Britischer Premier lehnt Kurswechsel entschieden ab
In der Krise steigt Blairs Popularität

Vier potenzielle Attentäter laufen in London frei herum, die Polizei tötet einen Unschuldigen mit gezielten Kopfschüssen – doch der britische Premier Tony Blair fuhr am Freitag wie geplant ins Wochenende auf seinen Landsitz Chequers. Er überließ es seinem Namensvetter, Scotland-Yard-Chef Ian Blair, sich dem Kreuzfeuer der Öffentlichkeit zu stellen. Auch nach den Todesschüssen auf einen unbeteiligten Brasilianer galt die Parole, die der Regierungschef zuvor ausgegeben hatte: „Über Details der Operation lassen Sie sich am besten von der Polizei informieren.“

LONDON. Doch der Terror ist nicht nur Sache der Polizei, sondern fast ein Stück politischer Alltag geworden – und Blair sitzt trotz der Krise offenbar fest im Sattel. Als am Donnerstag die Nachricht von vier weiteren, diesmal gescheiterten Selbstmordanschlägen kam, beließ es der Premier schon bei einer kurzen Presseerklärung nach der Sitzung des Notfallkabinetts Cobra. Eine Dringlichkeitsdebatte im Unterhaus – wie nach den ersten Anschlägen vom 7. Juli – schien nicht angebracht.

Fragen, ob nicht seine eigene Politik und die Beteiligung am Irakkrieg London zur Frontstadt des Terrors gemacht hätten, ließ Blair gar nicht aufkommen. „Verantwortlich für diese Taten sind die Menschen, die sie verüben“, war seine knappe Antwort. Der Premier betonte in den vergangenen Tagen mehrfach, dass der erste Angriff der El Kaida auf das World Trade Center bereits 1993 erfolgte – Jahre vor dem Irakkrieg. Und Journalisten drückte Downing Street eine Liste mit den Terroranschlägen der letzten 15 Jahre in die Hand, um zu beweisen, dass die Gewalt auch Länder trifft, die mit dem Irakkrieg nichts zu tun haben – wie jetzt Ägypten.

Die Briten sind sich da allerdings nicht so sicher. In einer Umfrage, die Guardian/ICM vor der jüngsten Anschlagserie durchführten, zogen 61 Prozent der Briten eine klare Verbindung zwischen den Anschlägen und der britischen Rolle im Irak. 33 Prozent glaubten, Blair trage „viel“, weitere 31 Prozent, er trage „ein bisschen“ Verantwortung für den Terror. Auch ein Bericht des „Royal Institute of International Affairs“ nannte den Irakkrieg vergangene Woche eine „wichtige Motivation für die Rekrutierung von radikalen Dschihadisten“. Die britischen Geheimdienste hatten schon Wochen vor den Anschlägen den gleichen Schluss gezogen.

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