Britische Territorialforderungen
Neuer Wettkampf um den Südpol entbrannt

Der Wettlauf, wer den Südpol als erster erreicht, ist seit knapp 100 Jahren entschieden. Der Streit, wer den Südpol letztlich für sich beanspruchen darf, geht derweil in eine neue, vielleicht entscheidende Runde.

LONDON/SAO PAULO. Der Klimawandel löst eine neue weltweite Runde neokolonialistischer Gebietskämpfe aus. Russland pflanzte bereits eine Flagge auf dem Lomonosow-Grat vier Kilometer unter dem Nordpol. Kanada will Armeestützpunkte in der Arktis bauen, um die Nordwestpassage zu kontrollieren. Auch Norwegen, die USA und Dänemark warten gespannt, ob schmelzende Eiskappen neue Bodenschätze zugänglich machen.

Auf der anderen Seite des Globus haben nun die Briten den Wettlauf um Landbesitz eröffnet. Ausgehend von der 1982 im Krieg gegen Argentinien verteidigten Falkland Inselgruppe will Großbritannien bei der „Uno-Kommission über die Grenzen des Kontinentalschelfs“ (UNCLCS) eine weitere Million Quadratkilometer Antarktis-Gebiet reklamieren. Zwar sagte der Uno-Klimarat in seinem Bericht 2001 eine Zunahme der Eisdecke in der Antarktis voraus. Andere Experten glauben jedoch, der Klimawandel könnte auch am Südpol unzugängliche Gebiete wirtschaftlich attraktiv machen.

Reaktionen blieben nicht lange aus. Argentinien sieht die Falklands (oder Malvinas) trotz des verlorenen Krieges als eigenes Territorium an. Vor der Uno-Vollversammlung erklärte Präsident Néstor Kirchner: „Wir erheben kategorisch Einspruch gegen die Absicht Großbritanniens, von argentinischen Territorien aus neue Gebietsansprüche anzumelden.“ Laut Außenminister Jorge Taiana bereitet Argentinien seine eigene Eingabe bei der Uno-Kommission vor. „Dabei ist natürlich der argentinische Teil der Antarktis eingeschlossen sowie die Seeflächen um die Malvinas, Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln, die zum argentinischen Territorium gehören,“ sagt Taiana. Damit sind die argentinischen Ansprüche identisch mit denen Großbritanniens. Auch Chile erhebt Forderungen. Britische Ansprüche, so das Außenministerium in Santiago, „werden die Rechte unseres Landes über diesen Land- und Seeraum nicht beeinträchtigen.“

Die Briten erheben seit 1908 Gebietsansprüche in der Antarktis und haben 1962 das 1,7 Millionen Quadratkilometer große „British Antarctic Territory“ zum Hoheitsgebiet erklärt. Außerdem sollen ein Gebiet um die Himmelfahrtsinsel (Ascuncion) und in der Biskaya und im Nordatlantik westlich von Schottland gemeldet werden, wo Geologen massive Ölvorkommen vermuten.

Großbritannien hat die Bedeutung der Meldungen jedoch herabgespielt. Es gehe nicht um würdeloses Gerangel um Land, sondern einen „friedlichen, offenen und langfristigen Uno-Prozess“. Ziel sei, in Gebieten des Ozeans ein ordentliches Regulierungssystem einzurichten, wo es derzeit ein solches Regime nicht gebe. Artikel 76 der 1982 verabschiedeten Uno-Seerechtskonvention gibt Staaten Ansprüche auf Bodenschätze unter dem Meeresboden bis zu 200 Seemeilen (ca. 370 Kilometer) vor ihren Landesgrenzen. Ansprüche müssen bis 2009 gemeldet werden, deshalb wurden die Briten jetzt aktiv.

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