Brüssel regelt Energieeffizienzklassen neu
Zu viel Plus ist auch ein Minus

Ist A++ schon gut oder muss es A++++ sein? Weil den Verbrauchern beim Thema Energieeffizienz der Durchblick verloren geht, will die EU die Energielabel von Elektrogeräten überarbeiten – und die Pluszeichen streichen.
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BrüsselEs ist schon ein Kreuz mit den Kreuzen: Wo zwei oder drei im Namen der Energieeffizienz zusammenkommen und für Klarheit sorgen sollen, sorgen sie längst nur noch für eins: Durcheinander. Glaubt zumindest die EU-Kommission – und will deshalb das Energie-Labeling von Elektrogeräten wieder vom Kopf auf die Füße stellen.

„Eigentlich sollte das Energielabel den Kauf von energieeffizienten Produkten erleichtern und beim Stromsparen helfen, heute verwirrt es nur noch“, unterstützt Martina Werner, energiepolitische Sprecherin der SPD-Gruppe im Europaparlament, den Vorstoß. Das Label werde seiner Aufgabe als verbraucherfreundliches Instrument nicht länger gerecht.

Nicht nur wegen der überproportionalen Einordnung der Elektrogeräte in die besten „+++“-Effizienzklassen, sondern auch wegen der Vielzahl an unterschiedlichen Labels für verschiedene Produktgruppen sei der Kommissionsvorstoß notwendig „Das bestehende System“, mahnt Werner, „ist irreführend, widersprüchlich und längst überholt.“

Tatsächlich will EU-Energiekommissar Miguel Arias Canete aus der bestehenden Richtlinie eine Verordnung machen, die die Mitgliedstaaten dann unmittelbar anwenden müssen. Nach der Abschaffung der „Plusse“ soll es künftig wieder nur eine Skala von G bis A über den Energieverbrauch geben. Und eine Datenbank zur Marktüberwachung soll ein reibungsloses Funktieren des Systems garantieren. Denn Schätzungen zufolge genügen zehn bis 25 Prozent der Geräte nicht dem aufgepappten Effizienzlabel.

Dass das nun der große Wurf sein soll, will Herbert Reul so gar nicht glauben. Labels könnten entweder fehlen, falsch angebracht sein oder falsche Daten enthalten. Letzteres lasse sich nur durch umfangreiche Tests überprüfen. Was helfe da die Datenbank! „Eine erfolgreiche und gute Richtlinie wird ohne erkennbaren Grund geändert. Die Neufassung ist überflüssig, der Mehrwert fraglich“, wettert der Chef der CDU/CSU-Gruppe.

Benötige man einen Rechtsrahmen für die Abschaffung der Pluskennzeichnung, die Reskalierung also, ginge dies auch mit einer einfachen Kommissionsentscheidung. Eine Änderung der Gesetzgebung sei unnötig. „Ist das wirklich better regulation?“, fragt Reul rhetorisch.

Zynische Spaßvögel behaupten, es handele sich bei dem Vorhaben um eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Brüsseler Beamte. Erst skalieren sie. Dann reskalieren sie wieder. Und im dritten Schritt? Kommt womöglich die Evaluierung, die Basis für eine umfassende Reform.

Apropos: Die Sozialdemokraten wollen noch extra Anreize für Innovationen und energieeffiziente Technologien setzen. Damit Luft nach oben bleibt, sollte das energieeffizienteste Gerät einer Produktgruppe noch nicht in die ersten beiden Effizienzklassen einzuordnen sein. Ob das dem Verbraucher zu mehr Durchblick verhilft? Es gibt noch viel zu tun in Europa. Packen wir’s an.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

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  • Anstatt sich mit wichtigen Dingen zu beschäftigen, befassen sich diese Brüsseler Eurokraten mit absoluten Nebensächlichkeiten. Man sollte das Europaparlament drastisch verkleinern, damit dort nur noch wirklich wichtige Dinge verhandelt werden.

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