Brückentechnologie
Klimaschutz mit Kohlestrom

Wenn die schwarz-gelbe Regierung von „Brückentechnologie“ spricht, ist sie sich in einem einig: Es geht um Kernkraft und die Frage, wie lange man sie noch benötigt, bis genügend Ökostrom verfügbar ist. Bei der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie ist das anders. Warum für die IG BCE moderne Kohlekraftwerke die beste Brückentechnologie sind.
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BERLIN. Nach einer Betriebsrätetagung in Hannover hat sie sich gestern entsprechend klar positioniert: „Eine Brücke bis in die regenerative Zukunft gegen Ende unseres Jahrhunderts können vor allem moderne und klimafreundliche Kohlekraftwerke schlagen“, propagiert die Gewerkschaft in einer „Erklärung für eine nachhaltige Energiepolitik“.

Damit erhält Schwarz-Gelb selbst von der als eher „atomfreundlich“ bekannten IG BCE keine klare Rückendeckung für die geplante Verlängerung der Kernkraftwerkslaufzeiten: Sie sieht Kernkraft allenfalls als „Brücke“ für den Übergang zu einer „emissionsfreien“ Kohleverstromung, bei der anfallendes Kohlendioxid unterirdisch gespeichert wird.

Notwendig sei in jedem Fall ein Energiekonzept, „das der Kohle den Vorrang vor der Kernenergie zuweist“, mahnte IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis. Diese entschiedene Positionierung pro Kohle könnte nebenbei erklären, warum Vassiliadis – zur Verwunderung mancher Beobachter – die jüngste Anzeigenkampagne der großen Energiekonzerne für längere Kernkraftwerkslaufzeiten nicht aktiv unterstützt hat.

Generell teilt die Gewerkschaft jedoch viele Sorgen der Industrie: Ein Hauptproblem der ganzen Energiedebatte liege darin, dass Ökostromförderung und Kohlendioxid-Emissionshandel den Strompreis zu stark in die Höhe getrieben hätten. „Diese Kosten insgesamt überfordern die Industrie“, warnt die IG BCE. Erst dadurch sei die umstrittene Option einer längeren Kernenergienutzung überhaupt ins Blickfeld gerückt. Auch unabhängig davon sei jedoch eine „intensive gesellschaftliche Debatte“ über den Kostenaspekt nötig.

Dazu zählt für sie, dass der Emissionshandel „die Wirtschaftlichkeit der Braun- und Steinkohleverstromung nicht infrage stellen“ dürfe. Auch der geplante Ausstieg aus der Subventionierung der Steinkohle sei nicht akzeptabel. Zumindest bei der Kernkraft ist die IG BCE nun etwas näher an die ablehnende Mehrheitsposition im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) herangerückt.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Warum die iG bCE sich für neue Kohlekraftwerke einsetzt ist doch vollkommen offensichtlich. Hier geht es um reine Klientelpolitik. Nicht nur die Atom-, sondern nun auch die Kohlelobby reden gerne von brückentechnologien. Dieser begriff gehört abgeschafft; er suggeriert etwas, was einfach nicht der Wahrheit entspricht. Neue Kohlekraftwerke laufen für mindestens 40 oder 50 Jahre und werden auch dementsprechend lange CO2-Emissionen verursachen. Wer, wie die Gewerkschaft, von „modernen und klimafreundlichen Kohlekraftwerken“ spricht, verkennt dabei die Realitäten – ein Kohlekraftwerk kann nie klimafreundlich sein. Mit einer derartigen Diskussion wird die dringend notwendige Neuausrichtung der deutschen Energieversorgung auf den „Sanktnimmerleinstag“ verschoben. Der Klimawandel ist bereits heute Realität und erfordert Antworten und keine neuen kleinteiligen Debatten über Kohlekraft. in vielen Entwicklungsländern sind Millionen von Menschen vom Klimawandel betroffen. Angesichts der aktuellen Naturkatastrophen in aller Welt ist die Position der iG bCE besonders rücksichtslos und zynisch

    P.S. Die Kosten für die bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels werden um ein Vielfaches höher sein, als ein paar Groschen mehr für energieintensive industrien, die die Hauptschuld am Klimawandel tragen. Das scheint der iG bCE aber egal zu sein – denn diese Kosten trägt die Allgemeinheit und nicht ihre Klientel.

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