Bücher über Obama
Präsident werden und Präsident sein

Neue Bücher von David Remnick und Bob Woodward erklären Barack Obama. Das eine ist ein Epos über den Aufstieg eines Hoffnungsträgers. Das andere beschreibt, wie der Hoffnungsträger mit zwei Kriegen klarkommt. Zusammen ermöglichen sie erhellende Einblicke.
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DÜSSELDORF. Es ist eigentümlich, David Remnicks „Barack Obama. Leben und Aufstieg“ zu lesen, gut 900 Seiten mit Obama und dessen Familie zu verbringen, noch einmal in Gedanken seiner erhabenen Inaugurationsrede beizuwohnen und dann, vergangene Woche, Fernsehnachrichten zu schauen.

Der Präsident der Vereinigten Staaten tritt darin angesichts der Niederlage seiner Partei bei den Parlamentswahlen schmallippig vor die Presse. Die Niederlage der Demokraten ist auch seine Niederlage. Die Zeiten der Präsidentschaftskampagne, in der er mit großen Reden die Herzen der Menschen auf der ganzen Welt gewonnen hat, sind vorbei, Obama wirkt ernst und angeschlagen, und nichts scheint weiter weg als sein Wahlkampfslogan: „Yes, we can!“ Er klingt nun wie das Echo aus einer anderen Zeit.

Seit anderthalb Jahren ist Barack Obama im Amt. Der Präsident und seine Mannschaft mussten vom Kampagnen-Modus in die Verantwortung finden. Sie wollten zeigen: Ja, wir können es! Doch dann gab es Widerstand gegen Reformen – politische Gegner und Feinde ließen sich nicht von Reden beeindrucken.

Mitten in diese für Obama kritische Zeit hinein erscheinen nun zwei Bücher, die diesen Wandel in der Zusammenschau beschreiben.

Qualitäten eines Entwicklungsromans

David Remnicks Buch über Obamas Leben und Aufstieg ist mehr als die Biografie eines begabten Politikers. Es ist ein großes und glänzend geschriebenes Familienepos, in dem sich die Kulturgeschichte der Rassenkonflikte in den Vereinigten Staaten spiegelt.

Der Chefredakteur des Magazins „New Yorker“ beschreibt nicht allein die viel erzählte Karriere Obamas: Kindheit auf Hawaii, Arbeit als Community Organizer in Chicago, akademische Ausbildung in Harvard, politischer Aufstieg zum Präsidenten.

Remnick macht auch Obamas komplexen Hintergrund wie bei einer Familienaufstellung sichtbar: die weiße Mutter, die rastlos die Welt erkundet; der schwarze Vater, der die Familie im Stich lässt und zurück in Kenia daran zerbricht, dass er das Land trotz Harvard-Abschluss nicht voranbringen kann; selbst Obamas Großeltern im fernen Afrika gibt Remnick einen Platz in seinem Werk, das so Qualitäten eines Entwicklungsromans entfaltet.

Im Original heißt Remnicks Buch „The Bridge“. Der Titel bezieht sich auf eine Brücke in Selma, Alabama, wo Polizisten 1965 eine Demonstration von Bürgerrechtlern für das Wahlrecht von Afroamerikanern blutig niederschlugen. Ein Bürgerrechtler sagt in Remnicks Buch, dass Obamas Erfolg auch die andere Seite dieser Brücke sei. Was in Selma begann, nimmt sein Ende im Weißen Haus.

Das Motiv der Brücke hat auch eine zweite Ebene. Remnick beschreibt, wie Obama als Kind einer Weißen und eines Schwarzen um seine Identität ringt und so die Fähigkeit entwickelt, zwischen beiden Welten zu vermitteln. Unzählige Weggefährten, mit denen der Journalist gesprochen hat, betonen Obamas Talent, unterschiedlichste Standpunkte nachzuvollziehen, verschiedene Sprachen zu sprechen, je nach Milieu, in dem er sich bewegt.

Zu Zeiten der Präsidentschaftskampagne, als das Land und die Welt der grobschlächtigen Feindbildrhetorik der Bush-Regierung überdrüssig waren, hat dieses Talent Obamas viele Wähler elektrisiert. Doch im Amt reicht die Intellektualisierung politischer Probleme nicht mehr aus. Obama muss nun nach Analysen entscheiden. Während des Wahlkampfs kosteten schlechte Reden vielleicht Stimmen. Nun kosten falsche Entscheidungen Menschenleben.

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  • ObAMA hat meinen Respekt. Ein Politiker der ständig sabotiert wird, kann nun einmal keine Wunder vollbringen. Vergessen wir nicht, dass der republikanische Präsident G. W. bush ein glänzend geführtes Land übernommen hatte (ohne Haushaltsdefizit, etc.) und dieses in den Abgrund führte. Und heute stellen sich die Unfähigen (Republikaner) von damals hin und beschweren sich warum der Schutthaufen nicht schnell genug weggeräumt wird.

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