Bürgerkrieg
Drei Millionen Menschen aus Syrien geflüchtet

Fast die Hälfte aller Bürger haben im syrischen Bürgerkrieg ihre Heimat verlassen, drei Millionen Menschen wurden ganz aus dem Land vertrieben. Im Irak flohen mehr als 1,6 Millionen Menschen in andere Teile des Landes.
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GenfDer Bürgerkrieg in Syrien hat inzwischen mehr als drei Millionen Menschen aus dem Land vertrieben. „Die Krise in Syrien ist zum größten humanitären Notfall unserer Zeit geworden“, erklärte der Vorsitzende des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Genf, Antonio Guterres, am Freitag. US-Präsident Barack Obama erklärte derweil, „noch keine Strategie“ im Umgang mit den Dschihadisten des Islamischen Staats (IS) in Syrien zu haben.

Allein im vergangenen Jahr sei die Zahl der Flüchtlinge aus Syrien um eine Million gestiegen, erklärte Guterres. Zu den drei Millionen Menschen, die aus Syrien geflohen sind, kommen nach UN-Angaben 6,5 Millionen Binnenflüchtlinge hinzu. Fast die Hälfte aller Bürger habe ihre Heimat verlassen. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen handele es sich um Kinder. Das UNHCR verweist auf Berichte über „immer entsetzlichere Bedingungen im Land“.

Die Hilfsorganisation Oxfam forderte am Freitag westliche und andere reiche Länder auf, verstärkt syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Die Nachbarländer Syriens seien „auf Dauer überfordert“ mit der steigenden Flüchtlingszahl. Die internationale Gemeinschaft müsse „ihren Teil zur Aufnahme und zum Schutz der Flüchtlinge beitragen“.

Seit sich zunächst friedliche Proteste gegen Machthaber Baschar al-Assad im Frühjahr 2011 zu einem Bürgerkrieg ausweiteten, wurden in Syrien mehr als 191.000 Menschen getötet. Mit dem Vormarsch der IS-Dschihadisten, die das Machtvakuum im Land angesichts der schwindenden Kontrolle Assads über verschiedene Landesteile nutzten, hat der Konflikt noch eine andere Dimension angenommen.

Die IS-Kämpfer hatten in den vergangenen Monaten neben großen Gebieten im Nordirak auch Teile Syriens erobert und dort ein sogenanntes Kalifat ausgerufen. Die UNO wirft den Extremisten äußerste Brutalität in Syrien vor, wo es öffentliche Hinrichtungen, Amputationen und Auspeitschungen gebe.

In der vergangenen Woche hatte der IS ein Video von der Enthauptung des US-Journalisten James Foley veröffentlicht. Einem Bericht der „Washington Post“ vom Donnerstag zufolge wurden mindestens vier westliche Geiseln, darunter Foley, während ihrer Gefangenschaft mit dem sogenannten Waterboarding gefoltert, bei dem das Opfer das Gefühl hat zu ertrinken.

Auch im Nordirak geht der IS mit großer Brutalität vor allem gegen Minderheiten vor. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte am Freitag die „brutalen Tötungen von Zivilisten“ im Nordirak. Am Donnerstag veröffentlichte der IS zudem laut dem auf die Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierten US-Unternehmen Site ein Video, in dem die Enthauptung eines Kurdenkämpfers zu sehen ist. Entführte Kurdenkämpfer fordern in dem Video ein Ende der Militärkooperation zwischen der Kurdenführung im Nordirak mit den USA.

Während die US-Luftwaffe bereits seit drei Wochen gegen IS-Stellungen im Nordirak vorgeht, hat Washington bislang keine Strategie im Kampf gegen die Dschihadisten in Syrien. Zu möglichen Luftangriffen dort gebe es noch keine Entscheidung, sagte Obama am Donnerstag. Zugleich kündigte er an, Außenminister John Kerry in die Region zu schicken, um Möglichkeiten für ein regionales Bündnis gegen den IS auszuloten. In Syrien gehen bereits die Truppen Assads gegen den IS vor, Washington schließt eine Zusammenarbeit mit Damaskus aber bislang aus.

Im Irak sind unterdessen seit Anfang des Jahres mehr als 1,6 Millionen Menschen vor dem Krieg aus ihrer Heimat in andere Teile des Landes geflohen. Mehr als die Hälfte von ihnen ergriffen alleine im August die Flucht vor den Kämpfen mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Norden des Landes.

Die meisten suchten Zuflucht im kurdischen Teil des Iraks und in Nachbarregionen, hieß es in einem am Freitag in Genf vorgestellten Bericht der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Viele der Vertriebenen seien körperlich, finanziell und emotional am Ende, sagte der Notfallkoordinator der Organisation im Irak, Brian Kelly, in einer Erklärung. „Die derzeitige Krise im Irak ist beispiellos.“

Viele der Flüchtlinge seien Wochen und Monate unterwegs, um sichere Regionen zu erreichen. Zahlreiche opfer sind Kelly zufolge traumatisiert. „Viele Verwandte wurden von IS-Einheiten verschleppt oder ermordet.“ Ganze Gruppen seien von IS-Einheiten gezwungen worden, von Bergklippen in den Tod zu springen. Mit einer schnellen Bewältigung der Krise ist Kelly zufolge nicht zu rechnen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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