Brüssels Problemviertel nach den Anschlägen Molenbeek kämpft gegen seinen Ruf als „Terror-Nest“

Molenbeeks Ruf ist spätestens seit den Anschlägen von Paris ruiniert. Doch die Bürger des Brüsseler Stadtviertels wollen das Bild der Islamisten-Hochburg Europas nicht hinnehmen. Ein Ortsbesuch.
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Molenbeek gilt als Hochburg von radikalen Islamisten. Die Bewohner wehren sich gegen dieses Image. Quelle: AFP
Das Problemviertel

Molenbeek gilt als Hochburg von radikalen Islamisten. Die Bewohner wehren sich gegen dieses Image.

(Foto: AFP)

BrüsselAuf dem Gemeenteplein, dem Gemeindeplatz, steht ein aus Kerzen geformtes „Molenbeek“. Der Buchstabe „o“ ist als Eiffelturm-Peace-Zeichen dargestellt. Immer wieder kommen Menschen hinzu und zünden Lichter an. Wenige Meter davon entfernt stehen weitere Kerzen, die als Postleitzahl des Problemviertels „1080“ angeordnet sind.

Für einen Abend mitten in der Woche herrscht großer Andrang auf dem Platz vor dem Gemeentehuis, dem Rathaus. Mehr als 1.000 Bürger aus Molenbeek und den anderen 18 Gemeinden Brüssels sind gekommen. Sie wollen ein Zeichen setzen gegen die Negativschlagzeilen über ihr Viertel.

„Es gibt fast immer eine Verbindung nach Molenbeek“
Molenbeek
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Schon länger gilt Belgien als Zufluchtsort radikaler Islamisten – erst recht nach den Pariser Anschlägen im vergangenen November, von denen wieder einmal direkt Spuren nach Brüssel führen. Damals stellte die belgische Presse sogar einen Zusammenhang zwischen den Paris-Attentaten und einem besonders berüchtigten Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates (IS) aus Brüssel her: Abdelhamid Abaaoud; er stammt aus Molenbeek, einem als Islamisten-Hochburg bekannten Brüsseler Stadtviertel.

Großeinsatz
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Einer der Attentäter von Paris soll Verbindungen zu Abaaoud gehabt haben. Der Name des betreffenden Selbstmordattentäters von Paris tauche in mehreren Strafverfahren aus den Jahren 2010 und 2011 zusammen mit dem von Abaaoud auf, meldete die flämische Zeitung „De Standaard“.

Razzia
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Damals eröffnete die Justiz mehrere Strafverfahren. Zwei Verdächtigen wurde ein „Terroranschlag und die Teilnahme an den Aktivitäten einer Terrorgruppe“ vorgeworfen.

In der Nachbarschaft
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Abaaoud, der später bei der Razzia in Paris ums Leben kam, galt als Kopf der Islamistenzelle von Verviers. In dem ostbelgischen Ort war im vergangenen Jahr eine Islamistenzelle zerschlagen worden, die Anschläge auf die Polizei geplant haben soll.

Wohnviertel
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Ein internationaler Haftbefehl wurde auch gegen Salah Abdeslam erlassen, der ebenfalls in Molenbeek gelebt hat und kurz vor den Anschlägen in Brüssel festgenommen wurde. Ein Bruder von Abdeslam war einer der Selbstmordattentäter von Paris.

Brennpunkt Molenbeek
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Belgien ist mit seinen elf Millionen Einwohnern eines der kleineren EU-Länder. Bezogen auf die Bevölkerung hat es aber den größten Anteil radikaler Islamisten, die nach Irak und Syrien in den sogenannten Heiligen Krieg ziehen. Fast 500 „belgische Islamisten“ sind vom Geheimdienst identifiziert worden. Immer wieder wurden in der Vergangenheit Anti-Terror-Gesetze verschärft und terroristische Netzwerke ausgehoben. Trotzdem gilt Belgien als vergleichsweise sicherer Hafen für Islamisten. In der Hauptstadt Brüssel wiederum gilt Molenbeek als Brennpunkt, wo die Arbeitslosigkeit und die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund gleichermaßen hoch sind.

Markt in Molenbeek
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Besonders viele Molenbeeker sind Muslime, und unter diesen findet sich auch eine radikale Minderheit. In dieser kleinen Minderheit gebe es Leute, die „auf europäischer Ebene bekannt sind“ und andere Extremisten anzögen, analysiert der Terrorismus-Experte Claude Moniquet. Belgiens Regierungschef Charles Michel ist sich des Problems bewusst: „Ich stelle fest, dass es fast immer eine Verbindung nach Molenbeek gibt“, sagt Michel.

Die Bürger tragen selbstgebastelte Plakate und Fahnen in die Höhe, etwa mit der Aufschrift: „I Love Molenbeek“. Sie rufen zum Frieden auf. Eine Schweigeminute für die Opfer der Anschläge von Paris wird von Gesängen der Demonstranten unterbrochen: „Wir sind nicht alle Terroristen“, lautet ihre zentrale Botschaft.

Noch nie hat Thes Pascale so viele Menschen, vor allem aber Journalisten, hier gesehen. Seit zehn Jahren unterrichtet sie als Sportlehrerin an der Athenee Serge Creuz-Schule in Molenbeek. Gemeinsam mit ihren Schülern hat sie Plakate gemalt, auf denen viele bunte Puzzleteile zu sehen sind. Es ist eine Anspielung auf den hohen Ausländeranteil im Stadtviertel. Nach wie vor unterrichte sie gerne in Molenbeek – größere Probleme gab es noch nie, sagt sie.

Das Peace-Zeichen, geformt aus brennenden Kerzen: Bürger des Brüsseler Stadtviertels Molenbeek gedenken den Opfern von Paris. Quelle: ap
Gedenken an die Opfer von Paris

Das Peace-Zeichen, geformt aus brennenden Kerzen: Bürger des Brüsseler Stadtviertels Molenbeek gedenken den Opfern von Paris.

(Foto: ap)

Von den Medienberichten, die das Viertel im Nordwesten Brüssels als „Terror-Nest“ darstellen, ist sie daher wenig begeistert. Damit steht sie nicht allein: Viele der Anwesenden diskutieren miteinander über die jüngsten Ereignisse. Sie sind daran interessiert, den Medienvertretern ihre Ansichten darzulegen.

Bekannt als Islamisten-Hochburg
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17 Kommentare zu "Brüssels Problemviertel nach den Anschlägen: Molenbeek kämpft gegen seinen Ruf als „Terror-Nest“"

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  • @Herr C. Falk
    Das kann ich nicht bestätigen. Wenn er es auf dem Feldberg oder Belchen probiert, könnte er Glück haben. ;-)

  • Breisgau können Sie vergessen. In Freiburg wird gerade in der Stadthalle, gelegen in einem gutbürgerlichen Wohnquatier mit viel Grünfläche rundherum, eine Asylunterkunft für 500 "Flüchtlinge" eingerichtet.

    Das nicht weitgelegene Einkaufszentrum Zoe erhofft sich steigende Weihnachtsumsätze durch die muslimischen Neuankömmlinge.

  • Wenn man dann liest, daß die Politik die Bauvorschriften für Neubauten lockern will, um schnell „Wohnraum“ für die Illegalen schaffen will, in dessen näheren Umgebung kein Einheimischer, höchstens durch Zwang leben will, werden Molenbeeks doch gerade von politischer Seite geschaffen und gefördert.
    Aber an „Bewohnern“ sollte es nicht fehlen bei dem noch stets massenhaften und unkontrollierten illegalen Grenzverletzungen der in erster Linie Wirtschaftsreisenden und wer weiß was sich noch darunter befindet und sich durch winken läßt.

    Reichen nicht die, in der Hauptsache libanesischen Familienclans in Bremen, Duisburg u.a. die nicht nur einige Straßen, sondern auch die gesamte Stadt auf irgend eine Weise durch ihr Ganstertum in ihre Gewalt gebracht haben?
    Eigene „Streitschlichter,“ eigene „Clangerichte“ und auch Strafen aussprechen und scheinbar auch von den dt. Gerichten sonder Privilegien und Rechte eingeräumt bekommen, milde Urteile von den dt. Gerichten, aber wenn man die Dauer der Haftzeiten zusammen zählt locker in den Bereich von Lichtjahren kommt.

  • Vielen Dank für die Tipps! Wir werden nach Dresden fahren. Meine Frau und ich waren noch nicht dort und es ist kulturell hoch interessant. Die Sächsische Schweiz wird sicher auch ein Erlebnis. Leider wird das Laub schon abgefallen sein. Wenn es nur halb so schön wie auf Rügen und Usedom wird, sind wir glücklich.
    Ohnehin möchte ich positiv von den neuen Bundesländern berichten. Wir wurden sehr nett in den Gasthäusern empfangen und man kommt schnell mit netten Leuten ins Gespräch.

  • Wer denkt, dass wir in Deutschland alle doof sind, der muss nur mal 80 Jahre zurück denken.

    Iwa ist der Punkt erreicht, wo es dem Volk dann sche... egal ist, ob man sie mal wieder als Nazi beschimpft, oder was auch imemr. wie ich gerade gelesen habe, in Schweden bewaffnet sich das volk mit Baseball-Schläger.

    Vermutlich weil sie alle sehr sportlich geworden sind und nun keinen Winterspeck wollen. Kann aber auch sein, dass das Volk eine Bürgerwehr erstellt hat und sich selbst schützt.

    Das hatten wir übrigens auch mal in Vororten von Wolfsburg nach der Grenzöffnung. Wir haben eine Bürgerwehr gegründet und sind in der Nacht Streife gelaufen um uns selbst zu schütrzen. Mal sehen, wann es bei uns so weit ist.

  • Habe nochmal überlegt, um Ihnen auch für die BRD einen Idee zu geben:
    Sächsische Schweiz würde ich sagen. Aber Dresden ist schon durch seine "Erstaufnahmeeinrichtung" verseucht - das Stadtbild und die Sicherheit hat sich merklich verschlechtert. Sie sollten Dresden an einem Montag besuchen! Pegida wird Ihnen sehr gefallen - Emotion pur.

  • Lieber Herr Meier!
    Auch in Sachsen nehmen die Kopftücher immer mehr zu. Obwohl sogar ich das Gespräch mit diesen Frauen suche und sie auf ihre Außenwirkung hinweise. )) (was ich echt mache). Zum Glück sind wir aber Trittbrettfahrer einer starken rechtsextremen Szene (im richtigen Sinne und nicht verunglimpfte Volksbewegungen wie Pedgida).

    Fahren sie lieber nach Weissrussland (ernst gemeint!)! Super Land, nur normale Leute auf der Straße - ein Sicherheitsgefühl wie in Vorkriegszeiten. Alles sauber, keine Schmierereien auf jedem Haus. Nicht das sie denken - fast keine Polizei zu sehen. Übrigens - dort hat man vor 2 Jahren Terroristen gleich an die Wand gestellt. Und das Volk steht hinter ihrem Präsidenten - also keine Spaltung Volk-Herrschende wie bei uns....

  • In 2 Wochen möchte ich nach langer Zeit mal wieder nach Deutschland fahren. Kann man mir bitte (ernst gemeinte) Vorschläge machen wohin ich fahren kann ohne direkt Kopftücher und Kebab - Buden zu sehen. Allgäu, Breisgau aber auch Mecklenburg hatte ich angedacht.

  • Unsere Gesellschaft hat AIDS, als Kollektiv

    wenn ich das sehe, mit welche Liebe und Toleranz wird diesen Menschen begegne, die unseren Untergang wollen, womit ich das Volk meine, wird mir fast übel.

    Jeder Kultur, die so etwas mit sich machen läßt, war schon imemr dem tod geweiht. Wie vieel flüchtlinge muss Erika, Uschi oder unser hochverehrter Herr Schäuble denn och frein holen, bevor der Volkssturm losbricht?

  • Zumindest das Immunsystem der regierenden Politik in Deutschland ist tot. Deren Körper reagiert nicht richtig und zu langsam.

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