Brüssel reagiert auf Serie von Abstürzen
EU will Fluglinien an den Pranger stellen

Die Europäische Union treibt nach der Serie von Unglücksfällen bei Charterflügen das Thema Luftsicherheit voran: Verkehrskommissar Jaques Barrot will bis Jahresende eine schwarze Liste via Internet veröffentlichen, auf der unzuverlässige Fluggesellschaften aufgeführt werden sollen.

FRANKFURT/PARIS. Der EU-Ministerrat habe bereits im Herbst 2004 zugestimmt, die Bezeichnungen von Flugzeugen und Gesellschaften mit Problemen zu veröffentlichen, sagte Barrot in der vergangenen Woche. Jetzt liege ein entsprechender Vorschlag beim Europäischen Parlament zur Ratifizierung.

Vor allem die Flugzeugkatastrophe nahe Athen mit 121 Toten stellt die Ermittler auch nach zwei Wochen noch immer vor große Rätsel. Der Absturz einer Boeing 737-300 der zyprischen Chartergesellschaft Helios Airways gilt als einer der seltsamsten Unfälle der Luftfahrtgeschichte – die Umstände blieben auch am Wochenende mysteriös. Zyprische Medien warfen Helios Airways gravierende Sicherheitsmängel vor. Wie bei Helios waren auch bei weiteren Abstürzen kleine, weitgehend unbekannte Chartergesellschaften betroffen. So war es Anfang August in Sizilien (Tuninter/14 Tote) sowie kurz nach dem Athen-Absturz in Venezuela (West Caribbean Airways/160 Tote).

Die Unfälle liefern ein Muster, das die Schweizer Organisation Bureau d'Archives des accidents aéronautique (BAAA) mit Zahlen untermauert: Ihren Untersuchungen zufolge ist das Unfallrisiko bei Charter-Gesellschaften seit Jahren überdurchschnittlich hoch. Mit Linienmaschinen, die weltweit 60 Prozent aller Flüge absolvieren, gab es im Vorjahr nur neun tödliche Unfälle. Der deutlich kleinere Sektor der Chartergesellschaften hatte 2004 doppelt so viele Abstürze (18), ein Jahr zuvor waren es sogar 25. „Die Zahl der Unglücke bleibt Besorgnis erregend“, heißt es in dem Bericht.

Die EU-Verkehrsminister hatten im April im Grundsatz bereits beschlossen, dass Passagiere künftig bei Umbuchungen auf andere Fluglinien umgehend informiert werden müssten. Auch der Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten über Airlines, die Flugverbote erhalten haben, soll demnach verbessert werden. Der EU-Vorstoß findet jedoch nicht überall Anklang. Deutschland, Frankreich, Spanien und Belgien wünschen sich eine tiefer gehende Harmonisierung der Bestimmungen. Sie verlangen vor allem genaue Kriterien für die Gesellschaften, die auf einer schwarzen Liste erscheinen sollen.

Frankreich geht unterdessen einen eigenen Weg, obwohl sich Transportminister Dominique Perben der Forderung einer europaweiten „schwarzen Liste“ anschloss. Paris hat längst ein eigenes Sicherheits-Label in Auftrag gegeben: Auslöser war der Absturz einer Charter-Maschine in Ägypten im Januar 2004. Das damals angeschobene „Label bleu“ soll eine Positiv-Liste werden, ein Prüfsiegel als Auszeichnung für die Sicherheit einer Airline. Bisher steht aber nur fest, wer das Label vergeben darf. Die Wahl fiel auf die Zertifizierungsgesellschaft Afaq-Afnor, vergleichbar mit der deutschen DIN.

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