Buchmacher gegen Griechenland
Hunderte Pfund auf Hellas

Britische Buchmacher setzen auf einen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum. Damit sind sie den Politikern bereits weit voraus. Diese sollten sich hüten, die Wetten einfach als kuriosen Unfug abzutun.
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LondonEurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hat noch nicht aufgegeben. „Die Fortschritte reichten nicht, um eine gemeinsame Schlussfolgerung zu verfassen“, versuchte der niederländische Finanzminister das ergebnislose Ringen der Euro-Finanzminister in Brüssel im Schuldenstreit mit Griechenland in freundliche Worte zu kleiden.

Doch während die Politik noch um einen Verbleib von Hellas im Euroraum kämpft, haben andere bereits eine klare Position bezogen. Die Zocker im wettbegeisterten Großbritannien sind einen Schritt weiter: Sie setzen auf einen Austritt Griechenlands.

Hunderte Pfund auf Hellas: Mögen die europäischen Spitzenpolitiker sich auch noch so in diplomatischen Sätzen zur Zukunft Griechenlands ergehen, die Quoten, die die großen Wettanbieter in Großbritannien anbieten, sprechen derzeit eine unmissverständliche Sprache, die viele Investoren erstarren lassen müsste.

Der große britische Buchmacher Paddy Power senkte erst vor wenigen Tagen seinen Wetteinsatz deutlich ab und zahlt Kunden, die auf einen Austritt von Griechenland bis Ende 2018 setzen, lediglich noch ein Verhältnis von 5/4, was bedeutet, dass ein Wetter für vier Pfund Einsatz nur noch einen Gewinn von fünf Pfund zurückerhält. Eine Woche zuvor wäre die Quote mit 3/1 noch deutlich besser gewesen.

Vor gut zwei Jahren hätten die Zocker sogar noch eine Quote von 7:1 bekommen. Was für viele Ökonomen noch immer ein Ritt auf der Rasierklinge ist, könnte damit für einige wagemutige Spekulanten zu einem lukrativen Geschäft werden.

Die Wetten sind mehr als ein kurioser Spaß. Sie sind ein ernstzunehmendes Alarmzeichen. Denn hinter der Berechnung der Wetten steckt durchaus höhere Mathematik. Die Buchmacherfirmen arbeiten mit ausgeklügelten Computerprogrammen, um beim Handel mit dem Glück und Schicksal nicht in die roten Zahlen zu geraten.

Ein Einsatz, der sich lohnt, denn irgendwo sonst in Europa wird so leidenschaftlich gewettet wie auf der Insel. Der Wettmarkt in Großbritannien kommt auf einen Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Pfund. Dabei wächst vor allem der Online-Wettmarkt, bei dem längst nicht mehr allein auf Fußball oder Pferderennen gesetzt wird.

Kommentare zu " Buchmacher gegen Griechenland: Hunderte Pfund auf Hellas"

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  • Jeder, der auf den Grexit wettet, wird seinen Einsatz verlieren.
    Denn die Koalition von EU, Erika und EZB wird "whatever it takes" Griechenland im Euro halten.

  • Die Wetten sind sicher ein relevanter Indikator, denn der kaufmännische Verstand der kleinen Leute ist dem abgehobenen Getue der Eurokraten a la Dijsselbloem deutlich überlegen.

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