Britische Zeitung

„Merkel, die gefährliche Maschine“

Merkel ist in Europa nicht besonders beliebt. Eine britische Untertreibung. Der New Statesman schreibt ganz unbritisch, sie sei „der gefährlichste deutsche politische Führer seit Hitler“ – und zeigt sie als Terminator.
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In der aktuellen Ausgabe zeigt der britische "New Statesman" Kanzlerin Merkel als Terminator und nennt sie Europas gefährlichsten Führer. Das Magazin zitiert in seiner Titelgeschichte den US-Ökonomen Robert Kuttner. Quelle: dpa

In der aktuellen Ausgabe zeigt der britische "New Statesman" Kanzlerin Merkel als Terminator und nennt sie Europas gefährlichsten Führer. Das Magazin zitiert in seiner Titelgeschichte den US-Ökonomen Robert Kuttner.

(Foto: dpa)

LondonDie britische Wochenzeitung „New Statesman“ hat sich mit einer scharfen Attacke auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und die deutsche Europapolitik in die Phalanx der Deutschlandkritiker in Europa eingereiht. „Merkel ist der gefährlichste deutsche politische Führer seit Hitler“, schreibt das Blatt. Auf der Titelseite ist Merkel zwar nicht wie anderswo mit Hitlerbärtchen abgebildet, dafür aber als Terminator.

„Ihre acht Vorgänger von Konrad Adenauer bis Gerhard Schröder setzten zu Hause das industrielle Wirtschaftswunder und im Ausland die Rehabilitierung Deutschlands durch. Unter Merkel ist das Land erneut isoliert und wird in gleichem Maße gehasst wie gefürchtet“, schreibt die Zeitung.

Es sei ironisch, dass ausgerechnet die Regierungschefin der Nation, die paranoid und beleidigt auf jede Erwähnung des Nationalsozialismus reagiere, nun „entspannt auf den Aufstieg von Neonazis in ganz Europa reagiert“. Deutsche Kritik an Griechenland sei oft unbegründet. Nach neuen OECD-Analysen arbeiteten Griechen mehr als Deutsche. Das Magazin zitiert den US-Volkswirtschaftler Robert Kuttner: „Deutschland verfolgt enge, egoistische Interessen. Deutschland profitiert vom Leiden des restlichen Europas auf zwei Arten – durch expandierende Exporte und spottbilliges Geld“.

Die vom Politikchef des Magazins, Mehdi Hasan, verfasste Titelgeschichte verfolgt zwei Ziele: Indirekt ist die Attacke auf den deutschen Sparkurs und die Zögerlichkeit der Bundeskanzlerin, in der Eurokrise entscheidend zu handeln, auch ein Angriff auf den britischen Sparkurs von Tory Premier David Cameron.

Wie die britische Labourpartei reiht sich das Magazin in die neue, von Frankreich geführte Wachstumskoalition ein. Sparpolitik sei unfehlbar mit Wirtschaftsschwäche und Rezession verbunden , Merkels Vergleiche mit Privathaushalten, die nicht mehr ausgeben und leihen dürfen, als sie verdienen, seien falsch. Die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre sei nicht durch die Sparpolitik von Präsident Hoover überwunden worden und nicht die Hyperinflation, sondern Massenarbeitslosigkeit habe Hitler an die Macht gebracht.

Aber die Attacke auf Deutschlands Bremserrolle in der Eurokrise entspricht weitgehend der öffentlichen Meinung der Briten – bis hinauf zum Regierungschef. Auch Cameron fordert ja, Deutschland müsse endlich die Konsequenzen aus der Tatsache ziehen, dass es Teil einer Währungsunion sei. Die vorherrschende Meinung in Großbritannien ist: Deutschland hat vor 20 Jahren die Währungsunion gewollt – oder sich, wie Kommentator Martin Wolf in der Financial Times schrieb, „sich von seinen Partnern dazu erpressen lassen“ – nun müsse es die Konsequenzen tragen.

Die einen, von der Linken bis zur konservativen Regierung, fordern, dass Deutschland bereit sein müsse, für die Schulden der Partner mit gerade zu stehen, anders könne die Eurozone nicht funktionieren. Euroskeptiker halten den Euro für eine, wie der ehemalige Schatzkanzler Nigel Lawson formulierte, „Weltuntergangs-Maschine“, die möglichst schnell zerstört werden muss.

Was nicht funktionieren könne, da sind sich die Briten einig, sei Merkels Wunsch, „dass alle in der Eurozone so wie Deutschland werden“, so Wolf. „Deutschland wird die Eurozone, die es gerne will, nicht so leicht und nicht so schnell bekommen“.

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123 Kommentare zu "Britische Zeitung: „Merkel, die gefährliche Maschine“"

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  • @Ghandi:

    Huu, da betreten Sie das weite Feld gewisser Verschwörungstheorien. Halten Sie bei sowas immer auch einen gewissen 'kritischen Abstand' und 'fühlen' auch die Wahrheit, die wie üblich irgendwo in der Mitte liegt.

    Aber zu Ihrer Frage: z.B. ab 29min05sec unter
    http://www.youtube.com/watch?v=J3mwoxIXDt4&feature=related

  • Nun, ich halte Angela Merkel durchaus für brandgefährlich. Nicht nur, dass sie schon mehrere Male an demokratischen Prozessen vorbei Entscheidungen traf und Verträge unterzeichnete, am 21.6. berichtet "monitor", dass Merkel die Lieferung von 800 LEO-Panzern an Saudi Arabien abgesegnet hat. Die Sendung ist in der Mediathek zu finden.

  • uups..grad nachgelesen und vegetiert verbessert

  • @Germanenhengst: Prinzip von "URSACHE & WIRKUNG

    In einem System kommt das Prinzip von Ursache und Wirkung nicht mehr zum Tragen, da es schlicht oft unmöglich ist, die Ursache zu finden. Es gibt immer irgendwelche Vorläufer. Auch bei den von Ihnen aufgeführten Dingen. Somit dreht sich die Logik um ein "war da zuerst das Huhn oder das Ei". Man sollte einfach anerkennen, dass es sowohl das Huhn als auch das Ei gibt, wenn man es relevant findet.

  • Im ersten WK,gab es das Bündnis mit Österreich,dem
    Deutschland sich nicht entziehen konnte..
    Danach die Weimarer Republik..den Versailler Schandvertrag,
    Bankencrash in USA wo die deutsche Unternehmerschaft
    alles verlor und millionen Arbeitslose mit meist 5 bis mehr Kindern dahin wegetierten..eine zu alten Bismark,
    der Hitler kampflos das Feld überließ,welches er in
    Wahlen nicht gewann..erst danach,als er Arbeit nicht
    nur versprach,Kindergeld einführte und den Versailler
    Vertrag in den Müll warf,gewann er einen Großteil der Deutschen..Zusammenhänge dürfen nicht außer acht gelassen
    werden..Eins kam zum andern.Bis es zu spät und so nicht
    gewollt war.

  • @ kopfschuettelnderbrite

    Es gibt kaum ein Land in Kontinentaleuropa gegen das England nicht Krieg geführt hätte: Russland, Deutschland, Frankreich, Holland, Italien, Spanien...

    Im Grunde genommen ist die Eurozone der Klub eurer ehemaligen Kriegsgegner. Es wird noch spannend in good old Europe, glauben Sie mir.

    "Time is on my side, yes it is..." (Stones)


  • @Hagbard-celine: Fakt ist es war Hitlerdeutschland und kein Engländer oder sonstwer. Der Konjunktiv ist hier total unangebracht. Ich habe mir auch schon das eine oder andere gedacht und gewünscht nur durchgeführt habe ich es selten und letztenendlich sind die Taten das Ereignis das zu einer Verurteilung führt und hier gab es vieeeele Ereignise.

  • @ kopfschuettelnderauslaender

    Ja, ja die üblichen Nebelkerzen wenn es Richtung Fakten geht. Das England und Frankreich Russland nicht den Krieg erklärten lag schlicht und einfach an der Tatsache das sie den Krieg in kürzester Zeit verloren hätten.

    "If we see that Germany is winning we ought to help Russia and if Russia is winning we ought to help Germany, and that way let them kill as many as possible"

    Diese Zitat stammt von Präsident Truman und gibt einen Einblick in die edlen Motive der Politiker dieser Tage.

  • @Hagbard-Celine: Sie haben Recht, die Welt hätte den Deutschen nach dem Überfall auf Polen weiter gewähren lassen sollen. Hitler schließt mit Russland einen Nichtangriffspakt um dann doch dort einzumarschieren.....Manchmal ist 1+1 doch nur 2. Und ich denke nicht, dass ich in meinen Statements hier aus der Geschichte heraus eine Zahlungsverpflichtung des heutigen Deutschlands hergeleitet habe.

  • @ kopfschuettelnderauslaender

    "der zweite Weltkrieg ist zu 100% den damaligen Deutschen zuzuschreiben"

    Diesen Quatsch verzapfen die ewig Gestrigen die meinen das 70 Jahre nach dem Krieg noch immer bei Gelegeheit den Deutschen ein "free Lunch" abzupressen sei.

    Noch einmal zur Erinnerung: Frankreich und England erklärten Deutschland den Krieg nachdem es in Polen einmaschiert war, die Kriegserklärung an die Sowjetunion hingegen blieb aus als diese ebenfalls in Polen einmaschierte.

    So sind die Fakten.

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