Brüssel mahnt freien Wettbewerb an
Frankreich will strategisch wichtige Branchen vor Übernahmen schützen

Die französische Regierung arbeitet an einer Liste strategischer Branchen wie der Rüstungs- und der High-Tech-Industrie, die vor Übernahmen aus dem Ausland geschützt werden sollen. Die Regierung werde die Branchen in den „nächsten Wochen“ in einer Verordnung benennen, kündigte Industrieminister François Loos im Interview mit der Zeitung „Les Echos“ an. Will sich ein ausländischer Investor an einem Unternehmen aus diesen Sektoren beteiligen, benötigt er das Einverständnis der Regierung.

HB/ali PARIS. In Deutschland und den USA gelten vergleichbare Einschränkungen. Die EU-Kommission reagierte mit leichter Sorge. Ein Sprecher wollte auf Nachfrage zwar nicht von einem neuen Protektionismus sprechen. Er betonte jedoch, Brüssel sei „sehr zuversichtlich“, dass Frankreich die europäischen Regeln zur Wettbewerbsfreiheit achten werde. Der freie Binnenmarkt sei „ein fundamentales Prinzip“ der EU, von dem auch Frankreich profitiere.

Im November 2004 hatte das französische Parlament die gesetzlichen Grundlagen für den Schutz sensibler Branchen verabschiedet. Diese Regeln zielten nicht darauf ab, ausländische Investoren fern zu halten, sagte Loos jetzt. Statt dessen sollten sie den Geldgebern klare Regeln an die Hand geben, unter welchen Bedingungen sie sich an strategischen Unternehmen beteiligen können.

Das Gesetz definiert schutzwürdige Unternehmen als jene, die „das Interesse der nationalen Verteidigung“ berühren. Die genauen Sektoren sollen nun konkretisiert werden. Nach Informationen der Handelsblatt-Partnerzeitung „La Tribune“ umfasst die Liste nicht nur reine Rüstungsunternehmen, sondern auch Gesellschaften der Branchen Verschlüsselungstechnologien, Luftfahrt, Nuklear-Technik, Nanotechnologie und Informationstechnologie. Wollen sich ausländische Investoren an Unternehmen dieser Branchen beteiligen, müssen sie beim Finanzministerium vorsprechen. Dieses kann eine Übernahme oder Beteiligung untersagen oder an Bedingungen knüpfen.

Um Unternehmen besser vor feindlichen Übernahmen zu schützen will Frankreich zudem schnell die EU-Übernahmerichtlinie übernehmen, sagte Loos. Diese sieht das Prinzip der Reziprozität vor: Danach kann das angegriffene Unternehmen jede Abwehrmaßnahmen ergreifen, die auch dem Angreifer zur Verfügung stehen.

Seite 1:

Frankreich will strategisch wichtige Branchen vor Übernahmen schützen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%