Brüssel
Wie die EU den Bäckern das Brot versalzt

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Europäische Union den Krümmungsgrad der Gurke abgeschafft hat. Im November 2008 war das, und es sollte der Auftakt zu einer mutigen Entrümpelung der Brüsseler Bürokratie werden. Doch nun kommt neues Ungemach aus der Hauptstadt der Eurokraten.

BRÜSSEL. Die EU-Kommission macht sich an die Umsetzung der 2006 beschlossenen Health-Claims-Verordnung. Um die Verbraucher vor irreführender Werbung zu schützen, kümmert sie sich nun sogar um den Salzgehalt im Brot.

Eigentlich eine gute Sache, könnte man meinen: Schließlich werben auch die Hersteller von schwer verdaulichen Industriebackwaren mit Hinweisen auf die angeblich gesundheitsfördernde Wirkung ihrer Produkte. In der Nahrungsmittelindustrie tummelt sich manch schwarzes Schaf, das durch die neue Verordnung bloßgestellt werden soll. Doch wie das eben so ist mit gut gemeinten Regeln: Wenn sie falsch verstanden und schlecht umgesetzt werden, könnten sie auch dem Bäcker den Spaß am Backen verderben.

Schon geht ein Aufschrei durch deutsche Backstuben: „Brüssel will unser gutes Brot verbieten“, schallt es landauf, landab. Zwar bemühte sich die EU-Kommission am Dienstag um Schadensbegrenzung: „Wir verbieten kein deutsches Brot“, beteuerte die Sprecherin von Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou. Nicht einmal Warnhinweise seien geplant. Doch ganz unbegründet sind die Sorgen nicht. Denn die Diskussion über den Salzgehalt des Brotes geht munter weiter. Hinter verschlossenen Türen – in selbst für EU-Insider kaum durchschaubaren Gremien – wird über Grenzwerte für bestimmte Kennzeichnungen gestritten.

Nicht nur die Bäcker misstrauen Brüssel. Auch der DIHK sieht Gefahr im Verzug: „Unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes wird massiv in den Wettbewerb eingegriffen“, sagte ein DIHK-Experte. Schließlich könnten sich nur große Unternehmen kostspielige wissenschaftliche Untersuchungen über den Gehalt von Salz, Zucker und gesättigten Fettsäuren in ihren Produkten leisten. Kleine Betriebe hingegen würden benachteiligt. Außerdem droht womöglich Gefahr von der Lebensmittelkennzeichnungs-Verordnung, die im Europaparlament diskutiert wird. Immerhin: Dass am Ende eine „Lebensmittel-Ampel“ auch für salzhaltiges Brot kommen könnte, schloss die EU-Kommission aus.

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