Brüsseler Kommission bereitet freizügige Werberegeln vor
EU will Schleichwerbung im TV erlauben

Zwischen der EU-Kommission und den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten in Deutschland bahnt sich ein Konflikt an. ARD und ZDF lehnen Pläne der Brüsseler Behörde ab, die Regeln für TV-Werbung und Product-Placement (Platzierung von Markenprodukten in Sendungen) zu liberalisieren.

BRÜSSEL. Während die deutsche Medienbranche über den Schleichwerbungsskandal in der ARD-Serie „Marienhof“ diskutiert, bereitet die für Medienpolitik zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding eine Lockerung der Regeln für das Product-Placement vor. Auch die Restriktionen bei den Werbezeiten sollen fallen.

„Diese Pläne gefährden die Glaubwürdigkeit einer unabhängigen Programmgestaltung“, warnt eine Sprecherin der ARD. WDR-Intendant Fritz Pleitgen hatte Product-Placement kürzlich sogar als „Pest“ bezeichnet. Ein Sprecher von Medienkommissarin Reding bekräftigte gegenüber dem Handelsblatt die Absicht der Behörde, die aus dem Jahr 1989 stammende EU-Fernsehrichtlinie ungeachtet der Widerstände aus Deutschland zu novellieren.

Im Detail ist geplant, die zeitlichen Beschränkungen für TV-Werbung (höchstens 20 Prozent des Tagesprogramms und höchstens 12 Minuten pro Stunde) zu streichen. Zudem soll es künftig keine Vorgaben mehr geben, in welchen Teilen einer Sendung Werbespots geschaltet werden dürfen. Die Ausstrahlung von Blöcken wäre dann nicht mehr zwingend vorgeschrieben. Bleiben sollen die Restriktionen für Tabak- und Alkoholwerbung.

Die bislang in Europa untersagte Platzierung von Produkten wie Haarwaschmitteln, Corn Flakes oder Sonnenbrillen in Sendungen soll legalisiert werden. Allerdings muss der Vor- oder Abspann eines Films auf den kommerziellen Hintergrund bestimmter Requisiten hinweisen. „Diese Regelung ist transparent, Schleichwerbung bleibt verboten“, versichert der Kommissionssprecher.

Redings Absicht ist es, die Wettbewerbschancen der europäischen Medienindustrie zu stärken. „Die Tatsache, dass die europäische Filmbranche in Europa nur einen Marktanteil von 30 Prozent hat, liegt auch an den im Vergleich zu den USA schlechteren Finanzierungsmöglichkeiten“, so der Sprecher. Liberale Werberegeln verbesserten das kommerzielle Umfeld für Filme und TV-Produktionen. Außerdem passten restriktive Werberegeln nicht mehr in die „interaktive Medienwelt des 21. Jahrhunderts“.

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