Bürgerkrieg im Gazastreifen
Blutige Gefechte – Hamas auf dem Vormarsch

Im Gazastreifen lieferten sich Fatah und Hamas auch am Mittwoch heftige Gefechte um Schlüsselpositionen. Dabei drängte die radikal-islamische Hamas die gemäßigtere Fatah zunehmend in die Defensive.

HB GAZA. Ziel der Hamas-Angriffe waren vor allem Einrichtungen der Sicherheitskräfte, die der Fatah des palästinensischen Präsidenten Abbas nahe stehen. Dieser rief beide Seiten abermals auf, den „Wahnsinn“ sofort zu beenden. Seine Worte verhallten jedoch ohne Resonanz.

Seit Montag kamen bei den Kämpfen schon mehr als 50 Menschen ums Leben, allein am Mittwochmorgen wurde der Tod von mindestens acht Hamas-Kämpfern gemeldet. Die radikalislamische Bewegung eroberte strategisch wichtige Kontrollpunkte der Fatah an einer wichtigen Nord-Süd-Verbindungsstraße sowie an der Küstenstraße. Dies könnte den Nachschub für die Fatah gefährden.

Am Mittwochnachmittag wurde das Hauptquartier der Fatah-nahen Sicherheitskräfte in der südlichen Stadt Chan Junis bei einem Bombenanschlag fast völlig zerstört. Mindestens fünf Menschen wurden dabei getötet. Die Miliz habe das Gebäude in der südlichen Stadt Chan Junis mit einem Tunnel angegraben und einen großen Sprengsatz darunter gezündet, berichteten Augenzeugen. Mehrere weitere Opfer waren zunächst noch verschüttet. Die Sicherheitskräfte erklärten kurz darauf, sie hätten die Kontrolle über Chan Junis an die Hamas verloren. Man werde aber kämpfen, um die nahe gelegene Stadt Rafah zu halten.

Rund 20 Zivilisten und 40 Angehörige einer Geheimdiensteinheit, die der Fatah-Fraktion von Abbas zugerechnet wird, flohen am Mittwoch bereits vor der Gewalt im Gazastreifen nach Ägypten. Aus ägyptischen Sicherheitskreisen hieß es, die Palästinenser hätten in der Region Rafah den Grenzzaun beschädigt, um auf die ägyptische Seite zu gelangen. Sie seien festgenommen worden, und würden nun verhört, hieß es.

Im Norden des Gazastreifens zeigte die Hamas bereits am Dienstag ihre Überlegenheit. Am Abend überrannten rund 200 ihrer Kämpfer die dortige Zentrale der Fatah-nahen Sicherheitstruppe, wobei mindestens 17 Menschen getötet wurden. Am Mittwoch stellte die Hamas der Fatah das Ultimatum, ihre Sicherheitskräfte anzuweisen, bis zum kommenden Freitagabend die Waffen niederzulegen. Andernfalls würden sie mit Gewalt entwaffnet.

Im Rundfunksender der Hamas hieß es später, die Offensive werde schon bald auf den Präsidentensitz in Gaza sowie auf das dortige Hauptquartier der Sicherheitskräfte ausgeweitet. Im Stadtzentrum kam es schon am Morgen zu heftigen Schießereien um die Kontrolle von Hochhäusern und Straßenkreuzungen. Überall war das Stakkato von Maschinengewehren zu hören.

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