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24.07.2008  | Aktualisiert 24.07.2008, 09:49 Uhr 
Nachwahl in Schottland

Brown droht erneute Niederlage

von Matthias Thibaut

Die schottische Nachwahl droht zum Desaster zu werden für Brown und seine Partei. Kann Labour einen Wahlkreis wie Glasgow East nicht halten, müssen sich Hunderte von Labourabgeordnete bei der nächsten Unterhauswahl nach einem neuen Job umsehen.

Brown: "Premierminister gehen nicht zu Nachwahlen." Foto: ReutersLupe

Brown: "Premierminister gehen nicht zu Nachwahlen." Foto: Reuters

LONDON. Bei der vierten Nachwahl seit seinem Amtsantritt muss der britische Regierungschef Gordon Brown heute erneut ein Desaster fürchten - wie bei den anderen drei zuvor. Verliert Browns Labour-Partei das Rennen gegen die Schottische Nationalistenpartei SNP, steht nach Ansicht vieler Beobachter nicht nur Browns politisches Schicksal zur Disposition.

Britische Nachwahlen sind - wie deutsche Landtagswahlen - Politbarometer, die kommende Stürme und Erdbeben anzeigen. Kann Labour einen Wahlkreis wie Glasgow East nicht halten, müssen sich Hunderte von Labourabgeordnete bei der nächsten Unterhauswahl nach einem neuen Job umsehen. Lieber würden sie, beginnend mit dem Labourparteitag im September in Manchester, einen neuen Parteichef suchen. Einige prophezeien, dass ein inoffizieller Ältestenrat schon in der Sommerpause Brown den Rückzug nahe legen könnte.

Nach außen hin wirkt alles ein wenig provinziell: Labour-Kandidatin Margaret Curran beschloss den Wahlkampf vor einer Bingo-Spielhalle. Herausforderer John Mason von der Schottischen Nationalistenpartei besuchte einen Bowling Club - tatsächlich aber ist die Nachwahl im Unterhauswahlkreis Glasgow East ist alles andere als ein Nebenschauplatz britischer Lokalpolitik.

"Hier wird die Kraft zweier Regierungen gegeneinander gemessen", verkündete Schottlands First Minister und SNP-Parteichef Alex Salmond. Es geht um einen Wettlauf zwischen Salmonds Edinburgher Regionalregierung und ihrem Unabhängigkeitskurs sowie der Londoner Zentralregierung des Schotten Gordon Brown und seiner Labourpartei.

Bis zuletzt blieb das Rennen offen. Glasgow East ist Labours drittstärkster Wahlkreis in Schottland. Bei der Unterhauswahl 2005 erhielt der nun abgetretene Labourkandidat 61 Prozent der Stimmen - 13 500 Stimmen mehr als die Konkurrenz. Um Labour zu stürzen, müsste die SNP einen "Swing" von 22 Prozent erzielen - fast jeder vierte Wähler müsste also Labour den Rücken kehren und sich der SNP zuwenden. Nach Umfragen schafft die SNP bisher einen 18 Prozent Umschwung. Aber 35 Prozent der Wähler zeigten sich unentschieden. Entschieden wird ironischerweise von hartgesottenen Labour Labour-Kernwählern. war sich des Wahlkreises so sicher, dass es dort praktisch keine Parteiorganisation gibt.

Der Bezirk ist einer der ärmsten und sozial schwächsten in Europa. Die Lebenserwartung von Männern in Glasgow East ist vier Jahre niedriger als in Gaza. Jeder fünfte Wähler bezieht Invalidenrente. Glasgow East, so der Kolumnist Alan Cochrane, werde eine "Abrechnung für 50 Jahre Labour Misswirtschaft in Schottland" machen. SNP-Chef Salmond war in drei Wochen Wahlkampf zwölf mal in Glasgow East. Sein Gegenspieler Brown reiste lieber nach Bagdad. "Premierminister", sagte er "gehen nicht zu Nachwahlen".

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