Bündnis mit Islamisten befürchtet
FBI besorgt über Extremisten im eigenen Land

Zehn Jahre nach dem Bombenanschlag von Oklahoma warnen amerikanische Sicherheitsbehörden vor einer unverändert hohen Terror-Gefahr durch extremistische Gruppen aus dem eigenen Land.

bac/HB WASHINGTON. „Wir gehen täglich einer Vielzahl von Attentats-Drohungen nach“, sagte John Lewis, stellvertretender Chef der Abteilung Gegenspionage bei der Bundespolizei FBI. Seine Behörde habe sich zwar in den letzten Jahren auf ausländische Terroristen konzentriert, halte jedoch die inneramerikanische Extremisten-Szene weiterhin für einen beträchtlichen Risiko-Faktor.

Die US-Bürger gedachten gestern des Bombenanschlags vom 19. April 1995 auf ein mehrstöckiges Bundesgebäude in Oklahoma. Urheber war der Armee-Veteran Timothy McVeigh, der aus Hass gegen die Regierung die Tat beging, bei der 168 Menschen getötet wurden. Es handelte sich damals um den bis dato schlimmsten Terrorakt auf amerikanischem Boden, der bei vielen Amerikanern ein tiefes Gefühl der Verwundbarkeit hinterließ.

Experten befürchten derzeit jedoch weniger die Gefahr durch paramilitärische Milizen, die Mitte der 90er Jahre für Aufsehen gesorgt hatten. Im Blickpunkt stehen vielmehr rassistische und antisemitische „Hassgruppen“. Deren Zahl habe von knapp 500 im Jahr 1997 auf 762 im vergangenen Jahr zugenommen, berichtete das Southern Poverty Law Center, eine Anwaltsfirma in Montgomery (Alabama). Eine interne Studie des Ministeriums für Heimatschutz listet radikale Öko-Gruppen und Tierschützer als die höchsten Terror-Gefahren auf. Die Gruppe „Earth Liberation Front“ hatte sich in den vergangenen zwei Jahren zu Brandanschlägen auf ein Immobilien-Projekt im kalifornischen San Diego sowie auf ein Ski-Hotel in Colorado bekannt, bei denen Schäden in Höhe von 70 Mill. Dollar entstanden.

Terror-Spezialisten und Polizisten sind vor allem mit Blick auf Einzeltäter alarmiert, die sich mit extremistischen Gruppen verbünden könnten. Sie verweisen dabei auf Beispiele wie Eric Rudolph, der in der vergangenen Woche zugegeben hatte, mehrere Anschläge auf Abtreibungskliniken sowie die Olympischen Spiele in Atlanta 1996 begangen zu haben. 2003 verhafteten Sicherheitsbehörden den weißen Rassisten William Krar in Texas. In Krars Wohnung wurden 500 000 Schuss Munition, 60 Rohrbomben sowie Bestände von Sodiumzyanid entdeckt, die ausgereicht hätten, 6000 Menschen zu töten.

In den USA operieren nach einem Geheimbericht des FBI 22 einheimische Terrorgruppen. In dem Report, der vom Fernsehsender ABC veröffentlicht wurde, werden auch weiße Rassisten wie die „Aryan Nations“ oder die Neonazi-Organisation „National Alliance“ aufgeführt. Insgesamt liefen 338 Ermittlungsverfahren. Die Gruppen würden für Bombenanschläge, Drohbriefe, Morde und Raubdelikte verantwortlich gemacht, hieß es in dem Dossier. „Das sind tickende Zeitbomben, die eine größere Zerstörung anrichten können als Timothy McVeigh vor zehn Jahren“, sagte Brian Levin von der California State University in San Bernardino. Nach Ansicht von Experten könnte es jedoch noch schlimmer kommen: „Wenn rechtsradikale Milizen ein Zweckbündnis mit islamischen Extremisten schließen, haben wir ein Albtraum-Szenario“, warnt der Strafrechtler Robert Friedmann von der Georgia State University.

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