückgefallen ist.

Skeptiker fürchten, dass das drastische Sparprogramm, das die konservativ-liberale Koalition vergangene Woche vorgelegt hatte, Großbritannien Anfang 2011 erneut eine Rezession bescheren könnte. Das Marktforschungsinstitut Markit warnte bereits vor einem Rückgang der Immobilienpreise und sinkendem Verbrauchervertrauen. Die Regierung will in den nächsten vier Jahren Ausgaben in Höhe von 81 Mrd. Pfund streichen und 29 Mrd. Pfund aus Steuererhöhungen einnehmen, um das Staatsdefizit abzubauen. Rund 490 000 Stellen im öffentlichen Dienst werden gestrichen.

Labourchef Ed Miliband warf der Regierung auf dem Jahreskongress des Unternehmerverbandes CBI am Montag vor, mit dem Sparprogramm „Jobs und Wachstum aufs Spiel“ zu setzen. Außerdem habe die Koalition keine „glaubwürdige Wachstumsstrategie“. Brendan Barber, Chef des Gewerkschaftsdachverbandes TUC, widersprach der Ansicht der Regierung, die Kürzungen würden durch Wachstum im Privatsektor ausgeglichen: „Auch dieser wird durch den Wegfall öffentlicher Aufträge und sinkendes Verbrauchervertrauen in Mitleidenschaft gezogen.“

Dagegen verteidigte Premier David Cameron die geplante Unternehmensteuersenkung. Außerdem kündigte er an, dass die Regierung in den nächsten vier Jahren 30 Mrd. Pfund in die Verkehrsinfrastruktur stecken werde. Insgesamt soll ein „nationaler Infrastrukturplan“ in fünf Jahren 200 Mrd. Pfund an privaten und öffentlichen Investitionen freisetzen.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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