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27.06.2008 
Wandel in der Energiepolitik

Brown verordnet grüne Revolution

von Matthias Thibaut

Großbritannien will den Einsatz erneuerbarer Energien binnen zwölf Jahren verzehnfachen, um die Abhängigkeit vom Öl und den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Gordon Brown legte das milliardenschwere Programm am Donnerstag vor und bezeichnete es als "grüne Revolution".

Wenn es nach dem Willen der Regierung geht, soll es Windparks künftig häufiger in Großbritannien geben. Foto: ReutersLupe

Wenn es nach dem Willen der Regierung geht, soll es Windparks künftig häufiger in Großbritannien geben. Foto: Reuters

LONDON. "Es ist der dramatischste Wandel in unserer Energiepolitik seit den Anfängen der Atomkraft", sagte Brown im Londoner Kunstmuseum Tate Modern, einem ehemaligen Kohlekraftwerk.

Der Plan sieht unter anderem den Bau von 7 000 Windkraft-Turbinen und neuer Atomkraftwerke vor. Insgesamt sind Investitionen in Höhe von 100 Mrd. Pfund (rund 126 Mrd. Euro) vorgesehen. Im Bereich erneuerbare Energien könnten 160 000 neue Arbeitsplätze entstehen, sagte Brown. Mit 100 000 weiteren Jobs sei durch den Bau und den Betrieb neuer Atomkraftwerke zu rechnen. Langfristig könne das Land bis zu 40 Prozent seiner Energie aus Atomstrom gewinnen, heißt es in der Regierung. Dazu müssten mindestens 20 Kernkraftwerke neu gebaut werden.

Derzeit produziert Großbritannien weniger als fünf Prozent seines Stroms aus den klassischen erneuerbaren Quellen (wozu die auf Uran basierende Atomkraft nicht gezählt wird). Die EU-Kommission dürfte von Großbritannien verlangen, diesen Wert bis 2020 auf 15 Prozent zu erhöhen. Brown bezeichnete das Vorhaben seiner Regierung als "nationale Gewaltanstrengung", um die politischen Vorgaben der EU und der eigenen Klimagesetzgebung zu erfüllen. Während die Regierung die Briten auf "grüne Steuern" und höhere Energierechnungen zur Finanzierung der Energierevolution vorbereitete, bezeichneten Kritiker die Pläne als unrealistisch und unbezahlbar.

Mit "business as usual" werde das nicht gelingen, konterte Brown. Aber die grüne Revolution biete auch die Chance, die "wirtschaftliche Zukunft zu ergreifen". Umweltindustrien, zu denen er ausdrücklich auch die Atomindustrie zählte, würden schon 2010 mit einem globalen Volumen von 700 Mrd. Dollar mit der Luftfahrtindustrie gleichziehen. 2050 werde der Sektor auf drei Bill. Dollar angewachsen sein. "Ich will, dass Großbritannien einen überverhältnismäßigen Anteil an diesen Jobs erhält", sagte Brown. Das Land könne das "globale Zentrum der Offshore-Windkraft " werden.

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