Bürgerkrieg im Jemen Rotes Kreuz erreicht eine „Geisterstadt“

Trotz stetiger Bombardements der Koalition um Saudi-Arabien rücken die Huthi-Milizen im Jemen vor. Das Rote Kreuz fordert eine Feuerpause, um Medikamente zu liefern - und berichtet von einer humanitären Krise.
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Die Huthi-Rebellen haben schon fast die gesamte Stadt Aden eingenommen. Quelle: dpa
Huthi-Unterstützer

Die Huthi-Rebellen haben schon fast die gesamte Stadt Aden eingenommen.

(Foto: dpa)

AdenUngeachtet der Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz im Jemen rücken die schiitischen Huthi-Milizen weiter vor. In der Hafenstadt Aden kam es am Montag erneut zu Gefechten der Huthis mit Unterstützern des geflohenen Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi. Die Kämpfe haben eine humanitäre Krise ausgelöst: Ein Rotkreuz-Mitarbeiter schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: „Aden ist eine Geisterstadt. Die Einwohner sind nirgendwo zu sehen und das Ausmaß der Zerstörung der Stadt wird immer offensichtlicher.“

In den Vororten seien Explosionen zu hören, berichteten Einwohner Adens. Auch habe ein ausländisches Kriegsschiff Huthi-Stellungen beschossen. Seit mehreren Tagen toben Straßenkämpfe in der Stadt, der letzten Machtbastion Hadis, der sich nach Saudi-Arabien abgesetzt hat. In der nördlichen Stadt Saada wurden am Montagmorgen acht Huthi-Kämpfer bei Luftangriffen getötet.

Viele Einwohner des Landes sind durch die Kämpfe von Hilfen der internationalen Gemeinschaft abgeschnitten. Im ganzen Land ist die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Strom gestört. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teilte mit, logistische Probleme verzögerten die Lieferungen nach Sanaa.

Zwar habe Saudi-Arabien bereits am Samstag die Erlaubnis erteilt, sagte eine IKRK-Sprecherin am Montag. Es gebe aber Schwierigkeiten mit dem Transport. Nicht viele Fluggesellschaften seien bereit, mit ihren Frachtmaschinen in das Konfliktgebiet zu fliegen. Man hoffe aber, die 48 Tonnen Hilfsgüter "morgen oder übermorgen" ausliefern zu können. Das IKRK hatte am Samstag eine 24-stündige Kampfpause gefordert, um Hilfsgüter liefern zu können.

Der UN-Sicherheitsrat trat am gleichen Tag zu einer dringlichen Sitzung zusammen, um den russischen Vorschlag einer humanitären Feuerpause zu erörtern. Das Gremium vertagte sich auf Montagabend, um Bedenkzeit zu gewinnen.

Die Kämpfe am Boden und die Luftangriffe fordern viele zivile Opfer. Insgesamt wurden binnen 24 Stunden 94 Tote gemeldet, darunter allein 53 bei den Kämpfen um Aden. Unter den Opfern der Gefechte seien auch 17 Zivilisten, sagte ein Arzt der Nachrichtenagentur AFP. Zudem seien zehn Mitglieder der Hadi-treuen sogenannten Volkskomitees getötet worden. Aus Militärkreisen verlautete, auf Seiten der Rebellen habe es 26 Tote gegeben. Laut Augenzeugen dauerten die Gefechte am Montag besonders um das zentrale Viertel al-Moalla an.

Mehr als 500 getötet Zivilisten

Der Bürgerkrieg im Jemen fordert hunderte Opfer. Quelle: dpa
Jemenitische Frauen trauern

Der Bürgerkrieg im Jemen fordert hunderte Opfer.

(Foto: dpa)

Die Vereinten Nationen (UN) gehen von mehr als 500 getöteten Zivilisten in den letzten zwei Wochen aus. Im Windschatten des Konflikts zwischen den Huthis und den Hadi-Loyalisten gewinnt der jemenitische Ableger der Al-Kaida (AQAP) in den südöstlichen Landesteilen Oberwasser. Milizen des Terrornetzes eroberten am letzten Freitag die Hafenstadt Mukalla. Bilder, die über Twitter verbreitet wurden, zeigten den örtlichen Al-Kaida-Führer Chalid Batarfi im Präsidentenpalast von Mukalla. Die Dschihadisten hatten ihn bei der Eroberung der Stadt aus dem Zentralgefängnis befreit, in dem er inhaftiert gewesen war.

Die Allianz um Saudi-Arabien begründet ihre Intervention auch damit, dass der Iran die Huthis unterstütze. Viele Experten bezweifeln aber, dass der Iran nennenswert Einfluss auf die Rebellen hat. Das iranische Parlament warf Saudi-Arabien am Sonntag eine „klare Aggression gegen ein Volk und ein unabhängiges Land“ vor. Iranischen Medienberichten zufolge bat die Regierung in Teheran das Sultanat Oman, sich in Riad für ein Ende der Luftangriffe einzusetzen.

In Pakistan beriet das Parlament am Montag über eine Anfrage Saudi-Arabiens, sich mit Flugzeugen, Schiffen und Truppen an der Koalition im Jemen zu beteiligen. Die Regierung von Ministerpräsident Nawaz Sharif zögert trotz ihrer engen Beziehungen mit Riad bisher, sich an der Intervention zu beteiligen, und spricht sich für eine politische Lösung des Konflikts im Jemen aus.

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