Brown folgt Blair
Endlich Zeit für „Blairite“

Gordon Brown ist am Ziel: Er ist nun Labour-Chef und ab Mittwoch neuer Premierminister. Aber die Briten wissen immer noch nicht, was er anders machen will als Tony Blair. Brown bleibt eine dunkle Figur. Richtig Vorstellen kann sich das Leben mit ihm als Premier noch niemand.

LONDON. Da ist es wieder, das Lächeln des Gordon Brown. Nicht das aufgesetzte, über das die Zeitungen lästern. Es kommt von tief innen, aus Freude und Genugtuung. Man sah es zum ersten Mal im Mai, als klar wurde, dass er ohne Gegenkandidaten Chef der Labour-Partei werden würde.

Nun steht er auf der Bühne in Manchester. Tony Blair hat seine letzte Ansprache als Parteichef gehalten und Brown, „meinen Freund seit 20 Jahren“, eingeführt. Brown lacht, hebt mal die Hände im Triumph und wehrt dann den Jubel ab. Stolz und verlegen, wie ein zu groß geratener Schulbube. Blair klopft ihm auf die Schulter – Brown ist zum Chef der Labour-Partei gekrönt.

„Die neue Regierung, die ich führe, wird immer euch gehören“, verspricht Brown der Partei in einer Rede, die kaum ein Thema auslässt, und endet: „Ich bin bereit zu dienen.“ Aber in Wahrheit hat er die Partei nun im Griff wie ein Diktator. Nicht gewählt, sondern durch Jubel gekrönt. Jede Gegenbewegung hat er im Keim erstickt. Neben ihm steht die neue Labour-Vizechefin, Harriet Harman. Sie machte sich bei der Partei beliebt, indem sie ihre Stimmabgabe für den Irak-Krieg bereute und eine Entschuldigung für den Krieg forderte. Aber nur zehn Prozent der Parteimitglieder haben an dieser Wahl teilgenommen, und das Ergebnis war mehr als knapp.

Auf sie muss er keine Rücksicht nehmen. „In der Partei, die ich führe, wird es Disziplin geben“, sagte er am Morgen in der BBC. Am Mittwoch zieht er als Premier in der Downing Street ein. Wenn er seine Karten richtig spielt, kann er die britische Politik auf Jahre hinaus dominieren.

Brown hat auf diesen Moment seit dem 31. Mai 1994 gewartet, als er im Londoner Restaurant Granita einen Pakt mit dem geschmeidigeren Tony Blair schloss. Dieser würde tun, was der spröde Brown nie schaffen könnte: Labour bei den misstrauischen Briten rehabilitieren und eine Wahl gewinnen. Dafür würde Blair ihm freie Hand für sein sozialdemokratisches „Fairness Programm“ lassen und für Brown später den Amtssessel als Premier räumen.

Doch irgendwie kam es anders. Auch im Jubel von Manchester stehen Brown 13 Jahre Frustration im Gesicht. Jahre des Neids auf den erfolgreichen Blair. Angst, dass es nun, wo er am Ziel ist, zu spät sein könnte.

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