Buch über Franҫois Hollande
Valérie Trierweilers späte Rache

Die frühere „Première Dame“ rechnet in einem Buch mit ihrem Ex Franҫois Hollande ab. Der französische Präsident – „ängstlich und entscheidungsschwach“ – muss einstecken, doch die Autorin tut sich damit keinen Gefallen.
  • 1

ParisDie Vorbereitung dieses Buches war angeblich so geheim, dass nicht einmal der von allen Geheimdiensten gut informierte Staatschef selber davon wusste: Erst am Dienstag soll Franҫois Hollande erfahren haben, dass seine langjährige Lebensgefährtin Valérie Trierweiler in einem Buch ihn und ihre Beziehung zu ihm auf gut 300 Seiten zerpflückt.

Bislang sind nur wenige Auszüge bekannt, die Paris Match veröffentlichte, das Buch erscheint am Donnerstag. Den Zitaten nach zu urteilen ist es kein Höhepunkt des politischen Journalismus und enthält auch keine Staatsgeheimnisse. Es kreist um Hollande, der als ein intelligenter, aber gefühlsarmer, entscheidungsschwacher und unter dem Eindruck der Macht zunehmend vereinsamter Mann überkommt.

Im Januar 2014, als seine Affäre mit der Schauspielerin Julie Gayet bekannt wurde, hat Hollande sich von Trierweiler getrennt, mit der er neun Jahre zusammen war. Für die politische Journalistin von Paris Match, die Hollande als Reporterin kennenlernte und die für ihn ihren Mann und drei junge Kinder verließ, war diese Zeit offenbar nur am Anfang eine glückliche. Trierweiler bekennt offen, dass sie immer das Gefühl gehabt habe, ihre Beziehung „zu Hollande sei illegetim und werde nicht anerkannt“.

Als Hollande während des Wahlkampfes zur Präsidentschaft 2012 gemeinsam mit seiner Ex Ségolène Royal, Mutter seiner vier Kinder, auf eine Bühne trat, sei sie „am Boden zerstört gewesen“, habe gewusst, dass das unsinnige Eifersucht sei, die an einen Komplex der Minderwertigkeit grenze. „Aber dieses Gefühl war so stark, dass ich einfach nicht dagegen ankonnte“.

In den Medien wurde Trierweiler schon vor dem Bruch mit Hollande, aber auch danach, als übermäßig ehrgeizig, humorlos und verbissen gezeichnet. Ihr Buch scheint zu zeigen, dass sie selber tatsächlich nicht mit der Situation klar kam, plötzlich nur noch die Frau an der Seite eines Politikers zu sein, der zunehmend an Bedeutung gewann – und der sein Verhältnis zu Royal, einer in der französischen Öffentlichkeit geachteten Powerfrau nie recht geklärt habe.

Als er bereits seit Jahren mit ihr zusammen war, schreibt Trierweiler, habe Royal plötzlich davon gesprochen, sie werde Hollande demnächst heiraten. Erschwerend für „die Neue“ kam hinzu, dass die Anhänger der Sozialistischen Partei lieber das Paar Hollande-Royal sahen als Hollande mit einer Frau, die politisch keine Rolle spielte.

Trierweiler brauchte dieses Buch offenbar, um ihre verstörenden Erlebnisse mit Hollande zu verarbeiten. Ob die Öffentlichkeit dieses Werk ebenfalls braucht und ob die kompetente Journalistin sich damit einen Gefallen getan hat, ist eine andere Frage. Zu sehr wirkt es wie die kühl berechnete Rache der Frau, die fasziniert war von Hollande und von dem engsten Zirkel der Macht, dann aber mit beiden nicht klar gekommen ist. Das ist bemitleidenswert, auch rührend vielleicht – aber ist es etwas für die Öffentlichkeit?

Seite 1:

Valérie Trierweilers späte Rache

Seite 2:

Ein ängstlicher, verschlagener Politiker

Kommentare zu " Buch über Franҫois Hollande: Valérie Trierweilers späte Rache"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wie immer man die Publiktion der Dame moralisch beurteilen mag, einen Gefallen hat sie sich zweifelsohne getan. Sie hat den unpopulären Hollande noch weiter abgewertet, seine Power zur Durchsetzung geplanter Arbeitsmarktreformen durch den so herbeigeführten Reputationsverlust eventuell weiter abgesenkt und sogar seine Wiederwahlaussichten zerstört. Das ist schon Macht zu zerstören. Frankreich weiß nun, dass Frau Trierweiler
    eventuell machtvoll genug ist, um einen französischen Staatspräsidenten nachhaltig politisch zu beschädigen. Das verschafft der Dame die wahrscheinlich von ihr erwünschte Genugtuung der Rache. Kurz: Sie tut ihrer Seele und ihrer Emotion durchaus einen Gefallen. Auch wenn das Handelsblatt das anders sieht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%