Britischer Verteidigungsminister vor Ausschuss
Hoon streitet „Komplott“ gegen Kelly ab

Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon hat jede Verantwortung oder Schuld in der Kelly-Affäre zurückgewiesen. Es habe keine Art von „Verschwörung“ gegen den Waffenexperten und Angestellten seines Ministeriums gegeben, sagte Hoon am Mittwoch in London vor dem Ausschuss zur Aufklärung der Umstände, die zum Selbstmord des früheren UN-Waffeninspekteurs David Kelly führten.

HB/dpa LONDON. Keinesfalls habe es „irgendeine Art von Komplott, Strategie oder verschleierten Plan gegeben, Kellys Namen in die Öffentlichkeit zu tragen“, sagte der Minister. „Wenn Sie unterstellen, das es hier absichtliche Bestrebungen gab, Dr. Kelly zu identifizieren, sage ich, das ist absolut falsch“, sagte er vor dem Untersuchungsausschuss weiter. Er könne nicht erkennen, dass Kelly während des gesamten Prozesses innerhalb seines Ministeriums schlecht behandelt worden wäre.

Er wies damit alle zuvor geäußerten Vorwürfe zurück, maßgeblich an der Entscheidung über die öffentliche Namensnennung von Kelly beteiligt gewesen zu sein. Im Gegenteil habe er es nicht für „angemessen“ gehalten, den Namen Kellys als Quelle für einen umstrittenen BBC-Bericht in die Öffentlichkeit zu bringen. „Das war eine Personalangelegenheit“, sagte Hoon zu der Strategie seiner Pressestelle, den Namen Kellys auf Journalisten-Anfragen zu bestätigen.

Nach dem BBC-Bericht soll die Regierung von Tony Blair ein Dossier über die angeblichen Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein absichtlich aufgebauscht haben, um so die kritische Öffentlichkeit von der Notwendigkeit des Irak-Krieges zu überzeugen. Kelly geriet zwischen die Fronten des verbalen Schlagabtausches zwischen der BBC und Downing Street und schnitt sich am 17. Juli die Pulsadern auf, nachdem sein Name an die Öffentlichkeit durchgesickert war und er in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss öffentlich teils inquisitorisch befragt worden war.

Differenzen zwischen ihm und Kelly bei der Einschätzung der Irak- Politik der Regierung habe es nicht gebeben, sagte Hoon. Nach seinem Eindruck habe Kelly die Irak-Politik der Regierung unterstützt. Der Waffenexperte soll nach bisherigen Aussagen schwere Bedenken gegen die Behauptung in dem Irak-Waffendossier der Regierung gehabt haben, Saddam Hussein könne seine Massenvernichtungswaffen „innerhalb von 45 Minuten“ in Stellung bringen. In der britischen Presse waren immer wieder Spekulationen aufgetaucht, Hoon könne in der Affäre zum „Sündenbock“ gestempelt und zum Rücktritt gezwungen werden. An diesem Donnerstag wird Blair vor dem Untersuchungsausschuss aussagen.

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