Britischer Innenminister tritt zurück
Blunkett stolpert über Liebesaffäre

Der britische Innenminister David Blunkett ist am Mittwoch nach wochenlangen Vorwürfen des Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit einer Liebesaffäre zurückgetreten.

HB LONDON. Er habe nichts Unrechtes getan, aber weil seine Ehrlichkeit in Frage gestellt worden sei, habe er sich zu diesem Schritt entschlossen, sagte der von Geburt an blinde Blunkett (57) am Mittwoch in London.

Premierminister Tony Blair, der mit Blunkett einen seiner engsten Vertrauten verliert, nahm den Rücktritt mit „großem Bedauern“ an. „Du verlässt die Regierung mit unversehrter Integrität und damit, dass jedermann deine Leistungen anerkennt“, schrieb Blair an Blunkett, der im Jahr 2001 Innenminister wurde und ein Pfeiler der Regierung war.

Der bisherige Bildungsminister Charles Clarke wird nach Angaben von Downing Street das Amt Blunketts einnehmen. Auf Clarkes Stuhl rückt Ruth Kelly, die bisher als Staatssekretärin im Cabinet Office mitverantwortlich für die Koordinierung der Regierunspolitik ist.

Die Affäre Blunketts mit der verheirateten Verlegerin der Politik- Zeitschrift „Spectator“, Kimberley Quinn (43), war im Sommer nach drei Jahren zu Ende gegangen. Im November behauptete Quinn, Blunkett habe ihrem philippinischen Kindermädchen Leoncia Casalme beschleunigt eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für Großbritannien besorgt. Daraufhin hatte Blunkett selbst eine Untersuchung angeregt.

Sir Alan Budd, der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, habe ihm nun am Dienstag mitgeteilt, es gebe „tatsächlich ein Fax und den Austausch von E-Mails zwischen meinem Büro“ und der Einwanderungsbehörde in dieser Sache, räumte Blunkett nach seinem Rücktritt ein. Aber „ich erinnere mich nicht, damit irgendetwas zu tun gehabt zu haben“, sagte er weiter. In einer der E-Mails zu der Aufenthaltsgenehmigung hieß es nach den Angaben „keine Gefälligkeit, aber ein bisschen schneller“.

Unmittelbar vor dem Rücktritt waren neue Vorwürfe aufgetaucht. Nach einem Bericht der „Daily Mail“ soll sich Blunkett auch in die Beschaffung eines Visums für das Kindermädchen eingeschaltet haben. Die philippinische Nanny habe zu Weihnachten 2002 „innerhalb von Tagen“ ein Visum für einen Österreich-Besuch erhalten. Die damalige Blunkett-Geliebte habe ihr gesagt: „Mach Dir keine Sorgen, ich tätige einen Anruf.“

Blunkett streitet außerdem um das Besuchsrecht des zweijährigen Sohns von Quinn. Er will auch Vater des Kindes sein, mit dem Quinn gegenwärtig im siebten Monat schwanger ist. Blunkett sagte zu seinem Rücktritt, die ganze Affäre wäre gar nicht aufgekommen, wenn er sich nicht im September entschieden hätte, um das Besuchsrecht für seinen Sohn zu kämpfen.

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