Britischer Premier besucht Deutschland
Der dritte Mann

Keine ausgreifenden Gesten, kein Küsschen, dafür ein freundliches Lächeln und ein fester Händedruck. Nach drei Wochen Amtszeit betritt ein neuer politischer Spieler am Montagabend auch die Berliner Bühne. Und Großbritanniens Premier Gordon Brown macht schnell klar, dass er ein anderer Politikertyp ist als der Franzose Nicolas Sarkozy.

BERLIN. Die Botschaft des neuen britischen Premierministers im Kanzleramt ist vor allem eine: Ich bin hier, um Politik zu machen. Ein paar harte Worte Richtung Russland im Agentenstreit. Ein paar lobende Worte für Merkels Führung in den deutschen EU- und G8-Präsidentschaften.

Dann rattert der Labour-Politiker trocken sein Programm herunter: Beim gemeinsamen Abendessen wolle er mit Merkel über die Herausforderungen reden, vor denen die Welt und die Europäer stünden: Klimaschutz, Terrorismus, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der EU mit einer schnörkellosen Bestandsaufnahme des Binnenmarktes und Afrika.

Was Merkel bis dahin vielleicht nur ahnte, ist bei diesem Antrittsbesuch nun klar: Nach dem Treffen mit dem quirligen Sarkozy am Morgen wird sie den Abend mit einem nüchternen Anti-Sarkozy beschließen. Prompt passt sie sich an: Hat sie in Toulouse noch davon geredet, dass Europa sich gegenüber ausländischen Staatsfonds wappnen müsse, betont sie nun, dass man in der EU über Wachstum reden müsse. Französische und britische Partner bekommen öffentlich zu hören, was sie hören wollen. Die eigentliche Politik beginnt hinter verschlossenen Türen.

Tatsächlich aber kommt mit Brown der große Unbekannte. Sarkozy kannte Merkel schon aus früheren Zeiten. Aber welchen Kurs der Schotte genau fahren wird, darüber rätseln alle. „Ich hoffe, wir können an die gute Zusammenarbeit mit dem Vorgänger anknüpfen“, meint Merkel deshalb vorsichtig zur Begrüßung, als müsse sie erst einmal den Rahmen abstecken. Ist er europakritischer als Tony Blair? Setzt er sich von Washington ab? Immerhin führt ihn die erste Reise nicht nach Washington, sondern Berlin.

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