Britischer Ökonom
„Es wäre saudumm, die EU zu verlassen“

Laut Meinungsumfragen will eine Mehrheit der Briten am liebsten die EU verlassen. Für die eigene Wirtschaft wäre dies eine Katastrophe. Ein britischer Top-Ökonom warnt eindringlich vor den Folgen.
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DüsseldorfEin Austritt Großbritanniens aus der EU würde aus Sicht des britischen Wirtschaftshistorikers Timothy Leunig massiven Schaden anrichten. "Es wäre wirklich saudumm, wenn Großbritannien die EU verlassen würde," sagte der britische Wirtschaftshistoriker von der London School of Economics (LSE) im Gespräch mit Handelsblatt Online. Er halte dies aber für sehr unwahrscheinlich.

Die größten Verlierer wären aus Sicht von Leunig der Exportsektor und die Finanzindustrie. Besonders leiden würden die japanischen Autohersteller wie Nissan und Toyota. Sie hatten sich nach den Reformen von Margaret Thatcher dafür entschieden, ihre europäische Autoproduktion in Großbritannien aufzubauen.

Außerdem würde der Finanzsektor in London schwer in Mitleidenschaft gezogen, so Leunig. Durch seine EU-Mitgliedschaft kann Großbritannien bislang in Fragen der Finanzmarktregulierung sein Veto einlegen und so Gesetze verhindern, die dem Finanzplatz London schaden. Bei einem EU-Austritt gäbe es diese Möglichkeit nicht mehr. Zwar wäre Großbritannien dann auch nicht mehr direkt an die EU-Gesetze gebunden. Indirekt hätten diese aber dennoch einen sehr großen Einfluss auf den Finanzplatz London, wie Leunig feststellt.

Auch die politische Architektur Europas würde durch einen EU-Austritt Großbritanniens verschoben. Großbritannien steht mit seiner liberalen Wirtschaftsordnung den osteuropäischen Ländern näher als Frankreich. In vielen Bereichen hat es aber auch gemeinsame Interessen mit Deutschland - etwa wenn es um die Senkung der EU-Agrarsubventionen geht.

Aus Sicht von Leunig würde ein EU-Austritt Großbritanniens die dominante Rolle Deutschlands in der EU verstärken - die bereits jetzt für Argwohn bei kleinen Mitgliedsstaaten sorgt. "Das wäre nicht im Interesse Deutschlands."

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Verheugen kritisiert deutsch-französische Dominanz

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  • wie dumm ist es von mäc-pom Blondy den wichtigsten Finanz-markt für die EU, der etwa 80% des weltweiten Finanzverkehr betreut, zu ignorieren und zu verärgern ??

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