Brüssel verspricht günstigere Darlehen
EU plant gemeinsamen Hypothekenmarkt

Europas Häuslebauer sollen zukünftig die Finanzierung ihrer Vorhaben im europäischen Ausland genauso einfach abschließen können wie im eigenen Land. Die EU-Kommission will die vielfältigen Barrieren in der Union abbauen. Sie verspricht Kreditgebern und Darlehensnehmern Vorteile durch die Öffnung der Märkte.

jh HB BRÜSSEL. „Ein effizienter Binnenmarkt könnte billigere und bessere Darlehen für alle Europäer bedeuten, unabhängig davon, ob sie ihre Hypothek im In- oder Ausland aufnehmen“, sagte Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy gestern in Brüssel.

Ende 2002 belief sich in der alten EU-15 das Volumen der laufenden Hypothekenkredite auf rund vier Billionen Euro. Nur ein Prozent der Darlehen sei jeweils im europäischen Ausland aufgenommen worden, ergänzte McCreevys Sprecher. Gründe für die geringe Zahl grenzüberschreitender Geschäfte sind unterschiedliche und komplexe Anforderungen an die Darlehen, rechtliche Hindernisse, der unzureichende Zugang zu ausländischen Geldgebern sowie Sprachbarrieren. Eine Expertengruppe hat im Auftrag der Kommission 48 Empfehlungen ausgearbeitet, die die EU-Behörde nun weiter verfolgen will.

Die Experten halten es für dringend erforderlich, die über die Zinsen hinausgehenden jährlichen Darlehenskosten zu harmonisieren, um eine Vergleichbarkeit der Kredite zu ermöglichen. Darüber hinaus empfehlen sie, den Banken einen einfacheren Zugang in ausländische Märkte zu ermöglichen. Benachteiligungen gegenüber einheimischen Instituten müssten abgebaut werden. Die Besicherung von Immobilien sollte nach den Regeln vorgenommen werden, die in dem Land herrschen, in dem sich das Haus oder die Wohnung befinden. Es wird angeregt, in der EU-Gesetzgebung klar zu unterscheiden zwischen dem seit Jahren in Rat und Parlament diskutierten Verbraucherkredit und dem Wohnungsbaudarlehen. Besicherte Kredite müssten aus der Verbraucherkredit-Richtlinie herausgenommen werden. Zudem empfehlen die Experten, die Anforderungen sowie die Kosten für die Grundbucheintragungen anzupassen, um Verzerrungen im Markt zu eliminieren.

Die EU startet mit ihrer Initiative ein langfristiges Vorhaben. Bisher hatten sich die Mitgliedstaaten nach Vorarbeiten der Hypothekenbanken nur auf einen Verhaltenskodex verständigen können, an den sich die Geldgeber halten sollen.

Die Initiative ist Teil der 1999 gestarteten Politik zur Schaffung eines europäischen Finanzmarktes. In den nächsten Jahren will McCreevy diesen Markt vor allem im Bereich der Privatkundengeschäfte vollenden. Die Kommission wird vermutlich Mitte nächsten Jahres einen Bericht vorlegen, in dem sie aufbauend auf den Empfehlungen der Experten ihr weiteres Vorgehen skizzieren wird. Anschließend wird die Behörde einen Vorschlag für eine EU-Rahmenrichtlinie ausarbeiten. Zuvor sind allerdings noch umfassende Untersuchungen im Markt erforderlich. Die bisherigen Arbeiten haben gezeigt, dass es nicht einfach sein wird, die Interessen von Darlehensgebern und Verbraucherschützern unter einen Hut zu bringen.

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