Britischer Botschafter eingeladen

Außenministerium will Auskunft über Horchposten

Auf der britischen Botschaft soll sich eine Spionage-Einrichtung befinden – genau wie bei der US-amerikanischen. Außenminister Westerwelle lädt den britischen Botschafter zum Gespräch. Dessen Land gibt sich zugeknöpft.
Update: 05.11.2013 - 16:01 Uhr 12 Kommentare
Das Berliner Spionageviertel? Links die amerikanische, rechts die britische Botschaft. Quelle: dpa

Das Berliner Spionageviertel? Links die amerikanische, rechts die britische Botschaft.

(Foto: dpa)

BerlinDie britische Botschaft in der Wilhelmstraße gehört zu den Gebäuden, an denen sich in Berlin die Geister scheiden. Ein futuristischer Bau von der Jahrtausendwende, mit zwei poppigen Baukörpern in hellblau und lila, die nach draußen ragen. Die zweigeschossige Öffnung an der Straßenseite soll symbolisch für Offenheit stehen, für einen „Einblick in die Botschaft“. Auch zwölfeinhalb Jahre nachdem Queen Elizabeth II. das Gebäude eröffnet hat, haben sich die Hauptstädter noch nicht so richtig an das Werk von Architekt Michael Wilford gewöhnt. Jetzt gibt es noch einen zusätzlichen Aufreger: ein zeltähnlicher Aufbau, der sich oben auf dem Dach von Her Majesty's Embassy befindet – und in den der Einblick nicht erwünscht zu sein scheint.

Nach einem Bericht der Tageszeitung „The Independent“ soll es sich dabei um einen Horchposten der britischen Geheimdienste handeln. Ob dem so ist, wollte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) vom britischen Botschafter erfahren. Laut „Spiegel Online“ wurde der Brite am Nachmittag zu einem Gespräch ins Ministerium geladen. Weitere Einzelheiten über das Gespräch wurden zunächst nicht bekannt.

Nach dem vermeintlichen „Nest“ auf dem Dach der US-Botschaft wäre der Horchposten dann schon die zweite Spionageeinrichtung, die innerhalb von wenigen Tagen mitten im deutschen Regierungsviertel enttarnt wird. Auch dieses Mal gehen die Informationen auf Dokumente zurück, die der amerikanische Ex-Geheimdienstler Edward Snowden beiseitegeschafft hat.

Dem „Independent“ zufolge befindet sich die merkwürdige Struktur schon seit der Eröffnung der Botschaft im Jahr 2000 auf dem Dach. Sie sehe anderen Abhörstationen des britischen Geheimdiensts GCHQ „frappierend ähnlich“. Und tatsächlich ähnelt das Konstrukt auch dem Horchposten, mit dem Briten und Amerikaner bis zum Fall der Mauer im November 1989 auf dem Berliner Teufelsberg die Kommunikation in Ostberlin belauschten.

In Großbritannien wird die Angelegenheit nach außen hin totgeschwiegen. Dem Nachrichtensender BBC News war die Angelegenheit am Dienstag keine Sendeminute wert. Offiziell gibt es von britischer Seite dazu keinen Kommentar. Großbritanniens Botschafter Simon McDonald – im Amt seit Oktober 2010 – ließ über einen Sprecher lediglich ausrichten: „Wir können zu geheimdienstlichen Aktivitäten keine Auskunft geben.“ Einige werten das schon als halbes Eingeständnis, dass auf dem Dach tatsächlich Geheimdienstler aktiv sind.

Ein großes Wunder ist das nicht. Spätestens Snowdens Papiere, en detail im „Guardian“ und anderen Medien veröffentlicht, haben das Ausmaß britischer Spionage in Europa umrissen. Großbritannien zapft von seinem Horchposten auf Zypern in großem Stil Unterseekabel zwischen Europa und Nahost an. In Italien, wo ebenfalls große Unterseekabel aus Nordafrika ankommen, betreibt London politische und - laut Snowden - auch Wirtschaftsspionage. Warum sollte also ausgerechnet Deutschland mit seiner Führungsrolle in der in London ungeliebten EU ausgespart bleiben?

Auch für die Bundesregierung bedeuten die Berichte über die Bespitzelung durch einen weiteren engen Partner nicht wirklich eine Überraschung. Zusammen mit Australien, Kanada und Neuseeland kooperieren die USA und Großbritannien im „Five Eyes“-Verbund zum Austausch geheimer Informationen. Nach Angaben des Verfassungsschutzes ist auch die britische Botschaft bereits seit Bekanntwerden der NSA-Affäre im Juli verstärkt im Visier der deutschen Spionageabwehr.

Interessanter dürfte die politische Reaktion werden. Das persönliche Verhältnis zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Großbritanniens Premierminister David Cameron galt bisher als ausgezeichnet. Die passende Chemie zwischen beiden soll schon über manches inhaltliche Problem mit dem EU-Rebellen Großbritannien hinweggeholfen haben, berichten Diplomaten. Doch in Brüssel wächst nicht zuletzt wegen der britischen Spionage gegen sogenannte „Freunde“ der Groll.

  • dpa
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12 Kommentare zu "Britischer Botschafter eingeladen: Außenministerium will Auskunft über Horchposten"

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  • Merkel gibt den Auftrag an den BND zusammen mit US+UK die Deutschen auszuspionieren Schluesselwort Antiterrorismus.Bestehende Gesetze sind kein Hindernis weil Alles was der BND macht geheim ist und die Kontrolleure des BNDs haben Geheimhaltungspflicht.Die ueberfleissigen BNDbeamte haben sogar Merkels Handynummer weitergegeben,ein Grund zum Merkelprotest,sie ist in ihr eigenes Schwert gefallen.Die Snowdenlawine rollt weiter und laesst Politiker ueberall in der Welt ganz schlecht aussehen,weltweit werden die Waehler sich noch mehr distanzieren von der Politik.Merkel ist von ihrem Glanz beraubt+enttarnt,alles nur Show.Der US Wunsch zur Reduzierung des deutschen Exportueberschusses ist von Merkel erfuellt indem der BND beauftragt wurde zur vollen Kooperation mit US+UK,alle Wirtschaftsdaten wurden ueber 10 Jahre ausgespaeht,Gesamtschaden fuer EU 2000 Milliarden Euro.Verwunderung ueber Krise?Auch die brave deutsche Umsetzung der von US befohlenen weltweiten Wirtschaftssanktionen wird in US viel Gelaechter produziert haben.Der Freihandelsvertrag ist auch eine USWaffe die alle EUParlamente machtlos macht,siehe trade deal is a full-frontal assault on democracy.guardian.co.uk 5/11/2013 von GeorgeMonbiot.Vielleicht verstehen Europaeer jetzt weshalb die US sich alles erlauben koennen trotz Krise,Schulden,instabiles politischen Systems,das Geld kommt naemlich von EU.

  • Sie denken gewiss auch an die Posse "Verfassungsschutz" und dessen Stilblüten.

  • Merkel wird sich ganz einfach nicht äußern. Das kann sie am Besten! Sie stimmt gewöhnlich allem zu was Cameron fordert!

    Aber bitteschön, der Michl hat sie gewählt und da trifft doch das Zitat am Besten: Jedes Volk hat die Regierung das es verdient!

    Die Inselbewohner haben sowieso ein besonderes Bild von Europa. Da passt doch alles zusammen! Das für ihr Land genehme rausholen und den Rest einfach links liegen lassen!

    Dieses ganze Gefühlsduseleigerede kann man schon nicht mehr hören: scheitert der Euro dann scheitert Europa!!!!!!

    Es scheitert auch so, denn wie sollen Länder plötzlich nur noch Freund sein, wenn sie sich gegenseitig als Feind betrachten und alles ausspionieren! Mit welchem Recht?

    Was machen unsere Volksvertreter? Pofalla hat die NSA-Bespitzelung für beendet erklärt, zumindest im Sommer! Merkel spricht nicht und die anderen labern Lufthülsen in die Mikrofone!

    Wenn es nicht so ätzend blöde wäre, könnte man lachen!
    Armes Deutschland!

  • Sind unsere Geheimdienste so schwach und phantasielos ? Keine Kenntnisse über die Einrichtungen ? Keine Idee, wie man die Nutzung von auf dem Zeltdach befindlichen "Horcheinrichtungen" stören kann ?

  • Informieren wir doch mal unsere Bevölkerung ehrlich und gehen auf den Kern der Spionage.
    Fakt ist, dass von bestimmten Geheimdiensten und Regierungen verlangt wird, so genannte "BACK DOORS"
    also eine" Hintertüre" in die weit verbreitetetn Programme einzuprogrammieren. Diese "BACK DOORS" gibt es auf allen
    Handys, Smart Phones und Betriebs Systemen wie Windows.
    Darum ist es nur eine scheinbare Aufregung der Regierungen, um die Bevölkerung zu beruhigen und zu zeigen,
    wir tun etwas für Euch.

  • "Kommentare zu: Außenministerium will Auskunft über Horchposten"

    Am 11.11. 11.11 Uhr: Polizei will von potenziellen Dieben Auskunft über ihre künftigen "Projekte"

  • Süß finde ich, das man in dem Bericht frappierende optische Ähnlichkeiten zu alten Ost-West Horchposten erkennt, das ganze schon seit 2001 auf dem Dach der Britischen Botschaft montiert ist und jetzt fällt unserer Spionageabwehr angeblich auf, dass wir selbst abgehört werden könnten? Mich ärgert immer weniger der Umstand, dass wir ausspioniert werden, sondern vielmehr die Tatsache, dass unsere Regierung inkl. unserer eigenen Spionageabwehr seine eigenen Bürger für so was von bescheuert hält, dass man uns vollkommen dreist solche Märchen auftischt.

  • Es ist ja schon eigenartig, dass sich jetzt bestimmte Personen erst ihres Auftrags erinnern nachdem es die spatzen bereits von den Dächern pfeifen.

    Wenn sich etwas bewahrheitet, dann der Spruch, dass ohne Druck nichts passiert.

    Denken wir an den Spruch des Herrn Oppermann (SPD) im Fernsehen. Er spielt jetzt eine andere Rolle als vor der Wahl. Deshalb die etwas anderen Wortmeldungen.

    Brauchen wir eigentlich im Parlament Schauspieler oder Volksvertreter. Diese Wortmeldung des Herrn Oppermann dokumentiert, dass im Parlament keine Volksvertreter sondern Schauspieler sitzen (wenn sie denn da wären). Für das Geld, was die Politiker monatlich an Diäten und später Pensionen nach Hause tragen, gibt es gewiss bessere Schauspieler.

    Wir sollten als Volk darüber nachdenken, ob diese Form des Parlaments mit der Schauspieltruppe noch zeitgemäß ist. Gewiss war der Vorstoß der PIRATEN in dieser Richtung unprofessionell, aber der Gedanke sollte nicht untergehen.

  • Es sind auch deutsche Soldaten in den USA und Frankreich stationiert.

  • Mal Störsender von deutschen Grund aus davor plazieren!

    Mei, was die sich herausnehmen...

    Also die Russen sind wir schon losgeworden. Viel amerikanisches Militär (und damit eben auch der milit. NSA) ist doch nur wegen unserer NATO-Mitgliedschaft hier (und lässt von uns bezahlen).
    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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