0 Bewertungen
20.07.2006 
Kampf gegen Schwarzarbeit

Brüssel plant neue EU-Grenzschutztruppe

von Eric Bonse

Die EU-Kommission will den Kampf gegen illegale Einwanderung ausweiten. Justizkommissar Franco Frattini legte Pläne für eine Schnelle Einsatztruppe zum Grenzschutz, verschärfte Kontrollen im Atlantik und im Mittelmeer sowie striktere Regeln bei der Visavergabe vor.

BRÜSSEL. Außerdem sprach er sich für strafrechtliche Sanktionen gegen Unternehmen aus, die illegale Einwanderer beschäftigen. Eine erste Machbarkeitsstudie will die EU-Kommission nach der Sommerpause vorlegen, kündigte Frattini an.

„Indem wir hart gegen illegale Einwanderung vorgehen, schützen wir Einwanderer vor Ausbeutung – und wir bauen den wichtigsten Anreiz für illegale Einreisen ab“, sagte Frattini. Die Brüsseler Behörde stützt sich auf einen Beschluss des EU-Gipfels von Dezember 2005, der bereits schärfere Grenzkontrollen und engere Zusammenarbeit der 25 EU-Staaten gefordert hatte. Außerdem beruft sie sich auf einen Aktionsplan, den die EU gemeinsam mit Mittelmeeranrainern und afrikanischen Herkunftsländern Anfang Juli in Rabat vorgelegt hatte.

Neu ist vor allem die Schnelle Einsatztruppe zum Grenzschutz. Frattinis Vorschlag sieht den Aufbau eines Teams von 250 bis 300 nationalen Experten vor, die in „dringenden Notfällen“in Krisengebieten helfen sollen. Ein Pilotprojekt läuft derzeit auf den Kanarischen Inseln, wo erst am Montag wieder die Ankunft von 160 Bootsflüchtlingen aus Afrika gemeldet wurde. Das neue Expertenteam soll innerhalb von zehn Werktagen einsatzbereit sein und mit der europäischen Grenzschutzagentur Frontex zusammenarbeiten. Es gehe nicht um die gewaltsame Vertreibung von Flüchtlingen, sondern um medizinische Hilfe und die Identifizierung von Personen, sagte Frattini.

Deutschland habe bereits 300 Fachleute angeboten und werde eine führende Rolle beim neuen EU-Grenzschutz spielen, betonte der Italiener. Bisher waren Einsätze immer wieder durch Personalmangel, fehlende Ausrüstung und mangelnde Unterstützung der EU-Staaten behindert worden. Auf den Kanarischen Inseln seien trotz monatelanger Debatte derzeit nur vier Boote und vier Flugzeuge einsatzfähig, hieß es.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kontroversen durch Frattinis Ideen

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Finanzkrise: Nationale No...

    Finanzkrise: Nationale Notprogramme

    Der Vertrauensverlust in der internationalen Finanzwirtschaft zwingt die Politik zu umfangreichen Rettungsaktionen. In der Europäischen Union wird derzeit jedoch vor allem an nationalen Lösungen gebastelt. Wer tut was?Bildergalerie 

  • Hart umkämpfte Wahlkreise...

    Hart umkämpfte Wahlkreise für die SPD

    Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2009 etliche Direktmandate verlieren. Betroffen davon sind vor allem Wirtschaftspolitiker und Konservative der Bundestagsfraktion. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Lüthke Politikberatung für das Handelsblatt.Bildergalerie 

  • Becksteins mögliche Erben...

    Becksteins mögliche Erben in Bayern

    Nach dem Wahl-Debakel und nur zwölf Monaten Amtszeit gibt sich Ministerpräsident Günther Beckstein geschlagen. Die Parteikollegen trauerten nicht lang. Bereits am Dienstagnachmittag stellten sich drei Amtsanwärter zur Verfügung. Und mit Horst Seehofer hält sich auch ei...Bildergalerie 

  • Das politische Stehaufmän...

    Das politische Stehaufmännchen

    Im vergangenen Jahr war Horst Seehofer noch Erwin Huber bei der Wahl zum Parteivorsitzenden unterlegen, nun scheint der designierte neue Parteichef endlich am Ziel. Er wolle die CSU „in ihrem Mythos, in ihrer Einmaligkeit, in ihrer Erfolgsgeschichte“ der vergangenen fü...Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Der Papst und die Bankenkrise 

07.10.2008Global Reporting

Auch Papst Benedetto hat sich der Bankenkrise angenommen. Der Kollaps der Banken zeige, dass Geld "nichts" sind. "Das Wort Gottes ist alles, was bleibt". Diese Worte äußerte der Papst am Montag morgen, kurz bevor die Börsen öffneten. Einen passenderen Tag hätte er sich nicht aussuchen können. Blog


weiterMadagaskar

Im Web wächst Widerstand: www.finanzkrise 

24.09.2008Madagaskar

Kein Wunder, dass sich der Kongress weigert, das 700 Mrd. Dollar schwere Finanzpaket unbesehen durchzuwinken. In Amerikas Öffentlichkeit wächst der Widerstand gegen die horrende Rechnung für die Exzesse an der Wall Street. Blog