Brown in den Startlöchern
Blair geht in die Offensive

Tony Blair stemmt sich gegen Forderungen nach seinem Rücktritt. Seine neue Regierungsmannschaft soll helfen. Derweil werden Parteistimmen lauter, die Klarheit über die Amtsübergabe an Schatzminister Gordon Brown fordern.

LONDON. Tony Blair wirkt bedrückt, als er ans Rednerpult tritt. Die monatliche Pressekonferenz ist eigentlich sein Heimspiel, ein mit Scherzen aufgelockertes Ritual im holzgetäfelten Ambiente seines Amtssitzes. Doch an diesem Montag blickt er zu Boden, mit geröteten Wangen und glänzender Stirn, den Mund gequält verzogen. Seit der Schlappe bei den Kommunalwahlen am Donnerstag ist seine Partei im Aufruhr. Zeitungen fordern, dass er geht. „Was für einen Sinn hat Blair jetzt noch“, schrieb der „Daily Telegraph“ über den britischen Premier, der von seiner Partei plötzlich als Belastung empfunden wird.

Ein Schluck Wasser, dann geht Blair zum Angriff über. Man könne denken, die Regierung habe gar keine politische Arbeit mehr zu leisten. Dann rattert er seine bekannten Reformpläne herunter: Rente, Energiepolitik, die Reform des Justizwesens, das Gesundheitswesen, das er zur Chefsache gemacht hat. Er werde die Reformen mit seiner neuen Regierungsmannschaft auf den Weg bringen, wie es sich in der ersten Hälfte einer Legislaturperiode gehöre. Dann werde er für eine „sicheren und ordentlichen Übergang zu seinem Nachfolger sorgen, damit dieser genug Zeit hat, sich vor den nächsten Wahlen zu etablieren“.

Fragen, wie viel Zeit „genug“ sei für den mutmaßlichen Nachfolger Gordon Brown, hört er mit zusammengekniffenem Mund und in die Ferne gerichteten Augen an. Eine Antwort gibt es nicht. Kein Datum wird genannt. „Dies würde die Regierungsarbeit lähmen und die notwendigen Reformen gefährden, die wir in Großbritannien brauchen“. Diejenigen, die nun seinen Rücktritt forderten, „wollen Labour nicht erneuern, sondern eine Kehrtwende“. Dann bestätigt er, dass er mit Brown über den Zeitplan nicht gesprochen habe.

Die eilends angesetzte Pressekonferenz war Teil der Gegenoffensive, mit der Blair nun den Schwelbrand einer Fraktions- und Parteirevolte ersticken will. Am Sonntag meldete sich Blairs Pressesprecher David Hill per SMS bei der BBC und teilte ihr seine Interpretation der Ereignisse mit: „Sie wollen den Premierminister entmachten und den Reformkurs rückgängig machen“.

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