Britischer Außenminister
Johnson legt seine Brexit-Vision vor

Boris Johnson hat einen Plan für den Brexit. In einem Zeitungsbeitrag wiederholt er Versprechen aus dem Wahlkampf vor dem Referendum. Zahlungen für den freien Zugang zum Europäischen Binnenmarkt lehnt er ab.
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LondonDer britische Außenminister Boris Johnson hat am Samstag seine Vision für den geplanten EU-Austritt des Landes vorgelegt. In einem Gastbeitrag in der konservativen Tageszeitung „Daily Telegraph“ sagte er dem Land eine „glorreiche“ Zukunft außerhalb von EU, Binnenmarkt und Zollunion voraus. „Ich glaube, wir können das großartigste Land der Welt sein.“ Damit kam er Premierministerin Theresa May zuvor, die ihre Brexit-Grundsatzrede für den 22. September in Italien angekündigt hat. Er löste damit auch Spekulationen über seine eigenen Ambitionen aus, May als Regierungschef abzulösen.

Johnson wiederholte sein Versprechen aus dem Wahlkampf vor dem Brexit-Referendum, der staatliche Gesundheitsdienst NHS werde von 350 Millionen Pfund (umgerechnet knapp 400 Millionen Euro) wöchentlich profitieren, die an EU-Beiträgen künftig eingespart werden könnten. Zahlungen für den freien Zugang zum Europäischen Binnenmarkt lehnte er ab. Mitgliedschaft im Binnenmarkt oder der Zollunion sollten von Großbritannien in den Brexit-Verhandlungen gar nicht angestrebt werden. London sollte die Gelegenheit nutzen, seinen eigenen Weg zu gehen. Die Briten hatten im Juni 2016 mit knapper Mehrheit für den Austritt aus der EU gestimmt.

Johnson geht damit möglicherweise auf Konfrontationskurs zu Premierministerin Theresa May. Kommentatoren deuten seinen Vorstoß als Bewerbung für das Amt des Regierungschefs. May gilt seit der schiefgelaufenen Parlamentswahl im Juni als angezählt. Medien spekulierten, May wolle in Florenz finanzielle Zugeständnisse an die EU machen, um die schleppenden Austrittsverhandlungen mit Brüssel zu beleben. Später schien Johnson Spekulationen über seine Ambitionen dämpfen zu wollen. Er twitterte: „Alle hinter Theresa für einen glorreichen Brexit.“

Bislang hat es bei den Gesprächen in Brüssel kaum greifbare Ergebnisse gegeben. Im März 2019 wird Großbritannien aus der EU ausscheiden. Sollte bis dahin kein Regelung über die künftigen Beziehungen vorliegen, drohen unabsehbare Konsequenzen für die Wirtschaft und andere Bereiche.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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