Britischer Wirtschaftsminister: Liberaler Minister attackiert Wirtschaft

Britischer Wirtschaftsminister
Liberaler Minister attackiert Wirtschaft

Vince Cable gilt als der Linksaußen in der konservativ-liberalen Regierung Großbritanniens – zurecht, wie seine Beschimpfungen gegen Konzerne und gegen „Ganoven und Spieler“ in der Wirtschaft zeigen. Und das ist erst der Anfang: Cable will hart durchgreifen, sollte der Kreditfluss nicht in Gang kommen.
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LONDON. Großbritanniens liberaler Wirtschaftsminister Vince Cable hat zur Freude seiner Partei Banker, Unternehmer und „irrationale Märkte“ attackiert – und damit neue Zweifel am langfristigen Zusammenhalt der Regierungskoalition genährt.

Auf dem Parteitag der Liberaldemokraten schimpfte Cable gestern über die „undurchsichtige Welt der Konzerne“. In einer Vorabversion seiner Rede, die bei Unternehmensverbänden Entsetzen ausgelöst hatte, war noch von der „undurchsichtigen Welt des Kapitalismus“ die Rede.

Bei seiner Banken-Kritik legte sich der Minister dagegen keine Zügel an: „Ich entschuldige mich nicht dafür, dass ich Ganoven und Spieler attackiere, die der britischen Wirtschaft mehr Schaden zugefügt haben als (der linke Gewerkschafter, d. Red.) Bob Crow in seinen wildesten trotzkistischen Träumen.“

Cable wies Vorwürfe zurück, er greife die britischen Unternehmen gerade in dem Moment an, in dem sie als Wachstumstreiber für den Aufschwung dringend gebraucht würden. Er sei „Pro Business“, wolle aber Konsumenten, Kleinaktionäre und den Mittelstand schützen, sagte der Minister: „Wir brauchen erfolgreiche Unternehmen. Aber die Regierung verfolgt keine Laissez-faire-Agenda.“

Linksaußen und Provokateur

Schon vor dem Parteitag hatte Cable die Banken vor einem „Frontalzusammenstoß“ gewarnt, sollte der Kreditfluss nicht in Gang kommen. Laut der Bank von England ist er in den fünf Monaten bis Juli kontinuierlich schwächer geworden.

Cable drohte mit neuen Sanktionen wie einer Erhöhung der Sondersteuer auf Bankvermögen, die jetzt schon bis zu 2,5 Mrd. Pfund pro Jahr bringen soll, oder einer Neuauflage der von Labour verhängten Strafsteuer auf Boni. Sie brachte mit 3,5 Mrd. Pfund 40 Prozent mehr als vorausgesagt und wäre in diesem Jahr noch lukrativer.

Cable kündigte „Konsultationen“ zu Firmenübernahmen, der Bezahlung von Führungskräften oder den Rechten von Aktionären an, ließ aber Einzelheiten offen. Schon sein Vorgänger Peter Mandelson hatte nach der Cadbury-Übernahme angekündigt, den britischen Übernahme-Kodex zu überarbeiten.

Der ehemalige Shell-Volkswirt Cable gilt als Linksaußen im konservativ-liberalen Kabinett von David Cameron und spielte diese Rolle mit Bravour auf dem Parteitag in Liverpool. Der stand ganz im Zeichen des Missmuts der Parteibasis gegenüber der Koalition mit den Tories. Die Delegierten erneuerten Vorschläge, die der Tory-Rechten ein Grauen sind – etwa einen Steueraufschlag für Graduierte oder eine Grundbesitzabgabe für teure Immobilien.

Richard Lambert, Chef des Unternehmerverbandes CBI, hatte schon vor der Rede Cables „emotionale Sprache“ moniert und nach seiner „Alternative“ zum Kapitalismus gefragt. Nachher war er gelassener: „Cable will den Kapitalismus an den Rändern verbessern. Aber das wollen wir alle und das ist sein Job.“

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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