Britischer Premierminister entschuldigt sich
Regierung Blair gerät immer mehr unter Druck

Die britische Regierung gerät wegen der Foltervorwürfe gegen britische Soldaten im Irak immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik. Berichte, nach denen Premierminister Tony Blair bereits seit Monaten von Misshandlungspraktiken gegen irakische Gefangene gewusst habe, wies dieser heute in London zurück.

mth/HB LONDON/DÜSSELDORF. Zuvor hatte entschuldigte sich Blair im Namen seiner Regierung für die Misshandlung irakischer Gefangener durch britische Soldaten. „Wir bitten alle um Entschuldigung, die von unseren Soldaten misshandelt wurden“, sagte Blair am Sonntagabend dem französischen Fernsehsender FR3. Das sei völlig inakzeptable. Er kündigte eine Bestrafung der Verantwortlichen an.

„Wir haben britische Truppen nicht in den Irak geschickt, um den Missbrauch der Menschenrechte zu demonstrieren, sondern um den Missbrauch der Menschenrechte zu beenden“, erklärte Blair am Montag. Sein Verteidigungsminister Geoff Hoon sollte am selben Tag vor dem Unterhaus in London Rede und Antwort stehen. Hoon soll auf Drängen der Oppositionsparteien und aus den eigenen Reihen Klarheit darüber schaffen, was die Regierung zu welchem Zeitpunkt wusste.

Die Regierung in London hatte am Wochenende bestätigt, dass sie bereits vor drei Monaten vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz über Misshandlungsvorwürfe gegen britische Soldaten im Südirak informiert worden war. Allerdings geschah dies nach Angaben vom Montag nur auf unterer Ebene. Der Premierminister habe davon nichts gewusst, sagte eine Downing-Street-Sprecherin.

Blair sagte, er habe keinerlei Einwände gegen die Veröffentlichung des vertraulichen Berichts, jedoch falle dies in die Zuständigkeit des Roten Kreuzes. Fällen von Misshandlungen sei man aber dennoch seit Monaten nachgegangen. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International war die Regierung in London bereits seit einem Jahr über die Übergriffe informiert. Dabei seien auch Menschen ums Leben gekommen.

Das Verteidigungsministerium hatte bisher erklärt, erst durch die in der Zeitung „Daily Mirror“ seit Anfang Mai veröffentlichten Fotos von den Misshandlungen erfahren zu haben. Soldaten hatten dem „Mirror“ die Fotos zugespielt. Regierung und Militär haben auf mehreren Ebenen Untersuchungen der Vorwürfe eingeleitet.

Die Mehrheit der Briten will nach einer Umfrage einen raschen Abzug ihrer rund 8 000 Soldaten aus dem Irak. Nach der Umfrage im Auftrag der Zeitung „The Independent“ sind derzeit 55 Prozent der Wähler dafür, die britischen Soldaten bis Ende Juni zurückzuholen.

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